Hugo Schuchardt an Edward Spencer Dodgson (190-55)

von Hugo Schuchardt

an Edward Spencer Dodgson

Gotha

23. 01. 1896

language Deutsch

Schlagwörter: language Georgisch Tiflis

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Edward Spencer Dodgson (190-55). Gotha, 23. 01. 1896. Hrsg. von Bernhard Hurch (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3551, abgerufen am 29. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.3551.


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Gotha, 23 Jänner 96

Lieber Herr Dodgson,

In diesem Augenblick habe ich Ihre Karte und das Päckchen baskischer Schriften erhalten. Ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank.

Leizarragamuss endlich einmal im Neudruck erscheinen. Ich würde mich ohne Weiteres mit Ihnen zu diesem Zwecke verbinden, wenn ich nicht schon einige Schritte gethan hätte um mit Andern die Sache in Angriff zu nehmen. Allein es lässt sich vielleicht eine Kooperation in weiterem Umfang bewerkstelligen. Ich werde Ihnen demnächst darüber schreiben. Gegen die weitere Veröffent|2|lichung einzelner Theile des N. T. erkläre ich mich mit Entschiedenheit, weil dadurch die Herausgabe des Ganzen verzögert und gestört wird. Die Kosten für ein Ev. Lucae mitzutragen würde ich mich sonst keineswegs scheuen; aber warum in derselben Grösse wie das Original? Das ist doch ganz gleichgültig. Und wenn auch der französische Text daneben nicht ohne Nutzen sein würde, so liesse sich doch um denselben Preis ein anderer Bibeltheil in baskischer Sprache drucken, und das wäre unvergleichlich viel werthvoller. – Aber ich bleibe dabei: “aut Caesar (d. h. das ganze N. T.) aut nihil.“ Wir müssen den Leizarragaschen Sprachgebrauch in seiner Gänze übersehen, um ihn zur Grundlage erschöpfender wissenschaftlicher Untersuchungen machen zu können.

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Ich bestreite durchaus nicht den Vortheil des Reisens, ich sage nur so viel – und ich glaube hierbei der allgemeinsten Zustimmung gewiss zu sein – dass wenn man eine grössere wissenschaftliche Arbeit, insbesondere auch die Herausgabe eines Buches unternimmt, man dies mit Erfolg nur dann ausführen kann wenn man dabei im grossen Ganzen still sitzt, wenn man eine feste Wohnung, ein Centrum hat und von da nur Ausflüge wenn auch weitere und längere macht. Ich für meinen Theil könnte Korrekturen meiner Abhandlungen nur bei mir, d.h. in der Mitte meiner Bibliothek und in der Nähe einer grossen öffentlichen zu meiner eigenen Befriedigung vollziehen. Wenn ich Ihnen über bedera u.a. nicht antworte, so deshalb - wie ich Ihnen, glaube ich, ausdrücklich gesagt habe – weil ich |4| fern von meinen Büchern die Sache nicht näher untersuchen kann.

Was ich von unserer Konvertirungsmethode sagte, bezieht sich darauf dass man in Folge derselben beim Öffnen des Kouverts leicht den Inhalt beschädigt. Die Add. et Corr. habe ich im Esk. Gaz. Alm. vorgefunden.

Es wäre nicht unmöglich dass ich in diesem Frühjahr nach Südfrankreich reiste, und zwar nach Montauban. Ich erfahre nämlich aus Tiflis dass sich dort ein georgisches Kloster befindet; sollte sich das bewahrheiten und zwar unter Hinzutritt anderer günstigen Umstände, so würde ich auf einige Wochen dahin gehen, um praktische Studien im Georgischen zu treiben. Das Iberische des Ostens steht dem des Westens an Merkwürdigkeit kaum nach.

Schreiben Sie mir bald einmal wieder, u. A. auch, ob Ihnen die Akademie d. W. zu Wien eine Empfangsbestätigung geschickt hat. Adressiren Sie immerhin nach Graz, es ist möglich dass ich dann wieder dort bin, meiner Mutter geht es besser.

Mit bestem Grusse

Ihr
HS.

Universitätsbibliotheken in Wien, Innsbruck

Graz, Czernowitz, Prag (alle deutsch),

Lemberg, Krakau (poln.).

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Azkue Biblioteka (Euskaltzaindia). (Sig. 55)