Hugo Schuchardt an Edward Spencer Dodgson (165-48)

von Hugo Schuchardt

an Edward Spencer Dodgson

Graz

01. 03. 1895

language Deutsch

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Edward Spencer Dodgson (165-48). Graz, 01. 03. 1895. Hrsg. von Bernhard Hurch (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3520, abgerufen am 30. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.3520.


|1|

Graz, 1 März 95.

Lieber Herr Dodgson,

Wenn Sie sagen dass Sie mehr Beleidigungen als Belehrungen von mir empfangen haben, so haben Sie vielleicht von Ihrem Standpunkt aus Recht, aber nicht von dem meinigen. Denn was Sie für Beleidigungen halten, sollten nur Belehrungen sein, über die Methoden der Wissenschaft. Denn die sind und bleiben das Wesentliche, alles Andere nur membra disjecta.

Die Gebote des Mein und Dein glaube ich immer sehr streng zu beobachten. Ich kann Sie auf das Bestimmteste versichern dass ich das Richtige über elbiko selbst gefunden habe, dass ich was Sie brieflich darüber mir mitgetheilt haben, entweder noch nicht erhalten hatte, wie ich jene Notiz schrieb oder nicht gelesen hatte. Ich fand nämlich den Sachverhalt erst nach einiger Bemühung heraus. – |2| Was Bajae anlangt, so habe ich Ihnen ja schon gesagt dass ich gar keinen Anlass hatte Sie zu zitiren; ich hatte die Meinung dass Bajae baskischen Ursprungs sei, so unbegründet wie irgend Etwas sein kann, ich hatte es nicht der Mühe werth gefunden sie anzuführen (wenn sie mir damals schon bekannt war – was ich in diesem Augenblick nicht mehr weiss), sie war ja durch die Herkunft des baskischen Wortes aus dem romanischen durchaus widerlegt. – Wie können Sie denn von “vague accusations“ reden? Bin ich denn nicht in meinen Bemerkungen immer sehr eingehend, berücksichtige ich nicht immer alle Einzelheiten? Den Vorwurf des vague könnte ich Ihnen zurückgeben; denn Sie beschränkten sich immer nur darauf, irgend zwei gleich- oder ähnlich lautende Wörter verschiedener Sprachen zusammenzustellen, ohne je eine wirkliche |3| Untersuchung darüber anzustellen. Das ist durchaus unwissenschaftlich. Ich habe Ihnen das gleich bei unserer Begegnung oder vielleicht schon vorher brieflich gesagt; Sie haben aber – trotz meiner wiederholten Proteste – durchaus keine Rücksicht darauf genommen. – Unsere Ansichten über diesen Punkt sind so verschieden dass ich wirklich nicht einsehe wie aus einem Briefwechsel zwischen uns etwas Erspriessliches hervorgehen kann. Das soll durchaus nicht bedeuten dass nicht unter den vielen Mittheilungen die Sie mir machen, sich auch solche finden die mich interessiren. Ich meine vielmehr im Grossen und Ganzen. Da verstehe ich Sie nicht, und Sie verstehen mich nicht. Wo und mit welchen |4| Worten habe ich gesagt dass “you dont know how to make a Bibliography“.

Bestens grüssend

Ihr ergebener

Hugo Schuchardt

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Azkue Biblioteka (Euskaltzaindia). (Sig. 48)