Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (322-s.n.)

von Hugo Schuchardt

an Julio de Urquijo Ybarra

Graz

12. 06. 1914

language Deutsch

Schlagwörter: Revue internationale des études basqueslanguage Französischlanguage Provenzalischlanguage Spanischlanguage Baskisch Azkue y Aberasturi, Resurrección María de Trebitsch, Rudolf Lacombe, Georges Vinson, Julien Karras, Ehrhardt Oihenart, Arnaud d´ Meyer-Lübke, Wilhelm Paris Baskenland Schuchardt, Hugo (1914) Schuchardt, Hugo (1914)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (322-s.n.). Graz, 12. 06. 1914. Hrsg. von Bernhard Hurch und Maria José Kerejeta (2007). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3478, abgerufen am 03. 10. 2023. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3478.


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Graz, 12. 6. '14

Lieber Freund!

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Briefe vom 23. Mai und 3. Juni, sowie für die Übersendung von Azkues neuestem Werk1 nebst den Zeitungsausschnitten.

Mag dieses Erfolg haben oder nicht, ich glaube Azkue ist für die Fortsetzung seiner großen lexikographischen Arbeit verloren. Ein Dichter (und nun gar ein Komponist) faßt nur einmal ein Wörterbuch ab; so Mistral, und es mußte ein Piat kommen um das Gegenstück, das französisch- provenzalische zu liefern. Auf wen dürfen wir für |2|das spanisch-französisch-baskische hoffen, das für die Sprachforschung ein dringendes Bedürfnis ist?

Von Trebitsch erhielt ich gestern eine Karte, derzufolge er den bewußten Bogen den er zur Berichtigung verschiedener Kleinigkeiten an Lacombe am 25. Mai abgesandt hatte, erst am 9. Juni von Paris zurückerhielt. In dem Teil der das spanische Baskenland betrifft, hatte ich Familiennamen wie Torribii und mit der ital. Schreibung -ghi- (statt -gui-) gefunden, von anderem abgesehen dessen ich mich nicht deutlich mehr entsinne.

Unmittelbar2 nach Empfang des letzten Heftes der RB hatte ich an Lacombe eine Karte geschrieben, in der ich auf zwei Druckfehler in seinen Artikeln hinwies, und bei dieser Gelegenheit ihn um kurze |3|Nachricht über sich selbst bat. Er hat hierauf, wie auch auf einen späteren Brief nicht geantwortet, obwohl er sich bisher als der fleißigste und aufmerksamste Korrespondent erwiesen hatte. So fühle ich mich denn einigermaßen beunruhigt, nicht in meinem persönlichen Interesse, sondern in dem unserer gemeinsamen Studien. Ich habe überhaupt keine klare Vorstellung davon gehabt wie sich die Angelegenheit seiner Doktorthese entwickeln würde. Der Einzige der in Paris sie beurteilen könnte, wäre doch Vinson; und mit dem scheint er auseinander zu sein. Ich verzichte darauf Vermutungen auszusprechen.

Wenn das erste Heft des neuen Jahrgangs später ausgegeben |4|wurde als es wünschenswert war — trägt Karras die Schuld daran? Ich frage deshalb weil ich nach dieser Seite hin immer das Gefühl einer gewissen Verantwortlichkeit habe, obwohl ich Ihnen gegenüber beim Wechsel der Druckerei erklärte eine solche nicht zu übernehmen.

Für die Mitteilungen über den Briefwechsel Oihenart — Pouvreau bin ich Ihnen sehr verbunden; ich werde sie aber erst nutzbar machen können wenn ich die Korrektur meines Aufsatzes über Meyer-Lübkes Etym. Wtb.3 vor mir habe.

Was Refr.196 und 197 anlangt, so veranlassen sie mich zu folgenden Fragen:

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 1) Wie kommt Azkue dazu rollo in royo zu ändern?

 2) wo wird royo für pino albar gesagt? ich finde das Wort überhaupt nicht in meinen Behelfen.

 3) ist e?quequi richtig? nicht etwa e?quegui oder e?equi oder e?equigo? e?quequi asco baleuco wäre doch zu übersetzen: si colgase muchos.

 4) was ist belorita etymologisch? diese Frage gebe ich Ihnen zurück daß das Wort soviel wie "Galgen" bedeutet, scheint mir sicher. An vilorta ließe sich denken, aber dann würden wir es wohl in der span. Germanía finden.

Das Sprichwort bei Azkue u.d.W. arets?  ist gewiß verwandten Sinnes wie Refr.197. Die zweite Hälfte zitieren Sie als ta dago ezkur gabea; Azkue schreibt taezkurrikez! — Nebenbei gesagt, ist mir der Genetiv aretsearen betea befremdlich.

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Sehr wertvoll ist mir Ihr Hinweis auf das Sprichwort: "Hochmut ist des Teufels Affe", wenn auch dadurch für eine Erklärung von tusuri nichts gewonnen wird. Es ist aber keineswegs der einzige Fall, daß ein heidnischer Gott (und noch dazu einer der schon im Heidentum nicht zu den gütigen gehörte) der mit der allgemeinen Rolle des Teufels betraut wurde.

Ich hatte in jenem Brief an Lacombe eine kleine Anmerkung zu dem tusuri-Artikel4 eingelegt, die sich auf das t- für d- bezieht.

Ich danke Ihnen schließlich für Ihren liebenswürdigen Glückwunsch zu meinem goldenen Doktorat; die verschiedenen Danksagungen u.ä. sind den Ursachen beizuzählen welche meine Antwort an Sie verzögert haben. Die Hauptursache freilich ist meteorologischer Art; das Wetter hat mich völlig erschlafft.

Mit herzlichem Gruß

Ihr

HSchuchardt

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Eben habe ich den Brief in den Umschlag gesteckt als ich einen längeren von Lacombe erhalte. Ich öffne deshalb jenen wieder, um diese Zeilen einzufügen; ich habe nicht die Kraft den Brief nocheinmal zu schreiben; ich bitte Sie das rot Durchstrichene als non avenu zu betrachten. Lacombe ist ganz der Korrespondent den ich gewohnt bin; er gibt mir über alles die erwünschte Auskunft; es sind innere Gründe die den Abschluß seiner Arbeit verzögern.

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1 Los únicos trabajos que Azkue da a la imprenta en este año son: „Pozari. Himno. ‘An die Freude’ de Schiller...“ y „La Consagración del Graal del Parsifal de Wagner traducido al Euzkera“. Azkue ( 1914a y 1914b ).

2 Todo este párrafo está tachado con lápiz rojo.

3 H. S. (1914-1917b).

4 H. S. „Tusuri ‘Teufel’“, RIEV 8 (1914-1917c): 324.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Koldo Mitxelena Kulturunea - Liburutegia (Fondo Urquijo). (Sig. s.n.)