Ivan Šišmanov an Hugo Schuchardt (1-10692)

von Ivan Šišmanov

an Hugo Schuchardt

Sofia

20. 10. 1899

language Deutsch

Schlagwörter: Netze Publikationsvorhaben Etymologie Sonderabdruck Sprachkontakt (allgemein) Universitätsbibliothek Graz Byzantinische Zeitschriftlanguage Serbischlanguage Russischlanguage Rumänischlanguage Bulgarischlanguage Griechischlanguage Slawische Sprachen Marinov, Dimitar Meyer, Gustav Krumbacher, Karl Schuchardt, Hugo (1899)

Zitiervorschlag: Ivan Šišmanov an Hugo Schuchardt (1-10692). Sofia, 20. 10. 1899. Hrsg. von Johannes Mücke (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3459, abgerufen am 25. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3459.


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Hochgeehrter Herr College,

Dass ich erst heute auf Ihre Anfrage antworte, werden Sie mir wol gütigst verzeihen, denn mich trifft die Schuld der Verspätung nicht völlig: Ich bin nämlich erst vor einigen Tagen aus Russland zurückgekehrt. Schade dass man mir Ihren Brief nicht nachgeschickt hat. Zwar hätte ich Ihnen, gerade wie heute, keinen positiven Bescheid geben können, doch hätte Ihnen möglicherweise auch dies genügt: zu erfahren, dass ein Ausdruck, ähnlich dem serbischтрбук (-ок, retis genus) oder dem südruss (resp. rum.) тербулек, bei uns. so viel mein Wissen reicht, nicht existiert.1

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Ebensowenig kenne ich ein specielles bulg. Werk (oder Studie) über Fischerei. Nichtsdestoweniger will ich nachfragen, sowohl im Ackerbauministerium, als auch bei kundigen Ethnographen, z. B. bei Marinov, der seit längerer Zeit einen neuen Band seiner "Živa Starina" vorbereitet, der von der materiellen Cultur des bulgarischen Volkes handeln wird.2 Vielleicht findet sich noch etwas für Sie wissenswertes. Jedenfalls werde ich Ihnen die Resultate meiner Enquête rechtzeitig mittheilen.

Durch die Erwähnung unseres gemeinsamen Freundes, Gustav Meyer, haben Sie in mir recht angenehme allein auch traurige Erinnerungen wachgerufen.3|3|Ich habe den ausgezeichneten Mann zwar nicht persönlich gekannt, doch sein Unglück, das ja eigentlich mehr ein Unglück für die Wissenschaft ist, - ging mich sehr nahe an, und es will mir noch immer scheinen, dass eine solche Kraft für uns nicht für immer verloren ist. Sollte er wirklich nicht die tückische Krankheit überwinden?

Was aber Sie, Herr College, anbetrifft, brauche ich Sie, glaube ich, nicht besonders versichern zu müssen, dass mir Ihre Arbeiten bekannt sind und dass ich Sie hochschätze.

Damit Sie aber auch sehen, wie gerne ich mich in manche Ihrer ausgezeichneten Studien vertiefe, will ich Ihnen mittheilen, dass ich seit längerer |4| Zeit für Krumbachers Byz. Zschr. eine Studie über "Slavo-Griechisches" vorbereite.4

Mit ausgezeichneter Hochachtung

Ihr Ergebenster

Šišmanow

Sofia, 20.X.99
улица Шипка 13

Würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie bei Separatabdrucken auch meiner zeitweise gedenken würden.


1 Vgl. dazu Schuchardt (1899 [= HSA 335]: 148-152) und die Nachträge (ebd., 213-215), wo Schuchardt über diese Netzbezeichnung schreibt: "Es bleibt noch das bessarabische тypбyкь; zu dem slowakischen Worte kann es in keiner direkten Beziehung stehen, und eine solche zum serbischen ist höchst unwahrscheinlich — meine Erkundigungen bei Bulgaren und Rumänen haben ergeben dass ein entsprechendes Wort unter ihnen nicht vorkommt" (1899 [= HSA 335]: 124-125). Vgl. dazu auch das Manuskript mit dem Titel "Pančić" im Nachlass Schuchardts (Signatur 17.1.5.2), wo sich auf S. 17 eine kurze Beschreibung des Fischereiwerkzeugs "Трбок" findet.

2 Dimitar Marinov (1846-1940), bulgarischer Ethnograph, veröffentlichte insgesamt sieben Bände der ethnographischen Reihe Živa Starina. Die ersten vier Bände erschienen zwischen 1891 und 1894, der fünfte Band war zum Zeitpunkt dieses Briefes offenbar in Arbeit und erschien 1901 (vgl. Vasileva 1998: 121 ). Die ersten vier Bände befinden sich auch mit der Signatur I 96527 an der UB Graz.

3 Gustav Meyer starb am 28.08.1900 an den Folgen einer Syphiliserkrankung. Zum Zeitpunkt der Abfassung des vorliegenden Briefs befand er sich bereits in stationärer Behandlung. Schuchardt und Meyer lebten Tür an Tür in der Grazer Elisabethstraße, auch ein Briefwechsel ist überliefert (Bibl. Nr. 07160-07183 im Nachlass Schuchardts sowie ein Brief im Nachlass Meyers). Im Nachlass Meyers befinden sich auch vier Briefe von Šišmanow (Nr. 226-229).

4 Ein Beitrag mit diesem Titel konnte in den Bänden der Byzantinischen Zeitschrift der folgenden sechs Jahre vom Verfasser dieser Edition nicht ermittelt werden.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 10692)