Heinrich Gelzer an Hugo Schuchardt (01-03629)

von Heinrich Gelzer

an Hugo Schuchardt

Jena

14. 06. 1913

language Deutsch

Schlagwörter: Sonderabdruck Dankschreiben Publikationsversand Globus. Illustrierte Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde Zitierweise Annales de géographie Bitte um wissenschaftliche Meinunglanguage Französischlanguage Arabischlanguage Berberisch Jena Schuchardt, Hugo (1866) Schuchardt, Hugo (1884) Schuchardt, Hugo (1888) Schuchardt, Hugo (1889) Schuchardt, Hugo (1891) Schuchardt, Hugo (1909)

Zitiervorschlag: Heinrich Gelzer an Hugo Schuchardt (01-03629). Jena, 14. 06. 1913. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3384, abgerufen am 29. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3384.


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Jena den 14. Juni 1913
1 Villengang

Hochverehrter Herr Professor

Gerade hatte ich die Separata erhalten – da ich einige Tage verreist war – und wollte Ihnen eins zusenden, da erhielt ich Ihre freundliche Zusendung. Ich danke Ihnen bestens dafür, ich kenne Ihr Buch wie, soweit ich sehe, wohl jede Zeile von Ihnen seit langer Zeit. Alles von Ihnen publizierte, vom Vulgärlatein bis zu den Globusartikeln1 habe ich mit stets grösstem Interesse gelesen. Ihre Arbeiten waren Vorbedingung meines kleinen Aufsatzes.2

Natürlich hätte ich S. 285 Ihr Buch Sl. d. u. Sl. it.3 anführen sollen, aber ich habe dort nur einige Beispiele aufgeführt. Ich hätte natürlich noch viele andere bringen können; mindestens noch die Belege aus der Übersicht von J. Wackernagel „Sprachtausch u. Sprachmischung“4 und manches andere.

Ihr Buch habe ich S. 261 citiert, und ich nahm eben an, dass jeder, den solche Probleme interessieren, Ihr Buch kennen muss.

Ich hätte wohl auch Ihre Artikel über das Creolische etc., die lingua franca etc.5 anführen können. Ich musste mich aber beschränken. –

Ich möchte hier eine Kleinigkeit anführen, die ich gleich bei der ersten Lectüre fand. S. 8 des Sl. Deutschen erwähnen Sie die Reception des englischen s-Genetivs im Portugiesischen Indiens, also nach a man’s house una hombre’s casa. Aber das ist doch spanisch und nicht portugiesisch?6

Letzhin las ich einen Artikel, der mich sehr interessierte. Da er recht verborgen ist, ist er Ihnen vielleicht entgangen. In den |2|Annales de Géographie,  XVIIeannée 123 vom 15. Mai 1913 handelt E. F. Gautier über La Repartition de la langue Berbère en Algérie und kommt zu interessanten, seltsamen Resultaten.7 – Wenn es Ihre Zeit erlaubt, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir schreiben würden, wie Sie sich zu meinem Artikel stellen. Ich weiss, dass vieles recht hypothetisch ist. Aber ich habe viel Freude daran gehabt, das Gebiet ist ungeheur interessant. –

Also nochmals meinen verbindlichsten Dank!

In aufrichtiger Verehrung

Ihr ergebener

Heinrich Gelzer.


1 Der Vokalismus des Vulgärlateins I-III, Leipzig 1886-88; Schuchardt hat von 1868-1920 mehrfach in der Zeitschrift Globus veröffentlicht.

2 „Beiträge zum Dalmatischen und Albanesischen (24.7.12)“, ZrP 37, 1913, 257.

3 Schuchardt, Dem Herrn Franz von Miklosisch zum 20. November 1883. Slawodeutsches und Slawoitalienisches, Graz 1884, 3-140.

4 Jacob Wackernagel, „Sprachtausch und Sprachmischung“, Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen 1904,2, [90]-113.

5 „Beiträge zur Kenntnis des englischen Kreolisch“ I-III, Englische Studien 12, 1888, 470-474; 13, 1989, 158-162; 15, 1891, 286-305;„Die Lingua franca“, ZrP 33, 1909, 441-461.

6 Schuchardt schreibt loc. cit.: „An Stelle einer präpositionalen Verbindung ist eine Flexionsform getreten im indoport. (Mangalore) hombre’s casa für casa de hombre nach engl. the man’s house. Vielleicht in diesem Falle, sicher in manchen anderen knüpft das Fremde an etwas schon der Sprache Vorhandenes an“.

7 Gautier, Geographieprofessor an der Universität Alger, behandelt die Konkurrenz von Französisch, Arabisch und Berberisch. Was Gelzer mit „seltsamen Resultaten“ meint, ist nicht klar, vielleicht S. 266: „Dans la mesure où l’arabe a éliminé le berbère, le français a bien des chances d’éliminer l’arabe; seulement, il faudra que les siècles lui fassent un crédit analogue“.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 03629)