Hugo Schuchardt an Meyer Kayserling (4-894-2)

von Hugo Schuchardt

an Meyer Kayserling

Graz

29. 11. 1879

language Deutsch

Schlagwörter: Dankschreiben Publikationsversand Biographisches Publikationsvorhaben Verlage Zeitschrift für romanische Philologie Publikationswesen Druckwesen Romanische Philologielanguage Judeo-Spanischlanguage Hebräisch Portugal

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Meyer Kayserling (4-894-2). Graz, 29. 11. 1879. Hrsg. von Johannes Mücke (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3237, abgerufen am 11. 12. 2023. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3237.


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Graz 29 Nov. 79.

Hochgeehrter Herr!

Empfangen Sie meinen lebhaften Dank für die Uebersendung Ihrer so gründlichen und so lebensvoll geschriebenen Geschichte der Juden in Portugal und verzeihen Sie, dass dies so spät geschieht; ich war die letzten 8 Tage leidend.

Es wäre sehr schön, wenn Sie den Plan, den Sie vor Jahren gehegt haben, das Ladino einer eingehenden Untersuchung zu unterwerfen, wieder aufnehmen würden. Sie haben die innern und äußern Mittel dazu. Ich hatte mich zu der Arbeit nur entschlossen, weil ich glaubte, sie würde eine |2| sehr erspriessliche sein, nicht weil ich mich besonders berufen dafür erachtete. Ich habe bis jetzt, durch mannigfache Arbeiten anderer Art abgehalten, noch nicht Zeit gehabt, mich mit dieser zu beschäftigen und offen gestanden fürchte ich mich ein wenig davor. Ich soll mich in das fast ganz vergessene Hebräisch wieder hineinstudiren; die gedruckten Hülfsmittel kann ich mir auch nur mit grössten Schwierigkeiten und nur eines nach dem andern verschaffen und Gelegenheit zu mündlichem Verkehr mit spanischen Juden habe ich hier nicht; und in Wien kann ich immer nur kurze Zeit verweilen.

Ihrer Veröffentlichung über die Rechtsgutachten sehe ich mit grösster Spannung entgegen. Haben Sie denn schon einen Verleger? Warum wollen Sie sich nicht an irgend eine Zeit- |3|schrift wenden; z. B. an die Zeitschrift für romanische Philologie1 die in Halle erscheint?* Ich übernehme sehr gern die Vermittlung und erwarte nur Bevollmächtigung von Ihrer Seite dazu. Das Honorar dieser Zeitschrift ist zwar nicht bedeutend, allein für Wissenschaftliches wird nirgends viel gezahlt. Wegen der biblioteca española judaica bitte ich Sie doch sehr, irgend welche Bedingungen aufzustellen, die ich den Verlegern vorlegen kann; da natürlich die Büchertitel zum grössten Theil in hebräischern Lettern zu drucken sind, so werden die Kosten des Satzes nicht unbedeutend sein. Anderseits werden Sie auch wieder an die direkten Kosten denken, die Ihnen die Arbeit verursacht hat, besonders wenn eine Reise nach Wien und München zum Abschluss nöthig wäre. Sollten sich nicht übrigens in diesen |4| Städten gelehrte Glaubensgenossen finden, die Ihnen das Gewünschte gern besorgen?

Ihrer gefälligen Antwort entgegensehend, bin ich mit vorzüglichster Hochachtung Ihr ergebenster
Hugo Schuchardt

[FN auf S. 3] * Es müsste dann allerdings das für die Romanisten Interessante besonders hervorgehoben werden. Wird viel hebräischer Druck dabei vorkommen?


1 Schuchardt und der Romanist Gustav Gröber (1844-1911), Gründer-Herausgeber der Zeitschrift für romanische Philologie, standen in intensivem Briefkontakt (Bibl. Nr. 04000-04156 im Nachlass Schuchardts). Während Schuchardt sehr häufig in der Zeitschrift publizierte, konnte eine Publikation Kayserlings darin bislang nicht ermittelt werden.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der National Library of Israel, Jerusalem. (Sig. 894)