Hugo Schuchardt an Edward Spencer Dodgson (049-16)

von Hugo Schuchardt

an Edward Spencer Dodgson

Graz

18. 01. 1893

language Deutsch

Schlagwörter: k. u. k. Akademie der Wissenschaften in Wien Revue de linguistique et de philologie comparée Euskal-Erria: Revista bascongada Bibliothek des Prinzen Louis-Lucien Bonapartelanguage Baskischlanguage Portugiesischbasierte Kreolsprache (Sri Lanka/Ceylon) Vinson, Julien Inchauspe, Emmanuel Eys, Willem Jan van Azkue y Aberasturi, Resurrección María de Ascoli, Graziadio Isaia Giacomino, Claudio Bonaparte, Louis Lucien Priebsch, Josef Schuchardt, Hugo (1893) Schuchardt, Hugo (1887) Berrenger, (1811) Fox, William Buckley (1819)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Edward Spencer Dodgson (049-16). Graz, 18. 01. 1893. Hrsg. von Bernhard Hurch (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3126, abgerufen am 30. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.3126.


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Graz 18 Jänner 1893.

Lieber Herr Dodgson,

Sie haben sehr Recht sich über mein langes Stillschweigen zu beklagen; aber das Baskische ist daran schuld und so wird mir der Baskophile verzeihen. Ich habe vor 8 Tagen der Akademie meine Baskischen Studien I Über die Entstehung der Bezugsformen des Verbums eingesandt, die mich viel Mühe gekostet haben. Ich berühre darin die wichtigsten Fragen der Konjugation; was den eigentlichen Inhalt bildet, werden Sie demnächst aus einem kurzen gedruckten Auszug erfahren. Der Druck der Abhandlung (70 grosse Quartseiten) soll demnächst beginnen; es versteht sich dass Sie einer der Ersten sein werden denen ich ein Exemplar schicke. Wie ich es mit Vinson halten soll, weiss ich nicht; er |2| hat mir seiner Zeit meine Kreolischen Studien abverlangt um sie in der Rev. de ling. zu besprechen, aber dann nichts gethan. Es macht mir wirklich den Eindruck als ob er vermiede meinen Namen zu nennen; des Aufsatzes über bask. p- hätte er doch in seiner Zeitschrift wenn auch nur mit ein paar Worten Erwähnung thun können.

Sie sagen, Inchauspe meine, edin bestehe nur in der Einbildung von van Eys. Wo sagt er denn das? Handelt es sich wirklich um edin? Gerade in Bezug auf diesen Punkt trenne ich mich nicht von v. Eys, dem ich in so vielen andern widerspreche.

Ich werde nächstens an Azkue schreiben müssen; denn das Exemplar seiner Grammatik, das ich habe, scheint von ihm herzurühren. Warum begleitete er es auch nicht mit einigen Zeilen! Nun ist auch – für die Revista bascongada gilt dasselbe – die grosse |3| Schwierigkeit, Geld nach Spanien zu senden, wenn es nicht gerade ein oder mehrere Goldstücke ausmacht.

Ich bin Ihnen sehr dankbar für Alles das Sie mir geschickt haben und hoffe Sie werden sich durch die Saumseligkeit der Empfangsbestätigung nicht in Ihrer Liebenswürdigkeit beirren lassen.

Wenn Sie sagen: “your silence is rather chilling“ in Bezug auf “Basque problems“, so kann ich Ihnen nur wiederholen dass ich zu Zusammenstellungen wie sl. sever und bask. ipar wirklich Nichts zu sagen weiss. Ich betrachte es als unsere nächste Aufgabe das Baskische durch das Baskische zu erklären; das habe ich auch neulich Ascoli in Bezug auf Giacomino geschrieben. Giacomino hatte mir, beiläufig gesagt eine sehr lange Reihe von Gegenbemerkungen geschickt (in sehr höflicher Form); |4| ich erachte keine irgendwie stichhaltig und wollte ihm das ausführlich darthun, habe aber keine Zeit dazu gefunden. Er sieht aber Alles durch die aegyptische oder hamitische Brille an.

Also wenn wir innerhalb des Baskischen bleiben (mit Einschluss des Lat. u. Rom., das so viele Wörter an das Baskische abgegeben hat), dann bin ich zu jeder Erörterung bereit. Godari ist sehr merkwürdig; gegen goiz-edari habe ich nur das Bedenken wegen der allzu starken Zusammenziehung. Chestatze scheint mir doch obwohl ich für das ch > j nichts Ähnliches anzuführen weiss, > niedernav. lab. jastatze ʽ(le) déguster’: Auf welche Autorität stützt sich die Angabe dass zwischen Baigorri und Les Aldudes darozkudazu für darozkidazu gesagt wird? ku für |5|ki kommt sonst nur vor gu vor, so in der Mundart von Roncal: daikuguzu, ʽvous nous l’avez’. Bitte, mir darüber Auskunft zu geben.

Ich denke der Katalog von Pr. BonapartesBibliothek wird demnächst fertig sein. Ich bin sehr in Verlegenheit wie ich mir die Bücher die ich wünsche, verschaffen soll. Die alten baskischen Drucke werden für meine Verhältnisse zu theuer sein. Wenn ich nur wenigstens drei oder vier Schriften über das Ceylonportugiesische (von Berrenger und Fox, Grammatiken, Wörterbuch) bekommen könnte; seit Jahren kann ich eine Arbeit nicht ausführen weil sie mir fehlen.

Priebsch hat mir um |6| Neujahr geschrieben und ich habe ihm schon geantwortet. Was er eigentlich (wissenschaftlich) treibt weiss ich nicht.

Genug für heute. Ich werde nächstens Ihre letzten Briefe wieder durchsehen und auf dasjenige antworten worauf ich eine Antwort weiss. Lassen Sie bald von sich hören.

Mit herzlichen Grüssen

Ihr

H Schuchardt

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Azkue Biblioteka (Euskaltzaindia). (Sig. 16)