Hugo Schuchardt an Hermann Suchier (19-19r-20v)

von Hugo Schuchardt

an Hermann Suchier

Graz

21. 10. 1887

language Deutsch

Schlagwörter: Romanische Philologielanguage Französischlanguage Romanische Sprachenlanguage Baskisch Meyer-Lübke, Wilhelm Havet, Louis Canello, Ugo Angelo Meyer-Lübke, Wilhelm (1888) Suchier, Hermann (1888) Schuchardt, Hugo (1867)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Hermann Suchier (19-19r-20v). Graz, 21. 10. 1887. Hrsg. von Bernhard Hurch (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.2999, abgerufen am 05. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.2999.


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Graz, 21 Okt. 1887

Verehrter Kollege!

Wenn ich mit schwachen Kräften Ihnen irgendwie nützlich sein kann, werde ich es sehr gern thun.1 Die Chronologie der Lauterscheinungen gehört wohl zu den allerschwierigsten Punkten. Beiläufig gesagt, verstehen Sie W. Meyer Grundr. S. 363,2 er sagt, der Ausfall des antevok. d gehe überall vor sich bevor die tonlosen Konsonanten tönend geworden sind. Also |2|vedeir wird zu veeir, bevor aus amata amada, amede wird?

Mit der von Ihnen acceptirten Erklärung der Diphthonge ie und uo (S. 573)3 kann ich mich immer noch nicht befreunden. Hatte übrigens nicht Havet vor Canello4 (vgl. auch meinen Vokal. II, 328)5 dieselbe gegeben? Ie und uo finden wir doch in allen möglichen Sprachen, und so viel ich sehe, immer für geschlossenese und o, sofern sie sich spontan entwickeln. Daher kann ich mir i und u nur von aussen |3| gekommen denken: vieni = veni, und dann verallgemeinert. Die Geschichte des Französischen mag für íe - und úo - sprechen, die der andern rom. Sprachen nicht. Auch ist mir íe aus ęę noch befremdlicher, als .

Ich treibe jetzt Dinge, welche von der romanischen Philologie etwas abseits liegen. Das Baskische aber hängt wenigstens noch an einem hinlänglich breiten Band damit zusammen. |4| Ich werde mich immer freuen, von Ihnen Gedrucktes und Geschriebenes zu lesen.

Mit besten Grüssen

Ihr ganz ergebener

Hugo Schuchardt


1 Hier scheint ein Brief Suchiers an Schuchardt nicht erhalten zu sein.

2 Meyer (1888).

3 Ebenfalls in Gröbers Grundriß der romanische Philologie, also Suchier (1888).

4 Es ist nicht feststellbar, auf welche Schrift von Ugo Angelo Canello Schuchardt sich hier bezieht. Vgl. aber Brief Nr. 24 unten.

5 Schuchardt (1867).

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz (Nachl. Suchier XIII: Schuchardt, Hugo, Blatt 1-54). (Sig. 19r)