Antonio Ive an Hugo Schuchardt (04-04938)

von Antonio Ive

an Hugo Schuchardt

Graz

23. 08. 1898

language Deutsch

Schlagwörter: Publikationsvorhaben Verlage Wilhelm Frick (Verlag) Harrassowitz Verlag Ive, Antonio (1900)

Zitiervorschlag: Antonio Ive an Hugo Schuchardt (04-04938). Graz, 23. 08. 1898. Hrsg. von Birgit Dorn, Johannes Mücke und Verena Schwägerl-Melchior (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.2892, abgerufen am 01. 03. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.2892.

Printedition: Dorn, Birgit; Mücke, Johannes; Schwägerl-Melchior, Verena (2016): 'Ihre Angelegenheit in Bezug auf d[as] Spinnen werde ich nicht aus den Augen lassen' – Briefe Antonio Ives an Hugo Schuchardt. In: Grazer Linguistische Studien. Bd. 85., S. 165-256. http://unipub.uni-graz.at/gls/periodical/pageview/1572604.


|1|

Graz, 23. August 1898

Hochgeehrter Herr Professor,

Verzeihen Sie mir, dass ich nicht früher imstande war, auf Ihr freundliches, wenn auch strenges, Schreiben zu antworten. Vorige Woche war ich aber durch die Correcturen und eine für mich nicht ganz angenehme Begebenheit derart in Anspruch genommen, dass ich wirklich nicht wusste wo mir der Kopf steckte. Trotzdem ganz verloren habe ich ihn nicht. Es hat mich wirklich leid gethan den Schritt bezüglich des Verlegers gethan zu haben ohne Sie früher zu befragen. Meine Unerfahrenheit in derlei Dingen und mein jüdischer Rathgeber haben mich dazu verführt. Ich bitte Sie recht sehr um Verzeihung: |2| Es ist aber jetzt alles wieder gut gemacht worden. Ich habe den Vorschlag (von Contrat war keine Rede) rückgängig gemacht und Herr Frick1 hat dagegen nichts einzuwenden gehabt. Nun heisst es wieder ans Werk zu gehen, um einen besseren V. (d.h. einen der zahlt) ausfindig zu machen, denn das Werk wird bestimmt Mitte September spätestens anfangs Oktober druckfertig sein: Den 3ten Bogen habe ich gestern fortgeschickt, und es geht jetz alles in rascherem Tempo vorwärts. Auch bin ich mit dem Drucker einverstanden, dass die 2 ersten Bogen im Satz liegen sollen bis das Ganze fertig ist. Also auch nach dieser Hinsicht ist Ihr Wunsch ganz erfüllt worden.

Jetzt muss ich Sie, sehr geehrter Herr Professor, freundlichst und innigst bitten, mir bei der 'ricerca dell'editore' behülflich sein zu sollen. Weder den Trübner2|3| noch den Harrasowitz3 kenne ich. Wenn Sie, der sich besser in der Beziehung verstehen die ausgezeichnete Güte hätten, gelegentlich an den Einen oder den Anderen in meiner Angelegenheit ein Wort der Empfehlung zu schreiben, würden Sie mich zum grössten Dank verpflichten. Die Sache selbst reift wie Sie sehen, in 3, spätestens 4 Wochen wird meine Arbeit fertig - und ich hoffe wenigstens4 in äusserer Beziehung gut und stattlich, - und Zeit gewonnen heisst Alles gewonnen. Also ich verlasse mich auf Ihr mir so oft und so edelmuthig erwiesenes Wohlwollen auch in dieser Beziehung. Übrigens habe ich mir vorgenommen, von nun an Nichts zu unternehmen, ohne früher Ihren Rath eingeholt zu haben. Inconsiderate will ich überhaupt nicht verhandeln. Hier haben wir jetzt eine tropische Hitze von 24-26° Réaumur sei 5 Tagen. |4| Dem Pastor Rullmann habe ich den Passus Ihres Briefes vorgelesen. Er ist aber damit nicht einverstanden; ja er beauftragte mich Ihnen seinen Zorn mitzutheilen, dass seine berühmte (Papalische) Canzone ohne Antwort geblieben sei.5 Sonst lebt er ruhig und fidel mitten in seinem Synedrion von alten Krüpeln und ausgedienten Majoren. Er fühlt sich dort ganz glücklich; ich aber würde dabei nur veralten. Ich bin so wie so bei dieser meiner Einsamkeit und Verschlossenheit alt genug geworden! Es geht mir hier Viel ab: Sie über alles! Aber es freut mich ungemein zu hören, dass es Ihnen gut geht. Die Marie6 ist auch damit zufrieden. Leben Sie recht recht wohl, unterhalten Sie sich dort auch für mich, behalten Sie mir immer Ihr mir unentbehrliches Wohlwollen und empfangen Sie den freundlichsten und höflichsten Gruss und die ausgezeichnete Hochachtung

von Ihrem Ihnen ganz ergebenen

Ive


1 Möglicherweise ist hier das Verlagshaus Wilhelm Frick am Graben gemeint. Dessen Gründer Wilhelm Frick war allerdings schon 1886 verstorben und der Verlag war an seinen Schwager Albert Köhler übergegangen (vgl. Schmidt 1903 : 268, s.v.).

2 Karl Ignaz Trübner (1846-1907), Verleger in Strassburg, der ebenfalls mit Schuchardt korrepondierte (Bibl. Nr. 11868-11883 aus den Jahren 1884-1905 im Nachlass). Ive publizierte seine Arbeit I dialetti ladino-veneti dell'Istria bei Trübner (Ive 1900).

3 Otto Harrasowitz (1845-1920), Verleger in Leipzig. Im Nachlass Schuchardts befinden sich fünf Schreiben von Harrassowitz bzw. nach dessen Tod vom Verlagshaus (Bibl. Nr. 04407-04411 aus den Jahren 1895-1922).

4 Darunter gestrichen "auch".

5 Es konnte nicht eruiert werden, was hiermit gemeint ist.

6 Gemeint ist vermutlich Schuchardts Haushälterin Maria Oswald, vgl. die Anmerkung zu Brief 03-04937.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04938)