Hugo Schuchardt an Franz von Miklosich (20-138-41-13)

von Hugo Schuchardt

an Franz von Miklosich

Graz

01. 04. 1883

language Deutsch

Schlagwörter: Eguílaz y Yanguas, Leopoldo de Mussafia, Adolf Birk, Ernst von Paris Wolf, Michaela (1993)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Franz von Miklosich (20-138-41-13). Graz, 01. 04. 1883. Hrsg. von Bernhard Hurch und Luca Melchior (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.2817, abgerufen am 14. 04. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.2817.


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Graz, 1 April 1883

Verehrter Herr Hofrath!

Mein Freund, D. Leopoldo Eguilaz, Professor in Granada, an den ich mich zuerst wegen des Slawischen Mscr. wandte, hat nun doch meinen Wunsch erfüllt. Die Verzögerung erklärt sich daraus, dass er den Kodex nicht mehr an der Stelle der Universitätsbibliothek vorfand, an welcher er ihn früher sah, als er einige Seiten derselben für einen russischen Jesuiten in Paris copirte. Das beigefügte Blatt enthält die erste und letzte Seite von jedem der |2| beiden Traktate der Hds., ausserdem drei Tafeln des ersteren.1 Ein junger Schüler des Eguilaz hat die Zeichnung angefertigt. Kosten thut sie nichts. Ueber die Qualitäten der Hds. ist Nichts bemerkt, als dass die Grösse der Seiten dieselbe ist, wie in der Kopie. Soll ich Weiterem nachfragen?

Ich bin wirklich bekümmert darüber dass Sie und Mussafia mein Vorgehen beim Obersthofmeisteramt gegen Birk missbilligen. Dasselbe hat schon Erfolg gehabt und wird weitern voraussichtlich haben.2|3| Ich weiss nicht welche Rücksicht ein Mann verdient, welcher Gelehrten, die in höflichster Weise Handschriften oder Drucksachen wünschen, eine brutale Flegelhaftigkeit entgegensetzt. Noch in der letzten Zeit sind mir neue Belege dafür mitgetheilt worden. Ist dafür wirklich der akademische Ausdruck: "die Interessen der Wissenschaft in liberalster Weise fördern"?

Ich bitte um Verzeihung wegen dieser rückhaltslosen Meinungsäusserung; es liegt mir an Ihrer und Mussafia's |4| Freundschaft zu viel, um sie durch einen derartigen Anlass wenn auch nicht eingebüsst, doch geschmälert zu sehen. Anderseits glaube ich, und Andere haben es mich versichert, in dieser Sache das Rechte gethan zu haben.

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr ganz ergebener

H. Schuchardt

Ich fürchte, dass nun der andere Herr, an den ich mich nach Granada wandte, eine vielleicht zu honorirende Arbeit liefern wird. Soll ich ihm abschreiben oder liegt Ihnen vielleicht daran, zur Kontrolle noch eine Kopie zu haben?3


1 Eguilaz schickte die Abschrift aus Granada mit einem Begleitbrief (Archivnummer 02702) am 16.3.1883.

2 Vgl. oben Schuchardts Brief 138/41-7 vom 17.01.1882 (wahrscheinlich aber 1883), Nr. 14 sowie die Einleitung der vorliegenden Edition.

3 Wolf (1993) verzeichnet keinen Brief von Alonso y Zegri im Nachlaß Schuchardts; die Anfrage wurde demzufolge womöglich zurückgenommen.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek. Siehe: [Portal]/Österreichische Nationalbibliothek, " Schuchardt, Hugo, 1842-1927 [VerfasserIn] ; Miklosich, Franz, 1813-1891 [AdressatIn]" (Sig. 138)