Hugo Schuchardt an Franz von Miklosich (02-138-41-03)

von Hugo Schuchardt

an Franz von Miklosich

Graz

20. 11. 1877

language Deutsch

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Franz von Miklosich (02-138-41-03). Graz, 20. 11. 1877. Hrsg. von Bernhard Hurch und Luca Melchior (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.2806, abgerufen am 02. 03. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.2806.


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Graz 20 Nov. 77.

Hochverehrter Herr Hofrath!

Verzeihen Sie, wenn ich, im Vertrauen auf Ihre Liebenswürdigkeit, Sie mit einer Anfrage belästige. Nach der herrschenden Ansicht haben die Rumänen die beiden Zeichen ӵ = în und џ = dž dem kyrillischen Alphabet hinzugefügt, ja die Serben sollen das letztere erst von den Rumänen entlehnt haben. Ist dies wohl richtig? Finden sich nicht beide Zeichen schon früher (d.h. vor der Mitte des 16. Jhdts.) in slawischen Texten angewandt? Und wie haben wir uns wohl ihre graphische Entstehung |2| zu denken? Kann џ eine Abänderung aus ӌ sein? Besitzt ӵ von Haus aus wirklich i + n und nicht etwa blos n?1 - Ich habe mich über diese Dinge aus den allerdings dürftigen Hülfsmitteln, welche die hiesige Bibliothek darbietet, zu unterrichten versucht, aber vergebens. Gern würde ich mir verschiedene einschlägige Schriften, deren Titel ich kenne, kommen lassen, wenn ich nur wüßte, ob Sie gerade die mir erwünschte Auskunft enthalten. In dieser Verlegenheit sind Sie wohl im Stande mir durch einen Nachweis zu helfen und würde ich Ihnen für einen solchen außerordentlich dankbar sein.

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Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Hofrath, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.

Ihr ergebenster

Hugo Schuchardt


1 Schuchardt hatte im Jahre 1877 von Bogdan Petriceicu Hasdeu das Manuskript von der geplanten Publikation (Hasdeu 1878) mit der Bitte erhalten, eine Einleitung dazu zu schreiben. Dies konnte nicht umgesetzt werden, Schuchardt arbeitete aber eifrig an seinen Kommentaren zum Manuskript, die dann in Schuchardt (1880) mündeten (vgl. auch unten). Zwischen 1877 und Anfang 1879 entwickelte sich ein äußerst intensiver Briefwechsel zwischen Schuchardt und Hasdeu, der vorwiegend diese Angelegenheit betrifft (vgl. die Edition der Korrespondenz Schuchardt-Hasdeu von Mazzoni 1983, insbesondere S. 55-173). Aufgrund der Uneinheitlichkeit der Schrift in den älteren rumänischen Urkunden und Texten scheint Schuchardt über die Entsprechung Laut/Schrift in Zweifel zu sein; die Verwendung unterschiedlicher Schriftzeichen in denselben Kontexten wurde von Schuchardt im Briefwechsel mit dem rumänischen Gelehrten verschiedentlich thematisiert.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek. Siehe: [Portal]/Österreichische Nationalbibliothek, " Schuchardt, Hugo, 1842-1927 [VerfasserIn] ; Miklosich, Franz, 1813-1891 [AdressatIn]" (Sig. 138)