Franz von Miklosich an Hugo Schuchardt (11-07380)

von Franz von Miklosich

an Hugo Schuchardt

Wien

14. 02. 1882

language Deutsch

Schlagwörter: language Slawische Sprachenlanguage Meglenorumänischlanguage Rumänischlanguage Italienischlanguage Lateinlanguage Spanisch Miklosich, Franz (1882) Miklosich, Franz (1882) Miklosich, Franz (1882) Miklosich, Franz (1883) Wolf, Michaela (1993)

Zitiervorschlag: Franz von Miklosich an Hugo Schuchardt (11-07380). Wien, 14. 02. 1882. Hrsg. von Bernhard Hurch und Luca Melchior (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.2796, abgerufen am 02. 03. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.2796.

Printedition: Hurch, Bernhard; Melchior, Luca (2013 [2015]): Der Briefwechsel zwischen Franz Miklosich und Hugo Schuchardt (1871-1889). In: Grazer Linguistische Studien. Bd. 80., S. 79-123.


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Geehrter Herr Professor!

Schönsten Dank für Ihre thätige Theilnahme an meinen rumunischen Studien!

Hinsichtlich dai haben Sie vollkommen Recht. a in al aus ea halte ich für wenig wahrscheinlich: eher möchte ich an Proklise denken. Etwas absonderliches hat el, e̥l, al aus ĭllum unzweifelhaft. Parasitisches n möchte ich auf mj beschränken, daher gnaffè, settignana durch ein solches erklären, in allen anderen Fällen eine andere Deutung versuchen. éte̥ beruht, wie ich nun sehe, |2| auf aetas, wie scátšete auf siccitas. Wenn in dem irischen Codex wirklich Pan Gurbán steht, so bleibt, wenn keine andere Erklärung gefunden wird, kaum etwas anders übrig als an einen Čechen oder Slovaken zu denken: die Wahrscheinlichkeit spricht für den ersteren als den näheren. Der Name des Slovakenführers von 1848, des noch lebenden Pfarrers Josef Miloslav Hurban kann nicht für den letzteren angeführt werden: in dergleichen Dingen |3| waltet zwischen Čechen und Slovaken kein Unterschied ob. Ist Gurbán mit Hurban identisch, dann ist es nicht "gibber", denn ein dieses bedeutendes Wort würde jetzt hrban lauten. Mit hrb (grъbъ) zusammenhangende P.N.1 kennt das Slavische. An g für jetziges h ist nicht Anstoss zu nehmen; vielleicht auch nicht an ur für r.

Bei wiederholtem Studium der mrum. Denkmähler bemerkte ich folgende Fehler:

|4|aliádze, richtig seligitur.2 se arúpe, richtig laceratur.3 χiárba,4kriáske̥,5moáre̥,6tsáse̥7 waren als Conjunctive zu bezeichnen. stré̥mur B. II. 54. beruht auf stlimulus: vergl. it.fiaccola aus facula.8 71. spricht für šterk aus stĕrcus das aus dem slav. stammende gunójDünger und Splitter.9

Mit herzlichen Grüssen

Ihr

ergebenster

Miklosich

Wien, 14 Februar 1882.10


1 Lies: "Personennamen".

2 In Miklosich (1882f: 246) liest man dagegen: "αλιάτζε (aliádze): σε-διαλέγεταιseliguntur 39. drum. alég".

3 In Miklosich (1882f: 247) findet sich: " αροῦπε: σε – lacerantur 27. arúpere mostre 43. drum. rup, rump. s. αρούψιρε".

4 So in Miklosich (1882f: 272): "χιάρπε (χiárbe)coquit 47. χιάρπαfervent 9. hérbere ath. 47. drum. ferb aus fierb".

5 Vgl. Miklosich (1882f:254):"κριάσκα(kriáske̥)crescunt 38. drum. kresk".

6 In Miklosich (1882f: 257) steht: "μοάρᾳ (moáre̥): τε καρα σε – quando moritur 43. drum.mor, murí".

7 Vgl. Miklosich (1882f: 268): "τζάσᾳ (tsáse̥)texunt 20. drum. tses.

8 Im zweiten Band der Beiträge zur Lautlehre der rumunischen Dialekte (Miklosich 1881-1883) findet man folgende Stelle (jedoch auf Seite 56): "stré̥mur Stachel, Triebel: stimulus, stimlus, stlimus" (Miklosich 1882c: 56); weiters im dritten Band (Miklosich 1882d: 234): "fláke̥re̥ flamma ist, wie it.fiaccola, latfacula durch flacula: vergl. stré̥murstimulus durch stlimus); schließlich findet man im fünften Band, der erst im darauffolgenden Jahre erschien, folgende Stelle: "stré̥murstimulus aus stĭmulus, stlimulus. Vergl it.fiaccola" (Miklosich 1883a: 29).

9 In den Berichtigungen und Ergänzungen in Miklosich (1882c: 73) liest man: "Zu E. n. šterk Splitter ist mit lat.stercus, it.stèrco, wohl unverwandt"; in Miklosich (1883a: 59) folgt die Berichtigung: "73. (71.) Z. 8. für šterk aus stěrcus (sp.estiercol) spricht gunój Mist, Dünger und Splitter".

10 Dieser Brief ist aufgrund der schlecht lesbaren Jahresangabe im Nachlaß fälschlicherweise auf das Jahr 1887 datiert und dementsprechend falsch eingeordnet (vgl. Wolf 1993: 277). Er muß, wie der Inhalt unzweifelhaft erkennen läßt, aus dem Jahr 1882 stammen.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07380)