Julius Flittner an Hugo Schuchardt (05-03076)

von Julius Flittner

an Hugo Schuchardt

Bonn

24. 06. 1878

language Deutsch

Schlagwörter: Ascoli, Graziadio Isaia Boehmer, Eduard Förster, Wendelin Canello, Ugo Angelo D´Ovidio, Francesco Ascoli, Graziadio Isaia (1873)

Zitiervorschlag: Julius Flittner an Hugo Schuchardt (05-03076). Bonn, 24. 06. 1878. Hrsg. von Luca Melchior (2015). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.2502, abgerufen am 05. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.2502.


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Bonn,1 d. 24. Juni 1878
Herrn Professor Dr. H. Schuchardt
Graz.

Sehr geehrter Herr Professor.

Meinen besten Dank für Ihren freundlichen, zusagenden Brief vom 20 d. M.

Anbei der gewünschte Verlags-Contract in zwei Exemplaren. In demselben ist der Zeitpunkt bis zu welchem Sie sich verpflichten die rumänische Grammatik im Manuscript mir druckfertig abzuliefern noch nicht ausgefüllt. Ich würde diesen Zeitpunkt gern auf Mitte nächsten Jahres festgesetzt sehen, wenn Sie bis dahin schon glauben das Manuscript fertigstellen zu können.

Ich bedauere sehr, dass Sie nicht auch die italienische Grammatik mit übernommen haben. Ob die französische Grammatik in französischer Sprach erscheinen wird ist noch nicht ganz festgestellt, jedoch hoffe ich es durchzusetzen.

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Wenn es Ihnen angezeigt scheint schon jetzt in der rumänischen Grammatik auch die Satzlehre mit zubearbeiten und doch den Umfang von 20 Bogen Gr 8o nicht zu überschreiten, so bitte ich dies ja zu thun.

Was das Schreibsystem anbetrifft, so ist darüber noch kein Beschluss gefasst, jedoch sind die phonetischen Systeme von Ascoli2 und Böhmer3 in Vorschlag gebracht. Das Diezsche System ist jedenfalls nicht mehr zu gebrauchen. Die von Ihnen gewünschten typographischen Zeichen gewähre ich gern, wenn Sie eben nicht ein gewissen Grad übersteigen. Sollten dadurch speciel in der rumänischen Grammatik die Unkosten des Satzes4 sehr vermehrt werden, so müsste ich allerdings von Ihrem Anerbieten Gebrauch machen. Da ich Ihnen auf Ihr Verlangen die anderen Mitarbeiter genannt habe, so werden Sie es natürlich finden, wenn ich mich auch nach dem Ihrigen erkundige.

Ueber die Art Ihrer Betheiligung am Anhange zur Diez'schen Grammatik wird Ihnen Herr Professor Foerster in den nächsten Tagen schreiben. Derselbe wird auch auf seiner Reise nach Italien, die er in diesem Herbst zu machen |3|gedenkt, dort mit Canello5 oder D'Ovidio6 wegen Uebernahme der italienischen Grammatik unterhandeln und auch hauptsächlich für den Diez'schen Anhang zu gewinnen suchen. Auf seiner Rückreise im November hofft Herr Professor Foerster mit Ihnen auch noch persönlich in Graz Rücksprache nehmen zu können. Einen Vertrag über Ihre Beiträge zum Anhang der Diez'schen Grammatik, können wir ehe Herr Professor Foerster Ihnen seine Pläne darüber auseinandergesetzt, nicht abschliessen. Dann würde ich aber jedenfalls darauf bestehen.

Sollte Ihnen in dem beiliegenden Verträge irgend ein Paragraph nicht klar sein oder Sie irgend einen Zusatzparagraphen wünschen, um späteren Missverständnissen vorzubeugen, so ersuche ich Sie mir dies gefälligst mittheilen zu wollen. Für viele und spitzfindige Paragraphen, die etwas ganz fest und |4| unwandelbar feststellen wollen, was meistens viel besser durch den Anstand und guten Willen der beiden Kontrahenten ausgeführt wird, bin ich nicht.

hochachtungsvoll
Julius Flittner


1 Vordruck.

2 Gemeint ist das Transkriptionssystem, das Graziadio Isaia Ascoli für seine Saggi ladini (1873) auf der Grundlage des "linguistischen Alphabets" von Lepsius (1855) entwickelte und das er im Kapitel "Trascrizioni e Altri Additamenti elementari" (Ascoli 1873: XLII-LIV) erläuterte.

3 Es handelt sich um das von Eduard Böhmer (1880) vorgeschlagene, ebenfalls auf Lepsius (1855) basierende Transkriptionssystem.

4 "des Satzes" nachträglich eingefügt.

5 Ugo Angelo Canello (1848-1883), italienischer Philologe und Sprachwissenschaftler, Korrespondent von Schuchardt ( Brief Nr. 01529).

6 Francesco D'Ovidio (1849-1925), italienischer Sprachwissenschaftler, Philologe und Literaturkritiker, Korrespondent von Schuchardt (Briefe Nr.08432-08494). Eine Edition der Korrespondenz ist geplant.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 03076)