Leo Spitzer an Hugo Schuchardt (254-11013)

von Leo Spitzer

an Hugo Schuchardt

Pörtschach

03. 07. 1920

language Deutsch

Schlagwörter: Simonyi, Zsigmond Meyer-Lübke, Wilhelm Vossler, Karl Lerch, Eugen Neumann, Fritz Bonn Spitzer, Leo (1918)

Zitiervorschlag: Leo Spitzer an Hugo Schuchardt (254-11013). Pörtschach, 03. 07. 1920. Hrsg. von Bernhard Hurch (2014). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.2084, abgerufen am 06. 06. 2023. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.2084.

Printedition: Hurch, Bernhard (2006): Leo Spitzers Briefe an Hugo Schuchardt. Berlin: Walter de Gruyter.


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Pörtschach, 3. VII.

Verehrter Herr Hofrat,

Ihren lieben Brief habe ich meinem Handexemplar der ARSS1 einverleibt – er ruht auf einem sehr schönen Brief Simonyi's über dasselbe Buch, unseres gemeinsamen Freundes. Gegenfrage: ist Ihnen diese Gesellschaft recht? Wenigstens kann ich mich freuen, Sie uns Sprachforschern und mir im Besonderen nah zu wissen. – Den Artikel in Spr.d.St. kenne ich vom Hörensagen, konnte ihn aber nie ergattern.

Ihre sub rosa-Mitteilung ist in verschiedenen Varianten auch an mein Ohr gedrungen. Dem M-L. schrieb V., er schlage mich an 2. Stelle vor, damit ich in Bonn etwas erreiche" – als ob das bei einem 2. Vorschlag möglich wäre! Mir schrieb V. das Gleiche mit dem Zusatz, "wenn Lerch nach Köln berufen würde..." – nun wird aber L. nicht nach Köln gehen, was doch jedes Kind weiß. Somit ist alles in schönster Ordnung. Ich habe x schriftliche Versicherungen, daß man mich schätze, mir wohl wolle etc., aber wenn es gilt, mir das zu zeigen – ja dann? Auch Neumann betonte stets seine Freundschaft mir gegenüber, was ihn nicht hinderte, jenes "Anti Spitzerheft" zu redigieren, das das Ende meiner Aussichten als Universitätslehrer bedeutete und zugleich die Begrüßung Deutschlands anläßlich meiner Übersiedlung dahin darstellte. – Doch ich will mit meiner Galle nicht Ihren Musenfrieden stören und danke Ihnen für jedes Lebenszeichen, das Sie mir geben u. das mich in meiner Verbitterung ein wenig erheitert und lebens­froher macht.

M-L soll irgendwo eine Lerch-Rez. geschrieben haben? Wo?

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Ich mache Ihnen wieder einmal ein freibleibendes Leih-Offert: Revista di fil. española 1916-20 (besonders der Artikel Pidal's über Diphthongierung bask. Wörter im Zug Span. Toponomastik u. die Aufsätze Castro's zu REW dürften Sie interessieren). – Ich arbeite jetzt manchmal wie verrückt. Meine Ihnen neulich angedeutete Arbeit habe ich in 1 1/2 Tagen wie fiebernd geschrieben. Das größte Glück ist die Ehe, das zweitgrößte die wissenschaftliche Arbeit – und am schönsten, wenn beide einander ablösen oder ineinandergreifen, wenn etwa die Frau auf demselben Balkon liegt oder handarbeitet, auf dem man wie ein Wilder herumgeistert.

Ergebenste Grüße
Spitzer


1 Aufsätze zur romanischen Syntax und Stilistik.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 11013)