Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (332-s.n.)

von Hugo Schuchardt

an Julio de Urquijo Ybarra

Graz

19. 12. 1914

language Deutsch

Schlagwörter: Revue internationale des études basques Zeitschrift für österreichische Volkskunde Naturhistorisches Museum (Wien)language Baskisch Winkler, Heinrich Karras, Ehrhardt Trebitsch, Rudolf Lacombe, Georges Meillet, Antoine Vinson, Julien Saroïhandy, Jean-Joseph Aranzadi y Unamuno, Telesforo de Spanien

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (332-s.n.). Graz, 19. 12. 1914. Hrsg. von Bernhard Hurch und Maria José Kerejeta (2007). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.1483, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.1483.


|1|

G. 19. 12. '14

Lieber Freund!

Ich freute mich, da ich gestern Ihren Brief vom 9. erhielt, um so mehr als ich befürchtet hatte, meine Sendung an Sie würde verloren gehen. Und sogar das Kreuzband ist angekommen! Ich muß Ihnen offene Briefe schicken (ebenso nach Deutschland); Sie dürfen mir wie in Friedenszeiten geschlossene schicken.

Es wäre sehr gut wenn man den Jahrgang 1914 der RB noch während des Krieges abschließen könnte; von Spanien aus ginge es wohl, wie ich denn in den letzten Monaten eine Arbeit von 10 Bogen in Amsterdam habe drucken lassen. Schwierigkeit scheint mir nur die Korrektur derjenigen Aufsätze zu bereiten die von Franzosen herrühren. Die große Arbeit von |2|Winkler kann natürlich druckfertig gemacht werden. Was sonst noch in Heft 2/3 enthalten ist, weiß ich nicht. Karras schrieb mir am 2. Okt. — vielleicht habe ich Ihnen das schon mitgeteilt — : "bis jetzt sind Bogen 13-19 gedruckt; 20-25 sind in Korrektur (teilweise noch in erster Korrektur). Die Bibliographie ist ebenfalls gesetzt, aber noch nicht zur Korrektur verschickt." — Das Heft 4 ließe sich ja von Ihnen allein herstellen, ich bin sehr gern bereit beizusteuern — das Baskische ist mir ja jetzt auch Herzenssache —, nur, Sie wissen ja, ist es mir bei meinen Gesundheitsverhältnissen unmöglich, irgend etwas zu versprechen. Ich mußte in diesen Tagen auch Dr. Trebitsch einen ungünstigen Bescheid geben als er mich fragte ob ich jetzt an die philologische Bearbeitung seiner baskischen Phonogramme herantreten wollte. Das besonders auch deswegen weil ich vom Umfang aus von der Beschaffenheit einer solchen Arbeit |3|keine klare Vorstellung habe; ich besorge, sie würde mich zu sehr in Anspruch nehmen und einen zu wenig selbständigen Charakter tragen. Dr. Trebitsch wird auch eine größere Abhandlung: Zur Volkskunde der Basken veröffentlichen, und zwar als Supplementheft der Zeitschrift für österr. Volkskunde. Hierbei mitzuhelfen kann ich eher zusagen; es handelt sich dabei nur um die Schreibung der Etymologie der einzelnen Bezeichnungen. Er hat mich insbesondere um Angabe von Literatur über Fischereigeräte1 gebeten; ich habe sie ihm nicht vorenthalten, aber zugleich ihn darauf hingewiesen daß auf diesem Gebiet schwerlich Eigentümlich-baskisches vorhanden sein dürfte.

Meine Anzeige von Schultens Numantia I (dieser Band, bei F.Bruckmann in München erschienen, kostet 40 Mark) rückt langsam vorwärts; durchschnittlich schreibe ich jeden Tag eine Zeile.

Eine andere Arbeit welche mich beim|4| Ausbruch des Krieges gerade beschäftigte, mußte ich obwohl sie dem Abschluß nahe war, aufgeben weil mir einige französische Bücher fehlten. Vielleicht wäre das eine wenigstens in einer Madrider Buchhandlung zu finden: Gsell Histoire ancienne de l'Afrique du Nord tome I 1913. Wenn Sie mit einer solchen in Verbindung stehen, hätten Sie etwa die Güte danach zu fragen?

Ich schicke Ihnen vorderhand noch 4 Stücke meines Sonderabdrucks; ich habe an Lacombe (den ich herzlich zu grüßen bitte), Meillet, Vinson, Saroïhandy gedacht. Übrigens habe ich auch Aranzadi keines geschickt; das kann ich ja immer noch von hier aus.

Indem ich Ihnen meine besten Wünsche zum Weihnachts- und Neujahrsfest darbringe, verbleibe ich

Ihr getreuer

HSchuchardt

Ich glaube in der Zerstreutheit auf die Kreuzbandsendung Astigarraga geschrieben zu haben, doch hoffe ich daß sie Ihnen zukommen wird; sie ist certificada.

|5||6|

1 H. S. tenía en su villa un pequeño museo de la pesca que a su muerte dejó al Museo de Historia Natural de Viena.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Koldo Mitxelena Kulturunea - Liburutegia (Fondo Urquijo). (Sig. s.n.)