Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (295-s.n.)

von Hugo Schuchardt

an Julio de Urquijo Ybarra

Graz

03. 08. 1913

language Deutsch

Schlagwörter: language Nubische Sprachenlanguage Baskisch Lacombe, Georges Azkue y Aberasturi, Resurrección María de Winkler, Heinrich Gutmann, Leon Baudouin de Courtenay, Jan Baskenland

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (295-s.n.). Graz, 03. 08. 1913. Hrsg. von Bernhard Hurch und Maria José Kerejeta (2007). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.1468, abgerufen am 06. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.1468.


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G. 3. 8. '13.

Lieber Freund,

Ich danke Ihnen vielmals für Ihr Entgegenkommen in Bezug auf meine Abhandlung. Es ist mir hiermit ein Stein vom Herzen gefallen (estoy aleviado de un gran peso). Denn ich verzweifelte fast eine Sache die mir fast ein Vierteljahrhundert nachging, überhaupt zu einem Abschluß zu bringen. So ist das nun in einer etwas gewaltsamen Weise geschehen, aber jedenfalls ist eine feste Grundlage für alle weitere Arbeit gewonnen: ich kann das Zusammengedrängte |2|und Angedeutete ausführen und entwickeln und die Andern können Stellung zu mir nehmen, freundliche oder feindliche. Den sehr verschiedenen Charakter der einzelnen Artikel, den ich S. 297 betont habe, wollte ich durch bestimmte Beispiele erläutern; aber das war ohne Übersicht über das Gedruckte nicht leicht zu machen und so hoffe ich daß Herr Lacombe, der sich schon angeboten hat über meine Abhandlung zu berichten, vermittelnd und aufklärend in dieser Hinsicht wirken wird.

Für die Aufnahme die Sie Herrn DrTrebitsch erwiesen haben, danke ich Ihnen nochmals. Mehrfache Nachrichten von Herrn Lacombe haben mich von der eifrigen und erfolgreichen Arbeit unterrichtet die auf französischer Seite geleistet worden ist. Und nun wollen Sie ihn, jenseits der Pyrenäen weiter führen. Da auch Azkue, wenig |3|stens zeitweise, in Ihrer Gesellschaft sein wird, so lege ich Ihnen Allen — wie ich das schon getan habe — die gründliche Prüfung des baskischenAkzents ans Herz. Es scheint mir daß hier die einzelnen Gebiete sich wesentlich unterscheiden; und für das Labourd ist mir ein musikalischer Akzent, wie ihn Azkue annimmt, fast undenkbar. Wenn man ein ganzes Vierteljahr auf den Akzent gehorcht hat wie ich, dann müßte man doch etwas davon gemerkt haben. Die Sache interessiert mich gerade jetzt besonders lebhaft, da im Nubischen mit dem ich beschäftigt bin, das Vorhandensein eines musikalischen Akzents diskutiert wird: Um nicht mißverstanden zu werden, bemerke ich daß ich nirgends den musikalischen Akzent als beweiskräftig für die geschichtliche Verwandtschaft von Sprachen ansehe.

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Was eigentlich Prof. H. Winkler bezweckt hat, ist mir unklar. Wenn wie aus einer Mitteilung von Lacombe hervorgeht, die Nichtverwandtschaft des Baskischen mit dem Uralaltaischen den Gegenstand seines Vortrags bildete, so war das eigentlich etwas Überflüssiges — denn niemand denkt mehr an Verwandtschaft, vielleicht nicht einmal mehr Dr. Gutmann (der übrigens, wie mir Baudouin de Courtenay aus Petersburg bei seinem kürzlichen Besuch mitteilte, in der letzten Zeit sich im Baskenland umgesehen haben muß). Wenn nun aber der Vortrag wie Sie mir schreiben, von außerordentlicher Länge war oder da es sich um eine druckfertige Arbeit handelt, ist, so kann ich mir das nur so zusammenreimen daß darin wohl weniger vom Baskischen als vom Uralaltaischen die Rede ist.

Mit herzlichem Gruß

Ihr

HSch.

Der Anthropophagenartikel ist noch nicht eingetroffen.

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Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Koldo Mitxelena Kulturunea - Liburutegia (Fondo Urquijo). (Sig. s.n.)