Hermann Meurer an Hugo Schuchardt (04-07153)
von Hermann Meurer
an Hugo Schuchardt
Unbekannt
Deutsch
Schlagwörter:
Latein
Baskisch
Koptisch Linschmann, Th. Leiçarraga, Ioannes Montauban Weimar Leipzig Jena Oihenart, Arnauld (1657) Brunet, Jacques-Charles (1880)
Zitiervorschlag: Hermann Meurer an Hugo Schuchardt (04-07153). Weimar. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann und Bernhard Hurch (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12457, abgerufen am 09. 09. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12457.
Sehr geehrter Herr Professor!
Köstlich: „Emeritirter Hofrat“ sind Sie, wie mir Linschmann schreibt. Sie können doch höchstens „emeritirter Univ. Prof.“ sein, aber ein Amtstitel wie Prof. ist „character indelebilis“ und Hofrat bleiben Sie bis an ihr, hoffentlich recht fernes, Ende. Die Abhandlung folgt anbei. Zuerst muß ich bemerken, daß ich diesen Aufsatz des gelehrten Beiwerks entkleidet hatte, da ich ihn von verschiedenen Zeitschriften als zu gelehrt zurückgeschickt erhielt. So machte ich ihn für ein größeres Publikum zurecht u. schickte ihn an ein protest. Blatt in Bremen. Die Herrn, ich glaube es war Pastor Ehmde, der mir schrieb, |2| hatten ihn noch für zu gelehrt befunden, obgleich er sie höchlichst interessiert habe, und ihn liebenswürdiger Weise an D. Websky, Schriftleiter der Prot. Monatsblätter in Berlin1, gesandt, der ihn auch gleich aufgenommen hat. Hätte ich das ahnen können, so hätte ich die andere Bearbeitung mit literar. Zuthaten, u. genauerem Unterschied der baskischen Verbalbildung im Gegensatz zu den flektierenden Sprachen u. s. w. zugesandt. Auch hatte ich noch die 2te Auf. Der Proverbes Basques, Paris 1847 in die Hände bekommen2, mit der ganzen Bibliographie von Francisque Michel3; nicht minder fand ich interessante Sachen zu Leiçarraga in Brunet4. Das alles hätte ich benutzen können. |3| Vor allem hat mir der Umstand verleidet, daß Bruston der Dekan in Montauban5, meine ( latein. abgefaßte) gar nicht mißzuverstehende Frage; wie viel baskisch redende Reformierte in jenen 2 Departements heutzutage anzunehmen seien, fälschlich beantwortet hat, denn die 4843 sind Reformierte, aber sprechen nicht mehr Baskisch. Ich beabsichtige vorläufig die Sache auf sich beruhen zu lassen, da Websky hier nach Weimar gekommen ist – seine Schwiegermutter wohnt hier – u. mich besuchen will.
Linschmann wohnt in Oetzsch bei Leipzig6, wie mir auf meine Anfrage Prof. Zarncke7 neulich mitteilte. Ich hatte Linschmann |4| die Fahnenabzüge zum Aufsatz geschickt, die er mir mit seinen Bemerkungen zurücksandte. Allein dazu war es zu spät, diese Zusätze über Ihren Titel, Bibliographie u. s. w. einzufügen; was sollte das auch! Durch eine Bemerkung zu den 4843 prot. Basken aufmerksam gemacht, schrieb ich zugleich mit Zusendung des Aufsatzes an Websky. Prot. Mbl.8, an Bruston und fragte deshalb an. Er antwortete: er bedaure meine Frage mißverstanden zu haben. Linschmann hat bei seinem Namen bemerkt „nachdem er im Meissnischen als Geistlicher gewirkt“. Ich hatte aber absichtlich das vermieden, da ich nicht wußte, ob ihm dieser Zusatz genehm sein würde.
So steht die Sache: Sie müssen mit der mangelhaften Anzeige Ihrer Arbeit vorlieb nehmen und den guten Willen für die That. Ich bin ja Laie u. hatte mich nun einigermaßen
|5|I1 RandI Prof. Schubert, den Sie kennen, war den ganzen Winter wegen Kehlkopfleiden in Gries9 u. am Gardasee; einmal habe ich ihn gesprochen. Jetzt ist er wieder irgendwo in der Sommerfrische rus evolavit sagt der feinere Franzose.
|6|I2 RandI Als glebae adscriptus bleibe ich immer hier. Sollten Sie nach Weimar kommen, bitte ich Sie uns zu besuchen.
Mit herzl. Gruß Ihr
Dr. H.
Meurer
mit dem Baskischen bekannt gemacht, wie jetzt mit dem Koptischen wegen Athan. Kircher (Beiblatt zur Magd. Ztg. 6. Mai)
Hoffentlich sind Sie gestärkt von der Reise zurückgekehrt; leider |8| nicht Prof. H. S. Si ex itinere redux lectiones indicabit, wie es vor 48 Jahren in Jena am schwarzen Bret (sic) hieß. Es würde mir sehr angenehm sein, Günstiges von Ihnen berichtet zu sehen.
1 Julius Ernst Websky (1850-1922), Evang. Theologe, Publizist. (Das „D.“ steht vermutlich für den theol. Doktortitel).
2 Proverbes basques: suivis des poésies basques du même auteur. Von Oihenart, Arnaut; die Erstausgabe stammt von 1657.
3 Francisque Michel (1809-1887), franz. französischer Historiker, Romanist, Mediävist, Argotforscher und Bibliophile ( wikipedia).
4 Manuel du libraire et de l'amateur de livres, par Jacques-Charles Brunet (mehrere Ausg.).
5 Charles Bruston (1838-1937), prot. Geistlicher Prof. a. d. Faculté de théologie protestante de Montauban .
6 Bis 1934 ein Ortsteil der Stadt Markkleeberg im Landkreis Leipzig.
7 Eduard Zarncke (1857-1936), Klass. Philologe; vgl. HSA 12970-12977.
8 Monatsblatt.
9 Gries-Quirein (italienisch Gries-San Quirino), zu diesem Zeitpunkt selbständiger Kurort, heute Teil von Bozen.
