Fridrich Suhtschek-Hauschka an Hugo Schuchardt (06-11463)

von Fridrich Suhtschek-Hauschka

an Hugo Schuchardt

Unbekannt

Unbekannt

language Deutsch

Zitiervorschlag: Fridrich Suhtschek-Hauschka an Hugo Schuchardt (06-11463). Unbekannt. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12417, abgerufen am 16. 10. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12417.


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Euer Hochwohlgeboren!
Sehr geehrter Herr Hofrat!

Für Ihr liebenswürdiges Schreiben danke ich vielmals: Herr Hofrat haben mit soviel Freundlichkeit mir geantwortet, daß es mir einigermaßen schwer fällt, für Ihr liebes Entgegenkommen gebührend zu danken.

Ich verhehlte mir nicht, daß ich eigentlich verpflichtet bin, Ihnen, sehr verehrter Herr Hofrat, mitzuteilen, welches Ziel ich im Auge habe. Herr Hofrat haben ja selbst bekannt, daß es Ihnen nach all dem, was ich geschrieben, unklar sei. Daß ich nicht schon früher mein Ziel dargestellt |2| hat seinen Grund in einer gewissen Bescheidenheit, die mir verbot, mit etwas, was erst im Beginnen und Werden ist, vorankündigend aufzutreten. Ich weiß ja auch nicht, ob ich meine Aufgabe so gut zu Ende führe, als ich selbst es für notwendig halte; ob ich nicht mitten in der Arbeit von Nichtinteresse übermannt werde. Und endlich fürchte ich stets, zu jenen jungen Leuten gerechnet zu werden, die man am besten mit „journalistische Köpfe“ bezeichnet: seichte Menschen mit großer Einbildung aber umso geringeren Kenntnissen u. durchschnittlichen Anlagen. Alles dies veranlasste mich also, von meinem eigentlichen Ziel dabei nicht zu reden.

Wenn ich aber bis zuletzt Lust an meiner angefangenen Arbeit behalte, so soll folgendes draus werden: Kleists Erzählung „Verlobung |3|von San Domingo“ – welcher Name damals längere Zeit für die ganze Insel, als auch den französischen Teil, wo die Erz. spielt, galt, veranlaßte mich an eine Dramatisierung zu denken. Dazu benötige ich einer naturechten Färbung, einer recht angepaßten Stimmungswelt und für die 1. und 7. Szene etliche Negerlieder, möglichst solche, die von Rassenhaß, geschichtlichen Reminiszenzen, von Lagerfeuer und Urwaldduft durchseucht sind, wenn auch grotesk und naïv, so doch fremdartig und packend. In der 1. Szene soll die betrunkene Babekan etliche Gassenhauerfragmente von sich geben, in der 7. die Neger einer Abteilung des Heeres unter Gen. Dessalines, der von 1804-6 als Kaiser Jakob 1. den „Tron“ bestieg, irgend welche in die Umwelt passende „Lieder“ anstimmen.

Als ich nun in der Verlegenheit war, ob ich den richtigen Ton ohne Vorlage zu treffen verstehe, |4| seh ich mich nach solchen um. Leider ist also das Ergebnis negativ. Inzwischen ist mir aber der Gedanke gekommen in Bret Hartes Skizzen1 und in den „Grashalmen“ Walt Witmans2 nachzulesen; vielleicht finde ich dort etwas Passendes.

Jedenfalls schicke ich, wenn ich die Arbeit nicht zurücklege sondern bis zum Ende mit Lust dabei bin, dann ein Exemplar an Sie, Herr Hofrat!

Mit dem herzlichsten Dake für Ihre liebe u. gütige Mühewaltung verbleibe ich

deren

sehr ergebener

Dr. Fritz Suhtschek-Hauschka.


1 Bret Harte, Sketches.

2 Walt Whitman, Leaves of Grass (Titel der deutschen Nachdichtungen „Grashalme“).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 11463)