Josef Strzygowski an Hugo Schuchardt (05-11350)

von Josef Strzygowski

an Hugo Schuchardt

Wien

11. 01. 1924

language Deutsch

Schlagwörter: Spanien Graz

Zitiervorschlag: Josef Strzygowski an Hugo Schuchardt (05-11350). Wien, 11. 01. 1924. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12411, abgerufen am 15. 09. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12411.


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Josef Strzygowski
IX Hörlgasse 6
11.I.24.

Hochverehrter Herr Kollege,

es drängt mich, Sie wegen spanischer Dinge um Rat zu fragen. So oft ich auch schon dorthin geschrieben habe, ich bekomme entweder gar keine oder ausweichende Antworten. Es ist ja möglich, dass man in Spanien gegen mich persönlich verhetzt ist, vielleicht liegt es aber auch am Nationalcharakter der Spanier, dass man mit ihnen besser erst mündlich anfängt. Also es handelt sich um Folgendes.

Um gleich beim äussersten Ende anzufangen: haben die Basken Holzkirchen? Und wie sehen die aus, ist darüber irgendwo etwas veröffentlicht?

Und zweitens, sind sonst irgendwo in Spanien noch Holzkirchen erhalten oder gibt es Gebiete, wo man heute noch solche baut? Wie steht es mit der Zimmermannsprache, spielt sie im Baulexikon eine besondere Rolle?

Ich arbeite jetzt seit 6 Jahren, nachdem mir der Orient versperrt ist, über den Norden und fange an, die Dinge an Hand des Holzbaus ziemlich fest in die Hand zu bekommen. Früher folgte ich den Wegen der Westgoten vom schwarzen Meer nach Spanien und konnte unerhört viel asiatisches Lehngut dort nachweisen; jetzt lockt mich die andere Seite. Aber darüber hat scheints in Spanien niemand gearbeitet und ich kann leider nicht auf eigene Kosten das Land aufsuchen. Vielleicht wissen Sie Rat. In diesem Falle bitte ich herzlich darum.

Ich komme in einiger Zeit wieder nach Graz, um dort den zweiten Teil eines Vortragszyklus zu erledigen, der die Steiermark in Verhältnis setzt zu den Nordländern; darf ich mir dann erlauben, wieder bei Ihnen vorzusprechen?

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Ich könnte mir denken, daß Sie aus Ihren Studien von den Geräten her einen Einblick in die Entwicklung gewonnen haben, wie ich ihn aus dem Kirchenbau nur schwer erreichen kann, weil eben das kirchliche Bauen viel zu spät einsetzt und wir den Tempelbau nur sehr schwer klar greifen können. Trotzdem zeigen sich Wege. Ueber alles das möchte ich so gerne mit Ihnen sprechen.

Mit besten Wünschen für Ihr Wohlergehen und herzlichen Grüssen

Ihr aufrichtig ergebener

Josef Strzygowski

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 11350)