Octavio Hermann Schroeder an Hugo Schuchardt (04-10250)
an Hugo Schuchardt
16. 02. 1882
Deutsch
Schlagwörter: Universität Hamburg Schroeder, Margarethe von Hamburg
Zitiervorschlag: Octavio Hermann Schroeder an Hugo Schuchardt (04-10250). Hamburg, 16. 02. 1882. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12322, abgerufen am 11. 05. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12322.
Hamburg 16 Febr. 1882.
Verehrter Herr Professor,
Ich muß inständig um Entschuldigung bitten, daß ich mit der Antwort auf Ihr gefälliges Schreiben vom 23 ver. Mts. und mit unserem Dank für Ihre gütige Besorgung so lange in Rückstand geblieben bin. Es ist dies eigentlich um so unverzeihlicher, als die Kapaunensendung1 in jeder Beziehung so vortrefflich ausgefallen ist. Sie kam allerdings etwas früh an – schon am Dienstag den 30 Januar |2|- die Thierchen waren aber so frisch, daß ihnen die mehrtätgige Reise nur wohlgethan hat. Ein Geburtsfest war übrigens der 4 Februar nicht, es handelte sich vielmehr nur um eine übliche Abfütterung. Eine dergleichen steht uns am 11 März bevor und da Sie so überaus freundlich sind, sich für weitere Aufträge zu erbieten, und ich aus den Begleitdaten den Namen des Lieferanten nicht entziffere, mich also nicht direct an ihn wenden kann, so bitte ich Sie uns zu jenem Tage wieder ein Paar Kapaunen schicken zu lassen, dieses Mal aber nur zwei vorausgesetzt |3| daß die Vögel ebenso groß und fleischig sind wie die letztempfangenen.
Bei uns ist im Uebrigen Alles wohl und guter Dinge, nur hat Margarethe einen Keuchhusten attrappirt, der sie namentlich des Nachts recht quält. Ihre Laune hat aber bisher nicht darunter gelitten und hoffe ich, daß sie die langwierige Krankheit gut überstehen wird. Wie wäre es, wenn Sie sich aber im Osterfest einmal persönlich überzeugten, wie es in unserer einfachen Häuslichkeit zugeht? Ich kann Ihnen ein mäßiges Quartier, wo Sie auch ungestört Ihre Mahlzeiten |4|allein einnehmen können, bieten. Ich kann Ihnen sogar zusichern, daß Sie in unserer Nachbarschaft ohne Gefährdung mit entblößtem Haupte spazieren gehen können. Werfen Sie die Idee nicht ohne Weiteres weg. Hamburg wird Ihnen auch vielleicht allerlei Anziehendes darbieten können, wenn auch nicht in wissenschaftlicher Beziehung so doch durch die Großartigkeit seines Verkehrs.2 Und mir und den Meinigen würden Sie eine außerordentlich große Freude machen.
Mit den herzlichsten Grüßen von Frau und Töchtern
Ihr aufrichtigst ergebener
Schroeder
1 Vgl. Brief 10249.
2 Die Universität Hamburg wurde erst 1919 gegründet.
