Octavio Hermann Schroeder an Hugo Schuchardt (02-10248)

von Octavio Hermann Schroeder

an Hugo Schuchardt

Hamburg

26. 12. 1881

language Deutsch

Schlagwörter: language Italienisch Boston

Zitiervorschlag: Octavio Hermann Schroeder an Hugo Schuchardt (02-10248). Hamburg, 26. 12. 1881. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12320, abgerufen am 13. 07. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12320.


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Hamburg 26 Dec 81

Verehrter Herr Professor,

Die Aufmerksamkeit, welche Sie mir und meiner Familie durch Ihre Weihnachtsgabe erwiesen haben, ist so groß, so liebenswürdig, so pikant und geschmackvoll, daß ich die Weihnachtstage nicht vorübergehen lassen darf, ohne Ihnen wenigstens mit einem flüchtigen Worte unseren aufrichtigen Dank auszusprechen. Der Braten ist zwar noch nicht verzehrt, da wir die allerliebste Puppe gern noch so lange als möglich als Zierde des Weih- |2| nachtstisches conserviren wollten, ich zweifle indeß nicht, daß er dem Gaumen ebenso zusagen wird als die Puppe dem Auge.

Wir wissen nicht recht, wohin wir Sie jetzt mit unsern Gedanken verfolgen sollen, da Sie für die Festtage einen Ausflug projectirten; wir schätzen Sie aber glücklich, daß Sie der südlichen Zone so nahe weilen, während wir in unserem Norden zu abgeschieden sind, um uns dergleichen Extravaganzen zu erlauben: Indeß sind wir dankbar, daß auch uns verhältnismäßig ein so milder Spätherbst beschieden war, |3|der uns einigermaßen für den abscheulichen Sommer entschädigte. Die Meinigen sind wohl und da auch ich unberufen wieder ganz der alte bin, so konnten wir – fast wider Erwarten – ein recht fröhliches Weihnachtsfest feiern, bei dem uns nur mein zweiter Sohn Johann1, der in Boston seinen kaufmännischen Studien obliegt, sehr fehlte. Margarethe war wie gewöhnlich das besonders erheiternde Element2. Eine Anzahl drolliger Geschichtchen, welche Sie mit ihren Weihnachtsgeschenken verband, hat uns viel Spaß gemacht. Nassau und seine Abendscherze spielten auch hier wieder eine große Rolle und die |4| Ohren müssen Ihnen geklungen haben, wenn Sie diese Telephonie überall aus Ihrem wissenschaftlichen Standpunkt zulassen. Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich vorzugsweise gern Ihrer Mittheilungen über Ihre romanischen Studien, die für mich immer etwas sehr Fesselndes hatten. Ich hoffe daß Ihre Schüler mit gleicher Begierde Ihren Ausführungen über den Entwicklungsgang der italienischen Sprache lauschen werden.

Viele und herzliche Grüße habe ich Ihnen von den Meinigen auszurichten und dazu die Bitte, uns auch ferner Ihres Erinnerns werth zu halten.

Mit aufrichtiger Verehrung

Ihr sehr ergebener

Schroeder


1 Keine näheren Angaben.

2 Vgl. SchuchardtsBriefe 10231-10245 an Marie Margarethe Dorothea von Schroeder (1869-?).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 10248)