Leopold von Schroeder an Hugo Schuchardt (19-10223)
an Hugo Schuchardt
16. 04. 1916
Deutsch
Schlagwörter: Kaiserliche Akademie der Wissenschaften (Wien) Simonyi, Zsigmond Budapest Skandinavien Ungarn
Zitiervorschlag: Leopold von Schroeder an Hugo Schuchardt (19-10223). Wien, 16. 04. 1916. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann und Bernhard Hurch (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12311, abgerufen am 07. 08. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12311.
Wien, d. 16ten April 1916 Maximiliansplatz 13II
Hochverehrter Herr College!
Durch Ihren lieben Brief vom 14ten d. M. veranlaßt, fuhr ich gleich gestern zu Abend zu Ph. A. Becker1 hinaus und befragte ihn wegen Simonyi – natürlich ohne ihm sonst irgend etwas über Ihre damit verbundenen Absichten zu verraten. Er sagte mir von vornherein, die Sache wäre sehr complizirt und er möchte gern Ihnen selbst darüber schreiben, damit nicht etwa noch durch den Umweg Mißverständnisse hinzu kommen, die wegen der Schwierigkeit und Complizirtheit des Ganzen (NB und meiner völligen Unbekanntheit mit den Verhältnissen in Budapest) doch sehr leicht möglich wären. Er selbst ist genau orientirt. So fügte ich mich seinem Wunsche.
|2|Wenn Sie, verehrter Herr College, in der Akademie einen Vorschlag machen wollen, wäre ich gern bereit, ihn mit zu unterschreiben, und zweifle nicht, daß er um Ihretwillen von vornherein die günstigsten Aussichten hätte. Ich meinerseits erneure diesmal den Vorschlag von M. Winternitz in Prag2 zum corr. Mitglied im Inlande und wäre dankbar, wenn Sie ihm gleichfalls Ihre Stimme geben wollten.
Ihr günstiges Urtheil über Gombocz3 erfreute Becker sehr; doch ist leider diese Candidatur gegenstandslos geworden, da Gombocz höflich erklärt hat, keinesfalls kommen zu können – und zwar wegen seines Wörterbuches, zu dessen Vollendung er die Sinecure, in der er lebt, ebenso nöthig hat wie die vielen Hilfsmittel, die ihm nur in Ungarn zu Gebote stehen.
|3|Was unter diesen Umständen aus dem Plane werden wird, ist vorläufig ganz unklar.
Es würde mir eine ganz besondere Freude sein, wenn ich durch unsere akademischen Wahlsitzungen wieder einmal dazu käme, Ihnen die Hand drücken und womöglich auch mit Ihnen etwas „plaudern“ zu können.
In treuer Verehrung
Ihr ganz ergebenster
LvonSchroeder.
1 Philipp August Becker (1862-1947); deutscher Romanist; vgl. 00889-00897.
2 Moritz Winternitz (1863-1937), österr. Indologe u. Ethnologe.
3 Zoltán Gombocz (1877-1935), ungar. Sprachwissenschaftler; vgl. HSA 03851-03852.
