Karl Scherzer an Hugo Schuchardt (01-10039)

von Karl Scherzer

an Hugo Schuchardt

Leipzig

29. 12. 1881

language Deutsch

Schlagwörter: Smithonian Institutionlanguage Deutschlanguage Englischlanguage Lingua francalanguage Italienischlanguage Malaiischlanguage Pidgins (Englisch) Rost, Reinhold Bleek, Wilhelm Heinrich Immanuel Peru Haiti Jamaika Washington London Neuseeland Triest China Shanghai Saint-Jean-de-Luz Andree, Karl (1872)

Zitiervorschlag: Karl Scherzer an Hugo Schuchardt (01-10039). Leipzig, 29. 12. 1881. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann und Bernhard Hurch (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12279, abgerufen am 09. 09. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12279.


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Leipzig 29. Db. 1881

Hochgeehrter Herr Professor,

Auf Ihre in dem geschätzten Schreiben vom 25. dies. ausgesprochenen Wunsche erlaube ich mir zu erwiedern, daß es mir stets zum besonderen Vergnügen gereichen wird Ihnen und der von Ihnen vertretenen Wissenschaft dienlich werden zu können.

Leider dürfte im gegebenen Falle keiner im Stande sein, die gewuenschte Auskunft und Adressen zu liefern wenigstens nicht in dem ausgedehnten |2| Maße als ich es von Herzen gern thun möchte.

Meine Reisen in Centralamerika, Westindien datiren mehr als Ein Vierteljahrhundert zurück und die meisten der während jener Wanderungen erworbenen Freunde sind entweder wieder nach Europa zurückgekehrt oder zu den Vätern gegangen –

In that unborn land

from which no traveller returns! ...

Um wenigstens meinen guten Willen zu bethätigen, will ich Ihnen nachfolgend einige wolgemeinte Rathschläge geben und Empfehlungen von geeigneten Personen beifügen.

[linker Rand] Ich schliesse für Venezuela u. Granada noch eine Karte für den Prof. Dr. Raimundi an der Universität in Lima ( Peru) bei, einen Mailänder von Geblüt welcher vielleicht am besten die gewünschten Ratschläge zu geben in der Lage sein dürfte.

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Für Haiti, Jamaica, Centralamerica würde ich empfehlen, sich an meinen Freund Prof. Spencer Baird, Direktor des Smithonschen Institutes in Washington zu wenden, derselbe ist zwar Zoologe (Ichthyolog) aber hat in seiner Stellung die ausgebreitetsten Beziehungen, er kann Ihnen die besten Adressen angeben. Er spricht zwar etwas Deutsch; es wäre aber zweckmäßiger Ihre kurz formulirten Wünsche in englischer Sprache vorzutragen. Für die afrikanische Ost u. Westküste sowie für Nord-Indien, empfehle ich Dr. Rost Bibliothekar des India Office in London. Derselbe ist selbst Sprachforscher: äußerst bewandert mit den Sprachen in den engl. Colonien. Die Arbeiten von Dr Bleek sowie von dem vortrefflichen Sir Georg Grey (gegenwärtig in Neuseeland angesiedelt) über die afrikan. Sprachen sind Ihnen ja wol zu Gesicht gekommen?

[linker Rand] In Smyrna dürfte Hr. C. Neumann Ihren Interessen foerderlich sein können.

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Was die lingua franca betrifft so ist sie eigentlich nichts als ein verderbtes mit griechischen u. türkischen Worten gemischtes Italienisch.

Ich sehe wenig Unterschied zwischen der l. franca und dem Italienischen gesprochen, welches in Triest geredet wird. Die L. franca ist wie das Malayische in Vorderindien, die Handelssprache, wodurch sich die zalreichen vielsprachischen Handelsvölker verständlich machen. Viel interessanter ist das sogenannte Pitschen-Englisch wie solches in China namentlich in Shanghai, Hongkong gesprochen wird. Pitchen (business) English ist eine Sprache für sich, die Engländer ebenso wenig verstehen wie Chinesen, wenn sie dieselbe zu erstem Mal hören.

So viel mir erinnerlich hat Bastian über die Mengsprachen geschrieben, ebenso widmet Carl Andrée denselben in seiner Geographie des Welthandels (Stuttgart J. Maier 1875) eine interessante Schilderung.

Mit dem Wunsche daß Ihnen meine Andeutungen u. Empfehlungen von einigem Nutzen sein mögen

Ihr bereitwillig Ergebener

D rScherzer

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 10039)