Leo Schenek an Hugo Schuchardt (01-10019)
von Leo Schenek
an Hugo Schuchardt
15. 07. 1886
Deutsch
Schlagwörter: Graz Rangun Schweiz
Zitiervorschlag: Leo Schenek an Hugo Schuchardt (01-10019). Bregenz, 15. 07. 1886. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12276, abgerufen am 13. 07. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12276.
Sehr geehrter Herr Professor!
Sehr angenehm durch Ihre zarte Aufmerksamkeit überrascht, beeile ich mich, Ihnen sowohl für Ihre Zeilen, als auch für das gesandte Buch meinen besten Dank auszusprechen. Letzteres werde ich mit besonderem Interesse lesen; habe bereits damit begonnen u. bin begierig einen so ausgezeichneten Gelehrten als Autor kennen zu lernen.
Wir verließen am 3. d. M. Graz und weilen seit dem 13. hier. Leider ist Bregenz für verwöhnte Leute nicht zum Sommeraufenthalte geeignet. Die Unterkünfte sind sehr |2| mangelhaft. Nach Grazer Begriffen sind die hiesigen Wohnräume sehr klein. Wir gedenken indeß doch beiläufig einen Monat zu bleiben u. wollen die Zeit zu lohnenden Ausflügen, deren es hier genug gibt ausnützen. Sagten Sie mir nicht einmal Sie gedächten in die Schweiz zu reisen? Sollten Sie nun Bregenz berühren würden wir uns sehr freuen Sie zu sehen.
Heute ist ein recht stürmischer Tag und die Wellen schlagen mit Gewalt an’s Ufer. Von unseren Fenstern aus beobachten wir ein mit den Wogen kämpfendes Segelboot. Mein Mann, welcher Ihnen herzliche Grüße sendet, wird wahrscheinlich im August mit uns ins Montafonthal gehen. Die |3| Kinder sind glücklicherweise auch recht wohl u. fühlen sich ob des „Titels“1 Fräulein sehr geschmeichelt.
Sie verehrter H. Professor recht herzlich grüßend u. nochmals für Ihre freundliche Erinnerung dankend
Ihre
Leo Schenek
Bregenz d. 15/7 86
1 Vermutlich hat Schuchardt sie in einem Brief so tituliert.
