Carl Joachim von Scheliha an Hugo Schuchardt (04-10017)
an Hugo Schuchardt
17. 07. 1885
Deutsch
Schlagwörter: Gotha
Zitiervorschlag: Carl Joachim von Scheliha an Hugo Schuchardt (04-10017). Nizza, 17. 07. 1885. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2024). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12274, abgerufen am 06. 10. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12274.
Nizza den 17t. Juli 85.
Lieber Hugo!
Die Art und Weise wie Papa1 nach der von ihm – wie ich nicht zweifle – für richtig befundenen Methode – meine Geschäfte führt weichen so wesentlich von meiner Auffassung ab, daß es so nicht weiter geht und ein scharfer Zusammenstoß ziemlich nahe bevorsteht.
Ich behaupte natürlich daß er im Unrecht ist und wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Austrag unserer Fehde im Gericht kommen. Bei Jedem Anderen würde ich keinen Augenblick ein Bedenken tragen, bei Deinem Vater scheue ich bis jetzt noch |2| zurück, weil ich mir sage, daß er es im Leben stets sehr gut mit mir gemeint hat und lege ihm so manche Nadelstiche als Grillen des Alters aus.
In seinem letzten Schreiben wird er nun gar recht hübsch unhöflich gegen mich und fährt fort mich zu chicaniren, unter Anderm hat er einen kleinen Betrag hinter sich der als Summe kaum nennenswerth, den er schon am 1 April an mich zahlen sollte da das Stadtgericht schon Ende März die Coupons ihm ausgeliefert. Er wünscht nun, daß ich davon eine Rechnung bei einem Gärtner in Gotha bezahle, der weder geklagt noch eine Beschlagnahme beantragt hat. Eh bien Papachen sagt, er will das Geld deponiren statt es mir zu geben. Curios, ist oder war er doch mein |3| Anwalt und nicht der meiner Gläubiger. Kurz und gut ich hielt es für sehr weise von ihm wenn er seine Stellung als Testamentsexecutor meiner Tante niederlegte und einen anderen jüngeren Juristen damit betraute.
Mir thut der Kampf wehe, er würde aber kommen müssen, der Selbsterhaltungstrieb ist ja zu mächtig im Menschen und von dem Geld was z. B. in Gotha deponirt wird kann ich hier nicht leben.
Ich schreibe Dir dies deshalb, lieber Hugo, damit Du den eigentlichen Sachverhalt und meine Gemüthsstimmung dabei kennst und mich nicht falsch beurtheilst.
Ich bitte gelegentlich mich Deiner Frau Mutter bestens zu empfehlen und hoffe, daß Du |4| mir Dein Wohlwollen und Deine Freundschaft auf die ich schon Wert lege erhältst
Dein
aufrichtig ergebener
Carl Scheliha
Nizza den 17 Juli
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1 Gemeint ist Schuchardts Vater Ernst Julius (1809-1885), der Notar und Amtsadvokat war, aber kurze Zeit später verstarb.
