Eduard u. Ida Hahn an Hugo Schuchardt (09-04338)

von Eduard u. Ida Hahn

an Hugo Schuchardt

Bozen

1914

language Deutsch

Schlagwörter: language Englischlanguage Französisch Ägypten Luxor Graz Nürnberg Hahn, Eduard (1913)

Zitiervorschlag: Eduard u. Ida Hahn an Hugo Schuchardt (09-04338). Bozen, 1914. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12099, abgerufen am 14. 09. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12099.


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z. Z. noch Bozen 3, Erbacherhof
v. 5. März, Cairo, poste rest.

Hochverehrter Freund!

Als im Herbst Ihre freundliche Karte mit der mir recht wertvollen Notiz über Cypern an uns kam, da hatten wir die Absicht, Ihnen doch gelegentlich einmal Nachricht von uns zukommen zu lassen. Aber wir waren alsbald doch wieder stark in Arbeiten eingesponnen, und haben kaum den notwendigen Pflichten genügen können.

Nun sehen Sie ja an unserer Adresse dass unser Aufenthalt hier nicht nur zu Ende geht sondern dass wir noch grosse Pläne haben. Unser Zusammentreffen mit Schweinfurth1 in Genua hat uns denn doch zu sehr davon überzeugt, dass ein Besuch Aegyptens unter der Leitung unseres Freundes uns garzu viel bieten kann. Ja selbst das Ministerium hat sich bewogen gefühlt O. Dr.2 eine allerdings nicht grosse Unterstützung zu gewähren, |2|wenigstens einen Monat kann er davon dort leben. So gehen wir denn mit großem Mut an die ja nicht ganz leichte Aufgabe heran, in kurzer Zeit in Unserem Alter eine Reise zu machen von der wir doch wahrscheinlich recht viel mitbringen können. Vielleicht ja auch so viel dass ein Eindruck den Andern auslöschen könnte. Darauf muss man es ja ankommen lassen.

Dass aber doch noch manches sich selbst einem Schweinfurth entzogen hat sehen wir daran dass unser Freund jetzt in Anschluss an einen kleinen Artikel über saure Milch, den ich ihm sandte nun durch einen dänischen Volkskundler der in Luxor sammelt, erfuhr dass dort die Fellachenhirten noch eine stark berauschende Milch noch immer benutzen.

Hier habe ich mich auch mit allerlei volkskundlicher Litteratur beschäftigt und mir wäre es wohl lieb wenn ich mich im Herbst einmal mit Ihnen über die Zurufe an die Haustiere unterhalten könnte. So sprechen hier im Hause die Hausfrau und die Kusine, trotz dem dass sie aus Königsberg stammen mit den Hühnern wie es scheint |3| ladinisch, wenigstens meint Hörmann3 dass das Poule Poule von dort kommt. Dass jetzt unsere Hunde anfangen Englisch zu sprechen – down – während sie doch früher französisch konnten – couche – wird Ihnen wohl auch schon aufgefallen sein wenn die Rassehunde in Graz schon zu modern sind.

Und nun werden wir auf alle Fälle Schweinfurth Grüsse bestellen, und werden auch Ihrer dort gedenken. Haben Sie auch noch irgendwelche Wünsche, die wir dort berücksichtigen könnten?

Und nun wünschen wir Ihnen dass es ein recht guter Winter gewesen sein mag, den Sie hinter sich haben und dass Sie einen recht guten Sommer beginnen.

(Mein kleiner Aufsatz über Himmelsanschauung und Himmelseinteilung, vom Astrologentag in Nürnberg ist erschienen,4 doch habe ich nicht allzu viele Exemplare.)

Mit den besten Grüssen meiner Schwester

bin ich

Ihr aufrichtig ergebener

Hahn


1 Georg Schweinfurth (1836-1915), russisch-baltendeutscher Afrikaforscher; vgl. HSA 10440-10451.

2 Abk. nicht aufgelöst.

3 Ludwig von Hörmann zu Hörbach (1837-1924), österr. Folklorist u. Bibliothekar; vgl. HSA 04798-04808.

4 Hahn, „Himmelsanschauung und Himmelseinteilung“, Korrespondenzblatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie. XLIV, 1913. S. 71-77.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04338)