Reinhold Rost an Hugo Schuchardt (27-09796)
von Reinhold Rost
an Hugo Schuchardt
18. 05. 1892
Deutsch
Schlagwörter:
Bantu-Sprachen Bonaparte, Louis-Lucien (1909)
Zitiervorschlag: Reinhold Rost an Hugo Schuchardt (27-09796). London, 18. 05. 1892. Hrsg. von Bernhard Hurch und Sarah Melker (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.12048, abgerufen am 15. 08. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.12048.
[India Office,
Whitehall. S. W.]
18 Mai 1892.
Sehr verehrter Freund!
Obgleich diese Zeilen erst nach Empfang der von Ihnen gewünschten Auskunft in Betreff der literarischen Nachlassenschaft des Prinzen LL Bonaparte1 (in dessen Gesellschaft ich vor Jahren einen sehr interessanten Abend zugebracht habe) an Sie abgehen werden, stelle ich dieselben doch heute wenigstens so weit fertig, um nicht, durch andere Geschäfte behindert, das Schreiben dann hinausschieben zu müssen.
Ich habe Ihnen zunächst zu berichten, daß ich mit Ende Sept., in Folge der neuen Einrichtung in Betreff der “superannuation” der Staatsbeamten, aus dem Staatsdienste austreten und mit der Hälfte meines bisherigen Gehaltes als Pension meine Tage beschließen muss. Ich bin gegen diese Ungerechtigkeit eingekommen, habe aber noch keinen Bescheid erhalten.
Aus einer brieflichen Mittheilung des engl. Vice-Consuls zu Mojanga (NW. Madagascar) ersehe ich, daß man dort ein Gemisch von Hova, Sacatava & Swahili spricht. |2| Die Beimischung einer vielköpfigen Bantusprache unter eine ganz heterogene Landessprache malaiischen Stammes interessirte mich so, daß ich meinen Correspondenten ersuchte mir möglichst viele specimina dieses Mischdialectes zu schicken, damit ich der Form, in der die Swahiliworte dort erscheinen, nachgehen kann. Ich muss Ihre Nachsicht in Anspruch nehmen, wenn ich mich auf Ihr eigenstes Gebiet wage. Doch bin ich jetzt noch gar nicht sicher, ob mir die erbetenen Materialien auch zukommen werden und von der Art sind, mir eine irgend ergiebige Untersuchung zu ermöglichen.
Prof. J. Rhys2 kenne ich nur dem Namen nach.
Mit herzlichem Gruss
Ihr
stets getreuer
R. Rost.
1 Louis Lucien Bonaparte, mit dem Schuchardt in Briefwechsel gestanden hat (vgl. HSA 01201-01211, vgl. Schuchardt 1909 - HSA 580), war 1891 gestorben. Er besaß eine legendäre Bibliothek, siehe nächsten Brief.
2 Mit dem Keltologen John Rhys war Schuchardt befreundet und verkehrte in England persönlich, dann brieflich, bis Rhys den Kontakt zu ihm abbrach (HSA 27-A1.1.18.2 - 32-09518).
