Wilhelm Haas an Hugo Schuchardt (02-04257)

von Wilhelm Haas

an Hugo Schuchardt

Graz

19. 04. 1902

language Deutsch

Schlagwörter: Archiv für celtische Lexikographie Max Niemeyer Verlaglanguage Keltische Sprachen

Zitiervorschlag: Wilhelm Haas an Hugo Schuchardt (02-04257). Graz, 19. 04. 1902. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.11499, abgerufen am 05. 12. 2025. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.11499.


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Graz den 19. April 1902.

Euer Hochwohlgeboren!

Auf die werthen Schreiben vom 13. und 18. d. M. beehre ich mich Euer Hochwolgeboren in folgender Weise zu erwiedern:

Zunächst muß ich Herrn Hofrath daran erinnern, daß Sie bereits vor zwei Jahren die Anschaffung des „Archiv f. celt. Lexicographie“ anregten1 und daß ich damals in das Wünschebuch einschrieb, die Anschaffung sei unmöglich, so lange nicht eine Erhöhung der Dotation stattfindet, da für Keltisch bereits zwei Zeitschriften hier vorhanden sind, dagegen für andere Fächer gar keine.

Weiter muß ich betonen, daß die Bibliothek bereits solche Menge Zeitschriften besitzt, daß die Dotation|2| überlastet ist und es ganz unmöglich ist, daß noch neue Zeitschriften dazu abonniert werden können. Ich schrieb das im Vorjahr ins Wünschebuch und war bereits in die traurige Lage versetzt die Anschaffung von neuen Zeitschriften in 16 Fällen ablehnen zu müssen.

Wenn Herr Hofrath sich darauf berufen, daß Sie so selten Wünsche äußern und daher darauf rechnen, daß wenn dies geschieht, um so eher darauf eingegangen [werden] soll, so kann ich Ihnen im ersten Falle nicht wiedersprechen, im zweiten Falle muß ich jedoch erwähnen, daß ich immer bereit bin auf alle Wünsche einzugehen, aber … ad impossibile nemo tenetur! Wenn ferner Herr Hofrath glauben, daß Ihr Fach bei der Anschaffung zu kurz gekommen ist, so sind Sie im Irrthum. Ich trachte daß alle Fächer gleichmäßig bedacht werden! Was Herr Hofrath bezüglich der rumän. Bücher sagen, daß Sie dieselben der Bibliothek zu so billigem Preise |3| überlassen haben, so ist das ja ganz richtig, damit können aber Herr Hofrath doch nicht verlangen, daß ich dafür zum Lügner werde. Wenn ich öffentlich behaupte, daß die Anschaffung neuer Zeitschriften nicht möglich ist, so lange eine Erhöhung der Dotation nicht stattfindet, so kann ich doch nicht davon abgehen, ohne mich selbst Lügen zu strafen.

Aber Herr Hofrath sehen die Sache als eine persönliche an, worin Sie aber Unrecht haben. Ich schätze Herrn Hofrath – ganz abgesehen von den großen wissenschaftlichen Leistungen – so hoch, daß ich nicht nur zu schönen Worten – wie Sie sagen – sondern zu Thaten gern bereit bin.

Da ich nämlich dieses „Archiv“ aus der Dotation für die Bibliothek nicht anschaffen kann, werde ich es für mich bestellen und so lange der Bibliothek schenken, bis dieselbe infolge erhöhter Dotation in die Lage kommt dasselbe kaufen zu können. Ich thue das gern, da ich meinem Gönner der Bibliothek nicht Anlaß geben will, |4| derselben sein Wolwollen zu schmälern oder gar zu entziehen.

Zuletzt muß ich noch um Entschuldigung bitten, daß meine Antwort dringender Arbeiten wegen nicht sofort erfolgen konnte und so hoffe ich, daß Sie weder der Bibliothek noch mir zürnen werden, weshalb ich die Bibliothek und mich Herrn Hofrath bestens empfehle, wornach ich mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung verharre als

Ihr

ganz ergebener

Dr Haas

Das Heft behalte ich gleich!


1 Von 1900-1907 bei Max Niemeyer, Halle erschienen

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04257)