Richard Greeff an Hugo Schuchardt (04-03941)

von Richard Greeff

an Hugo Schuchardt

Marburg

29. 05. 1882

language Deutsch

Schlagwörter: Idiomatik Wörterbücherlanguage Portugiesisch Marburg St. Thomas Tirol

Zitiervorschlag: Richard Greeff an Hugo Schuchardt (04-03941). Marburg, 29. 05. 1882. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2022). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.11465, abgerufen am 13. 10. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.11465.


|1|

Marburg 29/V 82.

Geehrter Herr Collega!

In Beantwortung der mir mit Ihrem so eben erhaltenen Briefe vom 26. d. M. gestellten Fragen erlaube ich mir ad 1 mitzutheilen, daß die Angolares-Neger gegen Ende des 16ten Jahr’drts sich auf S. Thomé angesiedelt haben, einem an der Küste dieser Insel gestrandeten Sklavenschiffe von Angola entstammend. Sie haben sich hier lange Zeit in einem selbständigen Gemeindewesen behauptet und auch vom Verkehr mit den übrigen Bewohnern |2| der Inseln fern gehalten, so daß sie außer ihre ursprünglichen Einrichtungen und Sitten auch ihre Sprache ziemlich rein erhalten haben. Diese ist die Nbunda-Sprache, die sich aus dem obigen Grunde nur in unwesentlichen Beziehungen von dem echten Nbund-Idiom der Küste entfernt. Ich hatte während meines Aufenthaltes auf S. Thomé mit den Angolares viel Verkehr und weiß genau, daß sie unter sich nur Nbunda sprechen, obgleich sie auch zum Theil der S. Thomésprache mächtig sind. Ich werde in der nächsten Zeit einen kleinen Aufsatz über die Angolares veröffentlichen und mir erlauben |3| Ihnen denselben zuzusenden. Außer dem Portugiesischen, der Sprache von S. Thomé und der Angolares herrscht auf der Insel kein anderes Idiom. Doch ist zu berücksichtigen, daß jährlich von der Küste, hauptsächlich aus Angola, große „Colonnen“ von Negern als Arbeiter nach S. Thomé importiert und auf den Pflanzungen vertheilt werden, die natürlich nur die Nbunda Sprache reden. Durch diese wird, wie ich glaube, seit langer Zeit auch der S. Thomé-Sprache viel Nbunda beigemischt worden sein und weiter beigemischt werden.

Das gewünschte Nbunda-Wörterbuch besitze ich zu meinem Bedauern |4| nicht, weiß auch augenblicklich nicht wo es zu finden ist.1 Ich werde mich übrigens nächstens in Lissabon danach erkundigen und für den Fall es zu haben ist Ihnen Mittheilung machen.

Mit bester Empfehlung
Ihr ganz ergebener

R. Greeff


1 Kein Bibliotheks-Nachweis.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 03941)