Hermann Möller an Hugo Schuchardt (22-07425)

von Hermann Möller

an Hugo Schuchardt

Kopenhagen

26. 11. 1921

language Deutsch

Zitiervorschlag: Hermann Möller an Hugo Schuchardt (22-07425). Kopenhagen, 26. 11. 1921. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.11212, abgerufen am 27. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.11212.


|1|


BREVKORT – CARTE POSTALE,
KJØBENHAVN, 26.11.21]

|2|


Kopenhagen F,
Mathildewej 2, d. 26.11.21.

Hochgeehrter Herr Kollege,

Herzlichen Dank für die freundliche Zusendung Ihres Artikels „Possessivisch und passivisch“,1 dem ich völlig zustimme, wie ich bereits in KZ. 42, 1762 Ihrem Artikel in den IF.18, 528ff.3 im wesentlichen zustimmte. Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie so freundlich waren dem Viceinspektor Jensen ein Ex. Ihres Exkurses zu Sprachursprung III zu senden.4 – Im Mai dieses Jahres hatte ich die Freude meinen früheren tüchtigen Schüler der Jahre 1885-90 und im Sommer 1890 von mir examinierten Rektor Chr. B. Flagstad sehr zu erfreuen dadurch, dass ich bei einer Zusammenkunft zur Bestimmung der schriftlichen Aufgaben zum Schulamtsexamen, bei welchem er Censor war, ihm die Stelle in der Note auf S. 196 des Exkurses zu Sprachursprung III zu zeigte, in der Sie Ihre Zustimmung zu dem von ihm in seiner Psychologie der Sprachpädagogik S. 272 ff. von ihm gesagten aussprachen.5 Bei dieser Zusammenkunft dem Anschein nach (wie auch immer vorher) völlig gesund, starb er 2 Tage darauf völlig unerwartet von Frau und Kindern und Freunden, so daß wir zur Beurteilung der Leistungen beim schriftlichen und darauf später folgenden mündlichen Examen einen andern Censor haben mussten.

Mit bestem Gruße Ihr ergebener
H. Möller.


1 Schuchardt, „Possessivisch und Passivisch“, Sitzungsberichte der Preussischen Akademie der Wissenschaften 1921, 651-662.

2 Möller, „Die gemein-indogermanisch-semitischen Worttypen der zwei- und dreikonsonantigen Wurzel und die indogermanisch-semitischen vokalischen Entsprechungen“, Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen 42, 1908, 174-191.

3 Schuchardt, „Über den aktivischen und passivischen Charakter des Transitivs“, Indogermanische Forschungen. Zeitschrift für indogermanische Sprach- und Altertumskunde 18, 1906, 528-531.

4 Vgl. HSA 07424.

5 Schuchardt, „Exkurs zu Sprachursprung III“, Sitzungsberichte der Preussischen Akademie der Wissenschaften 1921, 194-207: „Was der Däne FLAGSTAD in seiner Psychologie der Sprachpädagogik (1913), 272ff. über das ,in der fremden Sprache denken lernen‘ sagt, dem stimme ich durchaus bei“. – Christian Benedikt Flagstad (1869-1921), Sprogpædagogikens Psykologi, Forsøg paa en Fremstilling af Sprogundervisningens Principer i deres Sammenhæng med Sprogets psykologiske Natur, Kopenhagen 1911; dt. Psychologie der Sprachpädagogik. Versuche zu einer Darstellung der Prinzipien des fremdsprachlichen Unterrichts auf Grund der psychologischen Natur der Sprache, Leipzig: Teubner, 1913.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07425)