Hermann Möller an Hugo Schuchardt (04-07407)

von Hermann Möller

an Hugo Schuchardt

Kopenhagen

09. 08. 1912

language Deutsch

Schlagwörter: language Semitische Sprachen Schuchardt, Hugo (1912) Møller, Herman (1911)

Zitiervorschlag: Hermann Möller an Hugo Schuchardt (04-07407). Kopenhagen, 09. 08. 1912. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.11194, abgerufen am 27. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.11194.


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[BREVKORT – CARTE POSTALE,
KJØBENHAVN, 9.8.12]

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Kopenhagen F, Mathildewej 2
d. 9.8.1912

Hochgeehrter Herr Professor,

Herzlichen Dank für die freundliche Zusendung Ihres die baskische Benennung der Ameise behandelnden Artikels,1 der mich sehr erfreut hat. Der von Ihnen eingeschlagene Weg zur Erkenntnis der Grundform ist zweifellos der richtige; vielleicht auch in diesem speciellen Falle das Resultat.

Während Sie S. 5, wie die meisten Semitisten und mein Kollege Holger Pedersen,2 annehmen, dass der ur semitische Laut, aus dem das südsemit. s = nordsemit. š hervorgegangen ist, ein š gewesen ist, was zur Folge haben würde, dass der diesem semitischen historisch zweifellos entsprechende idg. Laut ebenfalls gemeinidg. ein š, nicht s gewesen wäre, wofür in der Tat auch in den verschiedenen idg. Sprachen manches sprechen könnte, habe ich, der ich von Anfang an die entgegengesetzte Auffassung vertreten habe, in meinem Vergleich. idg.-semit. Wörterbuch3 S. XIX Note 3 einen Punkt angeführt, der dafür sprechen kann (und wenn meine Argumentation richtig ist, in der Tat beweisen würde), dass das südsemit. s der ursemitische Laut und älter als das nordsemit. š gewesen ist.

Mit vorzüglicher Hochachtung bestens grüßend

Ihr ergebenster
H. Möller.


1 Schuchardt, „Tšingurri'“, Revista Internacional de Estudios Vascos / Revue International des Études Basques 6, 1912, 104-110.

2 Holger Pedersen (1867-1954), dän. Sprachwissenschaftler; vgl. HSA 08694-08724.

3 Möller, Vergleichendes indogermanisch-semitisches Wörterbuch, Göttingen: V & R, 1911.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07407)