Hugo Schuchardt an Gaston Paris (10-24456)
von Hugo Schuchardt
an Gaston Paris
18. 03. 1873
Deutsch
Schlagwörter: Prix Volney Corssen, Wilhelm Stengel, Edmund Marburg Corssen, Wilhelm (1870) Corssen, Wilhelm (1858–1859) Leopold, Joan (2014)
Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Gaston Paris (10-24456). Gohlis, 18. 03. 1873. Hrsg. von Ursula Bähler, Bernhard Hurch und Nicolas Morel (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.11094, abgerufen am 13. 08. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.11094.
Gohlis 18.3.73.
Verehrter Freund
Ich ersuche Sie, mir Ihre Ansichten über die Art und Weise, wie die Einleitung zu meinem V. d. V. umzuarbeiten ist, auseinanderzusetzen1. Es kommt dabei Verschiedenerlei in Betracht.
I) Die Aufnahme der im III. Bde enthaltenen Nachträge in den Text würde in einigen Fällen den Zusammenhang und die Symmetrie beträchtlich stören. Hinsichtlich der Anmerkungen ist aber doch wohl auch weise Beschränkung zu empfehlen ? Was rathen Sie ?
2) des Umzuändernden und Hinzuzufügenden wird genug sein. Ich |2| muss zu diesem Zwecke die ganze seitdem erschienene einschlägige Litteratur durchgehen. Eine Polemik gegen Corssen2 in Betreff einzelner Punkte liegt mir besonders am Herzen. – Im Uebrigen können Sie mir vielleicht manchen Fingerzeig geben.
3. Die Einleitung enthält ein Kapitel über den Konsonantismus; dieses nimmt sich an dieser Stelle so schon etwas sonderbar aus, würde aber, ohne dass ihm eines über den Vokalismus zur Seite stände, gar keine Entschuldigung verdienen. Soll ich vielleicht, auf wenigen Seiten, einen Ueberblick |3| über die gesamte vulgärl. Phonologie geben?
4. Wie soll es mit der Vorrede gehalten werden? Ein kurzes Vorwort zu der Uebersetzung einer stark umgearbeiteten Schrift erscheint mir nothwendig.
Ich denke, das Ganze muss eine möglichst glatte und klare Form erhalten, welcher einige Citate und anderes Beiwerk zu opfern sind. In Bezug auf das Sachliche vermisse ich aber das unbefangene Urtheil eines Dritten sehr. Ich habe zwar nun die Fehler meines Werkes selbst hinlänglich erkannt, indessen bin ich mir doch nicht immer klar darüber, wie sie zu |4| verbessern sind. Dass keine einzige wissenschaftliche Besprechung meines Buches erschienen ist, betrachte ich als ein ganz merkwürdiges Missgeschick3.
Antworten Sie mir, ich bitte, bald; je eingehender es sein wird, desto besser.
Mit herzlichstem Grusse
der Ihrige
H. Schuchardt
(adressiren Sie nur noch nach Leipzig oder Gohlis, Lange Strasse 24.)
1 Voir l. du 17 février 1873 (GP 08-08564).
2 Ce n’est pas la première fois qu’un écrit de Schuchardt entre en concurrence avec les travaux de Wilhelm Corssen. En effet, la 2e édition de l’ouvrage de Corssen Über Aussprache, Vokalismus und Betonung der lateinischen Sprache (1868-1870; 1ère éd. 1858-1859) paraît peu de temps après le Vokalismus de Schuchardt. Tenant de la latinistique traditionnelle, Corssen y formule plusieurs attaques, parfois ouvertement polémiques, à l’encontre de Schuchardt.
3 L’ouvrage auquel avait été attribué la mention «très honorable» par le jury du prix Volney (Leopold 2014, 316) a en effet surtout été recensé dans des quotidiens locaux, ce qui est maigre au vu de son importance scientifique.
Faksimiles: gallica.bnf.fr/Bibliothèque nationale de France (Sig. BnF, NAF 24456, fol. 429-430)
