Zsigmond Simonyi an Hugo Schuchardt (10-10603) Zsigmond Simonyi Frank-Rutger Hausmann Institut für Sprachwissenschaft, Karl-Franzens-Universität Graz Zentrum für Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities, Karl-Franzens-Universität Graz GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System Creative Commons BY-NC 4.0 2022 Graz o:hsa.letter.10925 10-10603 Hugo Schuchardt Archiv Herausgeber Bernhard Hurch Karl-Franzens-Universität Graz Österreich Steiermark Graz Karl-Franzens-Universität Graz Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen 10603 Zsigmond Simonyi Papier Brief 4 Seiten Sankt Ruprecht an der Raab 1893-08-15 Hugo Schuchardts wissenschaftlicher Nachlass (Bibliothek, Werkmanuskripte und wissenschaftliche Korrespondenz) kam nach seinem Tod 1927 laut Verfügung in seinem Testament als Geschenk an die UB Graz. Frank-Rutger Hausmann 2020 Die Korrespondenz zwischen Zsigmond Simonyi und Hugo Schuchardt Hugo Schuchardt Archiv Bernhard Hurch Die Datenmodellierung orientiert sich am DTA-Basisformat, ediarum und der CorrespDesc-SIG. Das auf DTABf-Modellierungsschema wurde für die Zwecke des Projektes angepasst und befindet sich unter Hugo Schuchardt Archiv Das Hugo Schuchardt Archiv widmet sich der Aufarbeitung des Gesamtwerks und des Nachlasses von Hugo Schuchardt (1842-1927). Die Onlinepräsentation stellt alle Schriften sowie eine umfangreiche Sekundärbibliografie zur Verfügung. Die Bearbeitung des Nachlasses legt besonderes Augenmerk auf die Erschließung der Korrespondenz, die zu großen Teilen bereits ediert vorliegt, und der Werkmanuskripte. Rollen-Taxonomie Datumstaxonomie Thesaurustaxonomie Zsigmond Simonyi Sankt Ruprecht an der Raab 1893-08-15 Hugo Schuchardt Austria Sankt Ruprecht an der Raab Sankt Ruprecht an der Raab 15.66256,47.15336 Korrespondenz Zsigmond Simonyi - Hugo Schuchardt Korrespondenz Französisch Ungarisch Wissenschaft Sprachwissenschaft Brief Deutsch Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ St. Ruprecht a/Raab, 15. Aug, 1893. Verehrter Herr Kollege! Vor allem erlauben Sie mir eine Bitte: Sie schreiben mir, Sie haben unter Ihren Papierschnitzeln eine ziemlich weit gediente Erörterung über meine „Sprachschlammastik“ vorgefunden. Wären Sie nicht so freundlich, mir diese Erörterung – mit den allernöthigsten Schlusssätzen versehen – für Ny. Közl. Nyelvtudományi Közlemények . zu überlassen? Vgl. Schuchardt, „[Rez. von:] Simonyi, Zsigmond. Tüzetes magyar nyelvtan történelmi alapon. Ausführliche magyarische Grammatik auf geschichtlicher Grundlage. Unter Mitwirkung von J. Balassa. 1. Bd. Magyarische Lautlehre und Formenlehre“, Literarisches Zentralblatt für Deutschland 46, 1895, 1840-1842. (Eine lobende, jedoch an der Oberfläche bleibende Besprechung!).Der Gegenstand wird jetzt viel bei uns ventilirt, und es freute mich sehr, etwas von Ihnen darüber mittheilen zu können, wenn’s auch fragmentarisch und unfertig wäre. Der Wissenschaft gereicht es oft zum Schaden, dass die Gelehrten immer nur Fertiges u. Vollkommenes veröffentlichen wollen und so aus Mangel an Zeit oft die anregendsten Gedanken unter dem Scheffel verborgen halten. – Über den Doppelsinn von kikérni hatte ich auch meine Gedanken, getraute mich aber ohne meine Papiere nicht darauf einzulassen. Ich denke, der negative Gebrauch dieser Wörter ist auf die Ellipse des negativen Nebensatzes zurückzuführen (und nicht ironisch aufzufassen). So sagt z. B. das ung. Volk auf die Bemerkung „ ma még esö letz“: „Nem mondom“ anstatt „meglehet“ – also elliptisch für „nem mondom, hogy nem letz“. (Ich will einmal die Fälle zusammenstellen, in denen die Setzung od. Weglassung der Negation gleich möglich ist, z. B. addig jár a kórsó, mig eltörik, od. míg el nem törik (dieser Fall ist in den M. Kötöszók behandelt). Rég voltam otthon, und: rég nem voltam otthon. Die Conjunction hanem wird in manchen Gegenden zu ha verkürzt u.s.w.) Aus der Ellipse der Negation sind gewiss auch in andern Sprachen Fälle des „Gegensinnes“ zu erklären, so franz. personne, rien , die freilich schon vor der Ellipse fürs Sprachgefühl negativ geworden sind. Der Negation ähnlich wirken im Ung. einige Verbalpräfixe. Fejezni z. B. (auch befejezni ) musste ursprünglich bedeuten „den Kopf aufsetzen“ (wie fejelni einen Stiefel vorschieben), und könnte nur mit le die Bedeutung „enthaupten“ annehmen: le-fejezni (so wie le-nyergel, le-kantároz). In der Schriftsprache kommt aber auch das einf. fejezni dafür vor, wie sich ja auch das d. köpfen ähnlich entwickelt haben wird. So muss es sich mit hámozni u. hüvelyezni u. dem entsprechenden d. schälen verhalten. Kommt im Franz. nicht die ähnliche Ellipse von dés- u. dergl. vor? Der grösste Theil der Abel’schen Beispiele des „Gegensinns der Urwörter“ ist – ich bin davon überzeugt – unbegründet u. missverstanden. Carl Abel, Über den Gegensinn der Urworte, Leipzig: Friedrich, 1884. Was aber übrigbleibt, das wird sich auf eine von den drei Arten erklären lassen: a) Ellipse der Negation in ständigen Verbänden wie die obigen, b) Ironie, c) verschiedene Specialisirung d. Bedeutg. in verschiedenen Dialekten. Für die Sammlung von Auto-Magyarismen wird ich Sorge tragen, theils in unseren Zeitschriften, theils an der Universität, wo ja die Hörer aus den verschiedenen Gegenden sehr gut dazu zu gebrauchen sind. – Einige solche Beispiele hab ich in der Einleitung zu den Határozók Simonyi, A magyar határozók 1, Budapest: Magyar Tud. Akad., 1888, 456 S. ; 8° [=The Hungarian Adverbial Complements]. und im M. Nyelv I. („Idegen hatások“) zusammengestellt. Magyar Nyelvőr 17, 1888, 481-489. („Am fost esaminat din matematică“ sagt man auch in Rumänien, wie mir ein rum. Schulknabe der zufällig hier ist erzählt. Wenn er sagt „la“ matematică“, so bessert es der Lehrer aus: „ din mat.“) Freitag begeb ich mich mit einigen Herrn auf einen Ausflug (nach Alfenz Kurort im Gerichtsbezirk Bruck an der Mur (Steiermark). etc.), der einige Tage währen wird; da werd ich Ihnen wieder ein Stündchen rauben, oder wir suchen Sie Freitag Mittag im Elefanten auf. Meine Frau dankt für Ihren Gruss und erwiedert ihn freundlichst. Ihr ergebenster S. Simonyi