Matthias de Vries an Hugo Schuchardt (08-12556)

von Matthias de Vries

an Hugo Schuchardt

Leiden

05. 03. 1883

language Deutsch

Schlagwörter: Lexikographie Maatschappij der Nederlandse Letterkunde (Leiden) Buchhandel Universität Leiden Universität Graz Fernleihe Sprachkontakt (allgemein) Literaturhinweise / bibliographische Angaben Lied (politisch) Sprachen in der Karibik Kreolsprachenlanguage Niederländischlanguage Niederländisch außerhalb Europaslanguage Niederländisch (Surinam)language Niederländisch (Südafrika)language Afrikaanslanguage Französisch außerhalb Europaslanguage Englischbasierte Kreolsprachenlanguage Englischbasierte Kreolsprachen (Surinam)language Niederländischbasierte Kreolsprache (Saint Thomas)language Spanischbasierte Kreolsprachen

Zitiervorschlag: Matthias de Vries an Hugo Schuchardt (08-12556). Leiden, 05. 03. 1883. Hrsg. von Jörg Ahlgrimm-Siess und Johannes Mücke (2013). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.1077, abgerufen am 09. 12. 2022. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.1077.

Printedition: Ahlgrimm-Siess, Jörg; Mücke, Johannes (2012): „Ich bin auf der Jagd nach einigen in Holland gedruckten Schriften...“ Der Briefwechsel zwischen Matthias de Vries und Hugo Schuchardt.. In: Grazer Linguistische Studien. Bd. 78., S. 7-61.


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Leiden, 5. März '83.

Verehrtester Herr College,

Das hätten Sie ja wohl nicht gedacht, dass Sie noch je etwas von mir hören würden.Ich gestehe, ich muss um Ihre gütige Entschuldigung bitten, dass ich meine schon vonEms herrührende Versprechung so lange unerfüllt liess. Aber Sie können sich kaumdenken, wie die lexicographische Arbeit alle mögliche Zeit in Anspruch nimmt, zumalfür einen, der zugleich ein Universitäts-Lehrambt zu verwalten hat. Doch habe ichIhre Angelegenheit nicht aus dem Auge verloren, und dasjenige aufgezeichnet was ichfinden könnte. Endlich komme ich dazu, es Ihnen mitzutheilen. Die beiliegendeNote1 enthält zwar nicht vieles, und das meiste wird Ihnenvielleicht schon bekannt sein. Hoffentlich|2| aber werden Siedoch wohl einiges Neue antreffen, sei es denn auch von geringerem Werthe. Allerdingsglaube ich, dass weitere Untersuchungen kaum eine reichhaltigere Ausbeute liefernwürden; denn die betreffende Literatur ist doch immer eine sehr beschränkte.

Jedenfalls wird das beigehende Ihnen ein Zeichen meines guten Willen sein. Ich gebewas ich zu geben vermag; nur hätte ich das bekannte bis dat qui cito dat2 besser in Achtnehmen sollen.

Die zwei von mir erwähnten Schriften von VanDijk und Helmig van der Vegtbefinden sich in der (jetzt mit der Universitäts-Bibliothek vereinigten) Bibliothekder „Maatschappij der Nederl. Letterkunde“.3 (Catol. Letterk. II, S. 44'). Das zweite ist noch imBuchhandel zu haben, das erstere aber gar nicht: es ist äusserst selten. Möchten Siees aber wünschen, so könnten Sie es leicht zum Gebrauche bekommen. Schreiben Sie nurein Paar Zeilen an Herrn Universitäts-Bibliothecar Dr. W. N. Du Rieu,4 so wird er es ohne Zweifel an die Verwaltung derUniversitäts-Bibl. in Graz übersenden, wo es Ihnen zu Gebote stehen wird. Am bestenwäre, eine Erklärung von Seiten des Herrn|3| Univ.Bibliothekars in Graz einzuschliessen, dass derselbe bereit sei das Buch unter seineObhut zu nehmen und zu seiner Zeit für die Rücksendung zu sorgen.

Sie fragten mich früher, als ich in Ems war, nach: „Roos, Eerstelingen van Surinaamsche Mengelpoëzij“. Amst. 1783.Jetzt liegt das Buch hier auf meinem Tisch. Es hat aber mit Ihrem Zweck gar nichtsgemein. Es sind bloss Holländische Gedichte, die der Verfasser nur deshalb„Surinaamsche“ nennt, weil er sie in Suriname gedichtet und meistentheils kolonialeZustände und Angelegenheiten behandelt hat. In 1802 erschien von ihm ein grössererBand „Surinaamsche Mengelpoëzij“, von welchem 1804 eine Zweite Ausgabe (Amst., in4to)5 folgte. Aber das liegt Ihnen ferne.

Wie mehr ich die eigenthümliche Sprache in der Transvaal betrachte, desto mehr kommeich zu der Überzeugung, dass das ältere Holländisch, das zu Grunde liegt, fastausschliesslich (wie sich freilich historisch erwarten liess) durch FranzösischenEinfluss zu seiner jetzigen Form umgestaltet ist. Es ist eigentlich Holländisch infranzösischem Munde.|4| Es ist wirklich auffallend: wenn einFranzose sich hier längere Zeit aufgehalten und Holländisch gelernt hat, so sprichter einen Dialekt, der die wesentlichsten Merkmale mit der Transvaalsprache gemeinhat. Es war also eine Mischung zweier Stämme und zweier Sprachen, von denen dasHolländische Element am zahlreichsten vertreten war und deshalb den Sieg davontrug,aber doch mit starkem Einfluss des anderen Elementes.

Ich würde mich freuen, falls das wenige, was ich mitzutheilen hatte,Ihnen, wenn auch in beschränktem Masze, doch einigen Dienst leisten dürfte. Undmit diesem Wunsche und meinen herzlichen Grüssen zeichne ich in vorzüglicherHochachtung
Ihr ergebener


M deVries

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[Werkmanuskript Nr. 11.7.3., Handschrift de Vries]6

Süd-Afrika.

T. M. Tromp, Herinneringen uit Zuid-Afrika(Leiden, Brill, 1879). Im Cap. XXII finden sich Auszüge aus einer Art Grammatik derSüd-Afrika. Volkssprache, „vor zwei Jahren erschienen“, wie der Verfasser sagt, ohneaber den Titel oder den Namen des Autors zu nennen.

Im Cap. XXIII theilt Hr. Tr. Einige Proben Afrikanischer Literatur mit.

Andere Proben verschiedener Gedichte erschienen von Zeit zu Zeit in „The Cape colonial Magazin“.

Freiheitslieder aus dem letzten Kriege sind in verschiedenen Zeitungen daselbstgedruckt. Einer meiner Freunde hat deren vier ausgeschnitten und bewahrt, von denenich, wenn es Ihnen lieb wäre, eine Abschrift übersenden könnte.

Es gibt auch noch ein Büchlein u. d. T.:

„Afrikaanse Gedigte, 2de versameling, o’ergedruk uit „die Patriot“. Paarl, 1881.

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Neger-Englisch und Creolisch.

P. van Dijk, Nieuwe en nooit bevoorensgeziene onderwyzinge in het Bastert Engels of Neeger Engels, zoo als het zelve in deHollandsze Colonien gebruikt word; enz. Amsterdam, Erven de Wed. Jac. Van Egmont(ohne Jahreszahl, etwa in Mitte des 18sten Jahrh. Gedruckt.) kl. 8vo.7

A. Helmig van der Vegt, Proeve eenerhandleiding om het Neger-Engelsch, zoo als hetzelve over het algemeen binnen dekolonie Suriname gesproken wordt, gedurende de reis derwaarts te leeren verstaan enspreken. Amst., van Kampen, 1844. kl. 8vo. (noch im Buchhandel zu haben). Preis ± 1½Mark.

Ein Lied in Neger-Englisch findet sich in „W. R.van Hoёvell, Slaven en Vrijen”, 1885, II, S. 54 - 56.

Neger-Englische Grammatik. Bautzen, 1854.8

Dutch and Neger-English Dictionary. Löbau, 1856.9

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Dutch and Negro in St. Thomas (Danish). Grammar, by Magens (Kopenhagen, 1770).10

Spanisch und Negro, bei „Putman, GemeenzameZamenspraken.” Santa Rosa, 1853.11

Französisch und Negro in Trinidad. Vocabular von Joly. Paris, 1802.12

Creolese Grammar, by Thomas. – Port of Spain, 1869.13

In „The Bible of every land. A history of the sacred scriptures in every language anddialect” (London, J. Bagster and sons, 1848) finden sich:

S. 402. Specimen of the Creolese Version. Joh. 1, 1-14.

S. 403. Surinam Negro-English. Joh. 1, 1-14.

Über das Papiamento oder Bastard-Spanisch in Curaçao, sehe:

G. B. Bosch, Reizen in West-Indiё“(Utrecht, 1829), I, S. 212-219.

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Schliesslich bemerke ich noch (was Ihnen wohl schon bekannt ist, aber Supervacua non nocent),14 dass eine BibliographieCréole in der Pariser RevueCritique von 29 Aug. 188115, 7 Nov.188116, und 4 Dec.1882 (S. 453 flg.)17 zu findenist.18Wahrscheinlich sind daselbst mehrere der oben erwähnten Bücher verzeichnet.Vielleicht aber möchte das Eine oder Andere dem französischen Sammler entgangensein.


1 Die „beiliegende Note“(Schuchardtnachlass Werkmanuskripte Nr. 11.7.3.) ist im Anschluss an diesen Briefwiedergegeben.

2 Lateinisches Sprichwort: „zweimal gibt, wer schnell gibt.“

3 Die Maatschappij der Nederlandse Letterkunde (MNL)entstand 1766 in Leiden als Vereinigung von Sprachwissenschaftlern undHistorikern.

4 Derklassische Philologe und Historiker Willem Nicolaas du Rieu(1829-1896) war von 1880 bis zu seinem Tode Bibliothekar an derUniversitätsbibliothek Leiden (Blok1897). Ein Brief an Schuchardt liegt im Nachlass Schuchardts vor(Briefnummer 09665).

5 Die Abkürzung „4to“ steht für dasBuchformat Quarto (heute auch 4°).

6 Es folgt die im vorstehenden Brief erwähnte Beilage. Dieses Dokument ist inWolf(1993: 577) verzeichnet unter „8 Blatt. Exzerpte u.Literaturangaben [2 v. fr. Hs.]“, umfasst aber nur einen Bogen davon. Die „fremdeHandschrift“ (= „fr. Hs.“) auf diesen vier beschriebenen Seiten stammt eindeutigvon de Vries.

7 Die Abkürzung „kl. 8vo“ steht für dasBuchformat Kleinoktavo (heute auch Kl.-8°).

8 Wullschlägel,H. R. (1854). KurzgefassteNeger-Englische Grammatik. Bautzen: Ernst MoritzMonse.

9 Wullschlägel, H. R. (1856). Deutsch-Negerenglisches Wörterbuch. Löbau: J. A.Duroldt.

10 Magens, Jochum Melchior (1770). Grammatica over det Creolske sprog, som bruges paa de trende DanskeEilande, St. Croix, St. Thomas og St. Jans i Amerika.Copenhagen: Gerhard Giese Salikath.

11 Putman, J. J.(1853). Gemeenzame zamenspraken,behoorende by de: Proeve eener hollandsche spraakkunst.Santarosa, Curaçao.

12 Ducoeurjoly, S. J.(1802): Manuel des Habitants deSaint-Domingue. Bd. 2. Paris:Arthus-Bertrand.

13 Thomas, J. J.(1869). The Theory and Practice ofCreole Grammar. Port of Spain: The Cronicle PublishingOffice.

14 In etwa: „Überflüssiges schadetnicht.“

15 Gaidoz, H. (1881a). Note bibliographique sur le Créole français. In:Revue critique d’histoire et delittérature. 35 (29. August 1881). 167-170.

16 Gaidoz, H.(1881b). Bibliographie créole, note additionelle. In: Revue critique d’histoire et delittérature. 45 (7. November 1881). 352-353.

17 Gaidoz, H. (1882).Bibliographie créole, note supplémentaire. Nouvelle note additionelle.In: Revue critique d’histoire et delittérature. 49 (4. Dezember 1882). 453-454.

18 Vgl. auch Schuchardts Ergänzungenzu Gaidozʼ Bibliographie créole imfolgenden Jahr (Schuchardt 1883, Brevier-/Archivnr. 152).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 12556)