Hugo Schuchardt an Lajos Katona (359-05067_422)
von Hugo Schuchardt
an Lajos Katona
25. 11. 1903
Deutsch
Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Lajos Katona (359-05067_422). Graz, 25. 11. 1903. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.10546, abgerufen am 06. 06. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.10546.
[GRAZ 1 – 25.XI.03]
Lieber Freund!
Verzeihen Sie wenn ich auch dieses Mal nur mit einer Karte Ihnen für Ihren Brief (mit PS)1 danke. Bitte zunächst Ihrer Frau Gemahlin meine aufrichtige Teilnahme auszudrücken. In der letzten Zeit höre ich von allen Seiten nur Trauriges und Verstummendes. – Ihre beiden Fragen betreffend: 1) das farkaszemet nézni ist bei uns, doch nur als Kinderspiel (das natürlich auch einmal von Erwachsenen gespielt werden kann) üblich, und hat da vielleicht besondere Bezeichnungen; doch gewährt mir die eigene Erinnerung keine. Kommt es denn bei Ihnen im Ernst vor, und unter welchen Bedingungen? Wenn Einer den Andern fixiert, so ist doch das Ende davon nicht dass zuerst Einer blinzelt, sondern dass zuerst Einer ein drohendes oder herausforderndes Wort äussert. 2) Garbanzo ist zweifellos nicht aus dem Baskischen ins Spanische übergegangne – fast alle die angenommenen Lehnwörter aus dem Bask. (Larramendi { Diez { Körting)2 sind es nicht. Ein Stammwort kann ich augenblicklich nicht angeben; die Verwandtschaft von garbanzo darzulegen, würde einen kleinen Artikel erfordern. In ital. Mdd. kommt das Wort meines Wissens nicht vor (wohl aber in franz.). Ich werde etymologische Fragen immer sehr gern und sehr ungern beantworten; jenes weil das mein Lieblingssport ist, dieses weil ich ihn mir abgewöhnen möchte. Ich fing gleich an eingehende Nachforschungen wegen garb. anzustellen, brach sie aber noch früh genug ab. Vor Monaten war ich mit einer orientalistischen Untersuchung beschäftigt; etymologische Neugierde hat mich herausgerissen und in die Romania zurückgeschleudert.
Herz. Ihr
HSch.
1 Schuchardt antwortet auf HSA 05451 (22.1.1903).
2 Manuel de Larramendi (1690-1766), span.-bask. Priester, Philologe, Historiker und Folklorist; Friedrich Diez (1794-1876), deutscher Romanist; Gustav Körting (1845-1913), deutscher Romanist; alle Genannten sind bedeutende Lexikologen.
Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung von: Bibliothek und Informationszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung für Handschriften und Alte Bücher. (Sig. 05067_422)
