Hugo Schuchardt an Lajos Katona (329-05067_405)

von Hugo Schuchardt

an Lajos Katona

Graz

16. 08. 1902

language Deutsch

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Lajos Katona (329-05067_405). Graz, 16. 08. 1902. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.10516, abgerufen am 08. 03. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.10516.


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Graz 16 Aug. 1902

Lieber Freund,

Ein paar Worte in Eile! Ich wollte Ihnen schon längst mittheilen wie sehr ich mich freue dass ich Sie Ende dieses Monats einige Tage hier geniessen soll; aber Sie haben mir Ihre Veßpremer Adresse nicht angegeben. Nun ein Brief wird Sie wohl auf dem Umweg |2| über Budapest erreichen.

Jankós Tod1 ist mir wirklich nahe gegangen, ich kondolirte der ethn. Abt. des Nationalmuseums und erfahre bei dieser Gelegenheit dass es nicht ausgeschlossen ist dass Semayer2 und Báthy3 irgend einen Günstling hochmögender Herren der sich weiter auf Ethnographie nicht zu verstehen brauchte, vorgesetzt erhalten. Ich dachte schon daran an Heinrich4 ein paar Zeilen zu schreiben der ja als Schwager von |3| Wlassics5 gewiss bei diesem Gehör hat. Allein bei Euch drüben, wo alles mehr oder weniger einen persönlichen Charakter trägt, ist es doch gefährlich irgend einen derartigen Schritt zu tun ohne den Boden auf dem das zu sein hat, ganz genau zu kennen. Ich habe mir auch vergegenwärtigt, dass O. Herman,6 mit dem ich auf vorzüglichem Fusse stehe, gewiss über die Wieder[be]setzung der Jankóschen Stelle seine bestimmten Ansichten hat, und so |4| ist mir doppelt Vorsicht geboten. Hätten Sie die Güte mich ganz im Allgemeinen in dieser Angelegenheit zu informieren?

Mir geht’s natürlich bei dem kühlen Wetter nicht besonders – ich sehne mich nach trockener Hitze. Andere aber haben sich an mein Laubfroschbefinden nicht zu kehren.

Von Munkácsis Buch habe ich eine gute Anzeige nun gedruckt, aber noch nicht veröffentlicht.7

Mit Handkuss für die Gemahlin

Ihr getreuer
HSch


1 János Jánko (1868-1902), ungar. Ethnologe, war am 28. Juli in Borsec (heute Rumänien) verstorben. Er war seit 1899 Abteilungsdirektor der ethnographischen Abteilung des ungarischen Nationalmuseums, und um die Nachfolge auf diese Stelle geht es hier.

2 Willibald Semayer (1868-1928), ungar. Anthropologe und Volkskundler; vgl. HSA 10499-10505.

3 Zsigmond Báthy (keine Daten), ungar. Ethnograph.

4 Gustav Heinrich (1845-1922), ungar. Literaturhistoriker; vgl. HSA 04534-04540.

5 Gyula Wlassics (1852-1937), ungar. Politiker, von 1895 bis 1903 Minister für Religion und Bildung. – Seine Frau Etelka geb. Csengery war die Schwester von Olga Csengery, verh. Heinrich.

6 Otto Herman (1835-1914), österr. Naturwissenschaftler und Ornithologe; vgl. 04667-04669. (Die Briefe 04621-04624 aus dem Jahr 1900 sind in Kaltenleutgeben verfasst).

7 Schuchardt, „Rez. von „Árja és kaukázusi elemek a finn-magyar nyelvekben. I. kötet. Magyar szójegyzék s bevezetésül: A kérdés története“, Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 16, 1902, 286-297.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung von: Bibliothek und Informationszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung für Handschriften und Alte Bücher. (Sig. 05067_405)