Lajos Katona an Hugo Schuchardt (294-05487)

von Lajos Katona

an Hugo Schuchardt

Unbekannt

1900-11

language Deutsch

Zitiervorschlag: Lajos Katona an Hugo Schuchardt (294-05487). Unbekannt, 1900-11. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.10482, abgerufen am 26. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.10482.


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[s. d. (Ende November 1900)]1

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich war eben im Begriffe das internationale Detectivcorps nach Ihrer seit Apatin2 verlorenen Spur in Bewegung zu setzen, als zu meiner großen Freude und erwünschten Beruhigung Ihre lieben Zeilen eintrafen, aus denen ich sehe, daß Sie der Bácska – „megtörve bár, de fogva nem“3 – glücklich entronnen sind.

Herrn Szily habe ich, leider, Ihr kostspieliges Opfer noch immer nicht zu Gemüthe führen können, da ich seit Monaten keine Gelegenheit hatte, |2| mit ihm zusammenzutreffen. Über die Banater und Bácskaer deutschen Dialekte ist mir außer den im XXIII. (1899) B. des E. Philol. Közl.4 702 u. 806 befindlichen spärlichen Mittheilungen nichts bekannt. Was das links od. rechts ausweichen anbelangt,5 enthält der G. A. I. 1890. § 107a) die folgende Bestimmung: „minden jármüvel (Vehikel) balra kell hajtani, szembe jövö jármünek balra kell kíterni, az elötte haladónak pedig jabbrol kell eléje térni.“6

Auf Brücken ist das Letztre, nämlich das Vortreiben, was man bei uns auch elözni heißt, untersagt.

|3| Der Folklore-Katechismus dürfte in nicht ganz unabsehbarer Zeit in das Gesichtsfeld concreter Erwägung rücken, da ich für das nächste Halbjahr ein Collegium7 ankündige, das dazu einen ersten Anlauf bedeutet. Hieraus mögen Sie, lieber Herr Professor, sehen, daß ich mich nicht ganz und gar ins Einzelne verliere und auch längst bei Seiten geschobene Pläne wieder aufnehmen will. Die Familie ist Gott Lob – kleine Störungen abgerechnet im Ganzen wohl und brav. Freilich machen ab und zu die |4| besorgniserregend raschen Fortschritte der kleinen „Hausforscherin“ ein energisches Aufgebot der väterlichen Autorität nothwendig, die nicht ohne Thränenfeuchte und großmütterlichen Gegenströmung behauptet werden kann.

Heute wurde in der Facultätssitzung die große Schlacht um die Besetzung des italienischen Lehrstuhles geschlagen. (Farinelli contra Radó). Der Ausgang ist mir noch unbekannt.

Mit herzlichen Grüßen von uns allen. Die bessere Hälfte dankt bestens für die Freundlichkeit, mit der Sie ihrer gedachten.

Ihr treu ergebener
LK.

|5| P. S. Wenn Sie ohne allzu große Mühe erfahren könnten, ob die Grazer Univ. Bibl. im Besitze von Val. Schmidt’s Petrus Alphonsi Disc. cler. Berlin 1827 ist, so würden Sie mich durch eine diesbezügliche Mittheilung unendlich verpflichten.


1 Das Datum ergibt sich aus der Frage nach Valentin Schmidts Buch (vgl. Ms 5067/385 [29.-30.11.1900]) sowie den Angaben über die Besetzung der Budapester Italienisch-Professur; vgl. 05427 (14.12.1900).

2 Vgl. Ms 5067/382 (18.9.1900).

3 „gebrochen, aber nicht festgenommen“.

4 Egyetemes Philólogiae Közlöny 1899, 702ff. („A bánsági sváb nyelvjárás magyar szavai“) und 806ff. („A verbászi német nyelvjárás“) [= Ungarische Wörter des schwäbischen Banat-Dialekts bzw. Deutsche Dialektwörter].

5 Vgl. Ms 5067/383 (15.11.1900).

6 Etwa: „Es herrscht Linksverkehr, rechts wird überholt und sich dann wieder links eingeordnet“.

7 Gem. „Colloquium“?

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 05487)