Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (265-s.n.)

von Hugo Schuchardt

an Julio de Urquijo Ybarra

Graz

03. 12. 1912

language Deutsch

Schlagwörter: Kaiserliche Akademie der Wissenschaften (Wien) Anthropos Revue internationale des études basqueslanguage Spanischlanguage Baskisch Rodríguez Marín, Francisco Cuervo, Rufino José Dihigo y Mestre, Juan Miguel Trebitsch, Rudolf Aranzadi y Unamuno, Telesforo de Karras, Ehrhardt Kuba Wien Wales Baskenland Tellechea Idígoras, José Ignacio (1960) Schuchardt, Hugo (1912) Schuchardt, Hugo (1913) Schuchardt, Hugo (1914) Schuchardt, Hugo (1913) Schuchardt, Hugo (1912)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (265-s.n.). Graz, 03. 12. 1912. Hrsg. von Bernhard Hurch und Maria José Kerejeta (2007). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.1046, abgerufen am 30. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.1046.


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Graz, 3. 12. 12.

Lieber Freund!

Ich freue mich daß Sie von Ihrer Krankheit wieder hergestellt sind.

Das Wort ostugo ist sehr interessant; es hat sich bisher meiner Aufmerksamkeit entzogen. Um über seine Herkunft ins Klare zu kommen müßte man vor allem wissen was es eigentlich bedeutet ( ¿rincon? trozo? vestigio?), dann wo es in der Literatur erscheint, ob und wo es heutzutage noch lebt.

Mit Vergnügen erfahre ich bei dieser Gelegenheit daß mein guter Freund Rodriguez Marín1 noch litterarisch tätig ist; vor langen Jahren schon hörte ich daß er an irgend einer Krankheit leide die ihn daran hindere in der Öffentlichkeit aufzutreten. — So höre ich denn überhaupt von meinen alten |2| spanischen Bekannten durch Zufall, selbst das Schlimmste. Erst vor kurzem wurde mir der Tod von dem liebenswürdigen bescheidenen R. J. Cuervo2 bekannt, auf dem Umweg über Cuba (durch den Nekrolog von Dihigo).

In diesen Tagen war ein Dr. Rudolf Trebitsch aus Wien bei mir der schon viel gereist ist, auch im Auftrag der Wiener Akademie; er hat u.a. Phonogrammaufnahmen in Wales und Irland gemacht. Er ist von Haus aus Mediziner, hat sich aber ganz der Ethnographie gewidmet und gedenkt demnächst das Baskenland zu besuchen. Seine wissenschaftlichen Zwecke fallen hauptsächlich in die Volksmedizin und die Anthropologie (Cagots). Auch für die Couvade interessiert er sich sehr; ich bin ihr wiederum in einem ganz neuen Buch (einer Kulturgeschichte) |3|begegnet — es scheint wirklich daß die Couvade ebenso ein stehendes Attribut der Basken3 wird wie die Eule ein solches der Minerva. Dieser Herr bat mich ich möchte ihn genau darüber unterrichten was in ethnographischer Hinsicht seit 1901 (bis dahin hat er die Literatur zusammengestellt) über die Basken erschienen ist. Ich wußte ihm augenblicklich nur die Arbeiten von Aranzadi zu nennen (er kann freilich Spanisch noch nicht): ich glaube aber daß anderes Wichtiges nicht vorhanden ist. Oder wüßten Sie etwas was in dieser Hinsicht zu empfehlen wäre?

Baskische Projekte schweben mir immer vor Augen. Zunächst werden wohl meine Baskisch-hamitischen Wortvergleichungen4 an die Reihe kommen (ich werde mich bei Karras erkundigen ob er die unterpungierten Typen des Semitischen ṭ, ḍ, ṣ |4|besitzt). Ich stecke nun einmal jetzt — wissenschaftlich — in Afrika. Allerdings hält mich vorderhand eine vom Baskischen abliegende Aufgabe fern, mich soweit das möglich ist, über die Sprachen der meroitischen Inschriften5 zu unterrichten.

Einen eben erschienenen Aufsatz von mir: Sachen und Wörter6 sende ich Ihnen nicht zu, weil Sie ja auf den Anthropos abonniert sind (oder irre ich mich?), in dessen letztem diesjährigen Heft er erschienen ist (das Heft selbst ist allerdings noch nicht ausgegeben worden) und es mir mit den Separata etwas knapp geht.

Mit herzlichem Gruß

Ihr ergebener

HSchuchardt

Das neueste Heft der RB. ist mir kürzlich zu[ge]kommen; nun, die Hälfte von Axular liegt vor; ob ich wohl den Neudruck im Ganzen erlebe?

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1 Sobre su amistad con Rodriguez Marín v. las cartas 267 y 357.

2 H. S. también mantuvo correspondencia con Rufino José Cuervo, las cartas que éste ricibió de H. S. están publicadas en Cuervo, Cartas de mi archivo IV, Bogotá 1943 (v. I. Tellechea, „Schuchardt y el vascuence“, BAP 16 (1960): 95). En el legado de H. S. se conservan más de 100 cartas de J. Cuervo a H. S. ( Wolf 1994 ).

3 H. S. escribe una nota bibliográfica („La ‘couvade’ chez les Basques“, RIEV 6 (1912g): 284) en que da noticia de algunas publicaciones sobre este tema, que comienza: „ La couvade chez les Basques ne cesse pas de se couver elle-même“.

4 H. S. „Baskisch-hamitische Wortvergleichungen“, RIEV 7(1913a): 289-340 y „Baskisch und Hamitisch. Zu 78 tsilbor ‘Nabel’“, RIEV 8 (1914a): 76.

5 H. S. „Das Meroitische“, Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes 27 (1913b): 163-183.

6 H. S. „Sachen und Wörter“, Anthropos 7 (1912h): 827-839.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Koldo Mitxelena Kulturunea - Liburutegia (Fondo Urquijo). (Sig. s.n.)