Lajos Katona an Hugo Schuchardt (102-05369)
von Lajos Katona
an Hugo Schuchardt
07. 06. 1889
Deutsch
Zitiervorschlag: Lajos Katona an Hugo Schuchardt (102-05369). Fünfkirchen, 07. 06. 1889. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2023). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.10289, abgerufen am 07. 06. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.10289.
PécsMalom-u. 22.
Hochgeehrter Herr Professor!
Haben Sie doch die Güte mir anzugeben, ob Sie alakor nicht vielleicht im Nyelvtörténeti Szótár gefunden und somit bereits im Besitze der ältesten Belege für dieses Wort sind? Im entgegengesetzten Falle würde ich Ihnen dieselben sofort in-extenso mitteilen. So viel geht aus denselben mit annähernder Gewissheit hervor, daß das Wort um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts in Siebenbürgen schon heimisch war. Freilich spricht eine Zusammenstellung mit farrago gegen die consequente Gleichstellung mit dem aus deutschem Dinkel gewordenen tönköly, das man außer Siebenb. bei uns fast ausschließlich für Spelz (Triticum spelta, épautre, provinziell auch blé locular) gebraucht. Was Sie mit lo(cu)lar meinen, ist mir nicht ganz klar. Doch nicht eine volksetymologische Angleichung des ursprüngl. vielleicht locar gelauteten Wortes an den häufigen botanischen Zunamen loculaire?! Ob auch dann ein Übergang des magyarischen (??) alakor (das uns ganz fremdartig klingt und nur in einem engen Gebiet bekannt ist) ins Fr[an]zösische anzunehmen wäre, das scheint mir einstweilen noch recht zweifelhaft. Zuerst müßte man wissen, woher wir das Wort haben! Von meinen Kollegen ist es nur den 3 Siebenbürgern bekannt, die wir unter uns haben. Ich kenne es nur aus der Literatur. –
Hochachtungsvoll u. dankbar ergebenst
K. L.
