Text und Übersetzung

Graculus graculus,-i m.: Dohle. superbus et pavo pavo,-onis m.: Pfau. Pfauen und Pfaueneier wurden in der Antike teuer gehandelt, deshalb galt die Haltung und vor allem das Verspeisen von Pfauen als Statussymbol (vgl. Hünemörder 2000, 689–690).



Promythion
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Ne gloriari gloriari 1, gloriatus sum: sich rühmen. libeat alienis bonis

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suoque potius potius (Adv.): eher, lieber. habitu habitus,-us m.: Bezeichnet grundlegend das Äußere bzw. die Haltung oder Stellung des Körpers. Oft wird damit auch die Kleidung oder Rüstung bezeichnet. Im übertragenen Sinn kann habitus auch die gesellschaftliche Stellung meinen, die sich in der äußeren Erscheinung und vor allem in der Kleidung widerspiegelt. vitam degere, vitam degere 3, degi: das Leben verbringen.

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Aesopus nobis hoc exemplum prodidit. prodere 3, prodidi, proditum: von sich geben; auch: hinterlassen, überliefern.



Exposition
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tumens tumere 2, tumui: geschwollen sein; hier: aufgeblasen sein. inani inanis,-e: leer; auch: selbstgefällig. graculus superbia,

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pennas penna,-ae f.: Feder. , pavoni quae deciderant, sustulit

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seque exornavit exornare 1,-avi,-atum: anordnen; hier: schmücken, zieren. . deinde contemnens contemnere 3, contempsi, contemptum: gering schätzen, verachten. suos suus 3: der/die/das Eigene; hier (Pl.): die Artgenossen.



Actio 1
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se immiscuit immiscere 2, immiscui, immixtum: (hin)einmischen. pavonum formoso formosus 3: formvollendet, schön. gregi. grex, gregis m.: Gruppe, Schar.



Reactio 1
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illi impudenti impudens,-ntis: schamlos. pennas eripiunt avi

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fugantque fugare 1,-avi,-atum: in die Flucht schlagen, verjagen. rostris rostrum,-i n.: Schnabel. . male mulcatus male mulcare 1,-avi,-atum: übel zurichten, verprügeln. graculus



Actio 2
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redire maerens maerere 2, maerui: traurig sein, betrübt sein. coepit ad proprium proprius 3: eigen. genus;



Reactio 2
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a quo repulsus tristem sustinuit notam. nota,-ae f.: Rüge; nota kann einerseits das Brandmal bzw. den Schandfleck (vgl. Cic. Cat. 1,13) bezeichnen, andererseits aber auch für den Vermerk in den Bürgerlisten stehen, den ein Zensor über das (schlechte) Verhalten eines Römers machen konnte, was den Verlust des Ansehens und oft weitere Sanktionen zur Folge hatte (vgl. Cic. Cluent. 129).



Schluss/Ergebnis
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tum quidam ex illis, quos prius despexerat:

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contentus contentus 3 (+ Abl.): zufrieden mit. nostris si fuisses sedibus

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et quod natura dederat voluisses pati,

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nec illam expertus esses contumeliam contumelia,-ae f.: Misshandlung; auch: Schande, Beschimpfung.

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nec hanc repulsam repulsa,-ae f.: Zurückweisung, Abweisung; bezeichnet im Speziellen die Zurückweisung bei der Bewerbung um ein Ehrenamt im römischen Staat (vgl. Gärtner 2015, 100). tua sentiret calamitas“. calamitas,-tatis f.: Schaden, Untergang, Sturz.

Die hochmütige Dohle und der Pfau

Damit es nicht gefällt, sich fremder Güter zu rühmen und lieber mit dem eigenen Äußeren das Leben zu verbringen, überlieferte Aesop uns dieses Beispiel.

Eine mit selbstgefälligem Hochmut aufgeblasene Dohle [5] hob die Federn, die einem Pfau ausgefallen waren, auf und schmückte sich damit.

Dann mischte sie sich, während sie ihre Artgenossen verschmähte, unter die schöne Schar der Pfauen.

Jene rupften dem schamlosen Vogel die Federn aus und schlugen ihn mit den Schnäbeln in die Flucht.

Übel zugerichtet [10] begann die Dohle traurig zu ihrer eigenen Art zurückzukehren.

Von dieser wurde sie vertrieben und erhielt eine bittere Rüge.

Dann sagte eine von jenen, die sie zuvor verschmäht hatte: „Wenn du mit unserem Wohnsitz zufrieden gewesen wärst und ertragen hättest wollen, was die Natur <dir> zugeteilt hatte, [15] hättest du weder jene Misshandlung erfahren, noch würde<st du in> dein<em> Unglück diese Zurückweisung erleiden.

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Angaben zum Text

Vokabelangaben

  1. [Überschrift] graculus,-i m.: Dohle.
  2. [Zeile 1] gloriari 1, gloriatus sum: sich rühmen.
  3. [Zeile 2] potius (Adv.): eher, lieber.
  4. [Zeile 2] vitam degere 3, degi: das Leben verbringen.
  5. [Zeile 3] prodere 3, prodidi, proditum: von sich geben; auch: hinterlassen, überliefern.
  6. [Zeile 4] tumere 2, tumui: geschwollen sein; hier: aufgeblasen sein.
  7. [Zeile 4] inanis,-e: leer; auch: selbstgefällig.
  8. [Zeile 5] penna,-ae f.: Feder.
  9. [Zeile 6] exornare 1,-avi,-atum: anordnen; hier: schmücken, zieren.
  10. [Zeile 6] contemnere 3, contempsi, contemptum: gering schätzen, verachten.
  11. [Zeile 6] suus 3: der/die/das Eigene; hier (Pl.): die Artgenossen.
  12. [Zeile 7] immiscere 2, immiscui, immixtum: (hin)einmischen.
  13. [Zeile 7] formosus 3: formvollendet, schön.
  14. [Zeile 7] grex, gregis m.: Gruppe, Schar.
  15. [Zeile 8] impudens,-ntis: schamlos.
  16. [Zeile 9] fugare 1,-avi,-atum: in die Flucht schlagen, verjagen.
  17. [Zeile 9] rostrum,-i n.: Schnabel.
  18. [Zeile 9] male mulcare 1,-avi,-atum: übel zurichten, verprügeln.
  19. [Zeile 10] maerere 2, maerui: traurig sein, betrübt sein.
  20. [Zeile 10] proprius 3: eigen.
  21. [Zeile 15] contumelia,-ae f.: Misshandlung; auch: Schande, Beschimpfung.

Grammatik

  1. [Zeile 13] contentus 3 (+ Abl.): zufrieden mit.

Sachangaben

  1. [Überschrift] pavo,-onis m.: Pfau. Pfauen und Pfaueneier wurden in der Antike teuer gehandelt, deshalb galt die Haltung und vor allem das Verspeisen von Pfauen als Statussymbol (vgl. Hünemörder 2000, 689–690).
  2. [Zeile 2] habitus,-us m.: Bezeichnet grundlegend das Äußere bzw. die Haltung oder Stellung des Körpers. Oft wird damit auch die Kleidung oder Rüstung bezeichnet. Im übertragenen Sinn kann habitus auch die gesellschaftliche Stellung meinen, die sich in der äußeren Erscheinung und vor allem in der Kleidung widerspiegelt.
  3. [Zeile 11] nota,-ae f.: Rüge; nota kann einerseits das Brandmal bzw. den Schandfleck (vgl. Cic. Cat. 1,13) bezeichnen, andererseits aber auch für den Vermerk in den Bürgerlisten stehen, den ein Zensor über das (schlechte) Verhalten eines Römers machen konnte, was den Verlust des Ansehens und oft weitere Sanktionen zur Folge hatte (vgl. Cic. Cluent. 129).
  4. [Zeile 16] repulsa,-ae f.: Zurückweisung, Abweisung; bezeichnet im Speziellen die Zurückweisung bei der Bewerbung um ein Ehrenamt im römischen Staat (vgl. Gärtner 2015, 100).