Text und Übersetzung

Auctor



Intention der Fabel
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Exemplis continetur continetur: In seiner Grundbedeutung heißt continere zusammenhalten. Das hier verwendete Passiv ist übertragen aufzufassen und aktiv mit ‚bestehen aus‘ zu übersetzen. Aesopi genus; genus,-eris n.: Art; hier: (Literatur-)Gattung.

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nec nec aliud quicquam: Die verwendete Kombination aus nec (und nicht), aliud (ein anderes) und quicquam (irgendetwas) wird am besten mit ‚und nichts anderes‘ übersetzt. aliud quicquam per fabellas fabella,-ae f.: Fabel. quaeritur

3——́|◡—́|◡//—́|◡—́|——́|◡⏑́

quam quam ut: quam verbindet den Hauptsatz mit dem folgenden ut-Satz und bezeichnet einen Vergleich. Beim konjunktivischen ut-Satz handelt es sich um einen Konsekutivsatz, der eine mögliche Folge oder Wirkung beinhaltet. Daher ist quam ut im Sinne von ‚als dass‘ aufzufassen. corrigatur corrigere 3, correxi, correctum: berichtigen. error error,-oris m.: Irren; hier: Fehlverhalten. ut mortalium mortalis,-e: sterblich; hier: die Sterblichen

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acuatque acuere 3, acui, acutum: schärfen; hier: vermehren. sese diligens industria. industria,-ae f.: Einsatz.

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quicumque quicumque: jeder, der. fuerit ergo narrandi narrandi: Bei narrandi handelt es sich um ein Gerundium im Genetiv. Es gehört zum Subjekt des Satzes, d.h. zu iocus. Die Übersetzung kann mit ‚des Erzählens‘ erfolgen. iocus,

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dum dum: solange nur, wenn nur. capiat aurem et servet propositum propositum,-i n.: Vorsatz. suum,

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re commendatur, commendare 1,-avi,-atum: empfehlen. non auctoris nomine.



Eigenleistung
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equidem equidem (Adv.): freilich. omni cura morem servabo senis;

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sed si libuerit libet, libuit: es gefällt. aliquid interponere, interponere 3, interposui, interpositum: dazwischenstellen; hier: einfügen.

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dictorum sensus sensus,-us m.: Sinn. ut delectet varietas, varietas,-atis f.: Verschiedenartigkeit; hier: Abwechslung.

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bonas in bonas partes: freundlich. in partes, lector, lector,-oris m.: Leser. accipias velim, velim: Hier steht der Konjuktiv Präsens zu velle in der 1.P.Sg. und drückt einen Wunsch aus. Der Wunsch richtet sich an die 2.P., die in diesem Fall durch accipias im selben Vers verkörpert wird; velim accipias kann demnach mit ‚ich möchte, dass du aufnimmst‘ übersetzt werden.

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ita si rependet rependere 3, rependi, repensum: zurücklegen; hier: erwidern. illi brevitas brevitas,-atis f.: Mit brevitas (Kürze) ist in der Literatur ein rhetorisches Stilideal gemeint. Bereits die Paraderedner Cicero und Quintilian schreiben in der Antike über dieses Ideal. Ganz allgemein gefasst bezweckt die Kürze, dass nicht mehr gesagt oder geschrieben werden soll, als notwendig ist. Das heißt zugleich, dass die Darstellung der Sache selbst, von welcher der schriftliche oder mündliche Text handelt, im Fokus stehen soll (vgl. Jäger 2014, 29–41). gratiam.



Schluss
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cuius verbosa verbosus 3: wortreich. ne sit commendatio, commendatio,-onis f.: Empfehlung; hier: Lob.

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attende, attendere 3, attendi, attentum: spannen; hier: beachten. cur negare cupidis debeas,

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modestis modestus 3: bescheiden. etiam offerre offerre, obtuli, oblatum: entgegenbringen. quod non petierint.

Autor

Die Gattung Aesops besteht aus Beispielen. Durch die Fabeln wird nichts anderes erstrebt, als dass das Fehlverhalten der Sterblichen berichtigt werde und der sorgfältige Einsatz sich vermehre. Jeder Scherz des Erzählens also wird, wenn er nur das Ohr erfasst und seinen Vorsatz bewahrt, durch die Sache empfohlen, nicht durch den Namen des Autors.

Freilich werde ich mit ganzer Sorgfalt die Art des Alten bewahren. Aber wenn es gefällt, etwas einzufügen, damit Abwechslung des Gesagten die Sinne erfreue, möchte ich, dass du, Leser, es freundlich aufnimmst, falls so die Kürze jener (=der Abwechslung) Dank erwidern wird.

Damit das Lob für die Kürze nicht wortreich ist, beachte, warum du den Begierigen verweigern, den Bescheidenen aber sogar entgegenbringen musst, was sie nicht erstreben.

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Angaben zum Text

Vokabelangaben

  1. [Zeile 1] genus,-eris n.: Art; hier: (Literatur-)Gattung.
  2. [Zeile 2] fabella,-ae f.: Fabel.
  3. [Zeile 3] corrigere 3, correxi, correctum: berichtigen.
  4. [Zeile 3] error,-oris m.: Irren; hier: Fehlverhalten.
  5. [Zeile 3] mortalis,-e: sterblich; hier: die Sterblichen
  6. [Zeile 4] acuere 3, acui, acutum: schärfen; hier: vermehren.
  7. [Zeile 4] industria,-ae f.: Einsatz.
  8. [Zeile 5] quicumque: jeder, der.
  9. [Zeile 6] dum: solange nur, wenn nur.
  10. [Zeile 6] propositum,-i n.: Vorsatz.
  11. [Zeile 7] commendare 1,-avi,-atum: empfehlen.
  12. [Zeile 8] equidem (Adv.): freilich.
  13. [Zeile 9] libet, libuit: es gefällt.
  14. [Zeile 9] interponere 3, interposui, interpositum: dazwischenstellen; hier: einfügen.
  15. [Zeile 10] sensus,-us m.: Sinn.
  16. [Zeile 10] varietas,-atis f.: Verschiedenartigkeit; hier: Abwechslung.
  17. [Zeile 11] in bonas partes: freundlich.
  18. [Zeile 11] lector,-oris m.: Leser.
  19. [Zeile 12] rependere 3, rependi, repensum: zurücklegen; hier: erwidern.
  20. [Zeile 13] verbosus 3: wortreich.
  21. [Zeile 13] commendatio,-onis f.: Empfehlung; hier: Lob.
  22. [Zeile 14] attendere 3, attendi, attentum: spannen; hier: beachten.
  23. [Zeile 15] modestus 3: bescheiden.
  24. [Zeile 15] offerre, obtuli, oblatum: entgegenbringen.

Grammatik

  1. [Zeile 1] continetur: In seiner Grundbedeutung heißt continere zusammenhalten. Das hier verwendete Passiv ist übertragen aufzufassen und aktiv mit ‚bestehen aus‘ zu übersetzen.
  2. [Zeile 2] nec aliud quicquam: Die verwendete Kombination aus nec (und nicht), aliud (ein anderes) und quicquam (irgendetwas) wird am besten mit ‚und nichts anderes‘ übersetzt.
  3. [Zeile 3] quam ut: quam verbindet den Hauptsatz mit dem folgenden ut-Satz und bezeichnet einen Vergleich. Beim konjunktivischen ut-Satz handelt es sich um einen Konsekutivsatz, der eine mögliche Folge oder Wirkung beinhaltet. Daher ist quam ut im Sinne von ‚als dass‘ aufzufassen.
  4. [Zeile 5] narrandi: Bei narrandi handelt es sich um ein Gerundium im Genetiv. Es gehört zum Subjekt des Satzes, d.h. zu iocus. Die Übersetzung kann mit ‚des Erzählens‘ erfolgen.
  5. [Zeile 11] velim: Hier steht der Konjuktiv Präsens zu velle in der 1.P.Sg. und drückt einen Wunsch aus. Der Wunsch richtet sich an die 2.P., die in diesem Fall durch accipias im selben Vers verkörpert wird; velim accipias kann demnach mit ‚ich möchte, dass du aufnimmst‘ übersetzt werden.

Sachangaben

  1. [Zeile 12] brevitas,-atis f.: Mit brevitas (Kürze) ist in der Literatur ein rhetorisches Stilideal gemeint. Bereits die Paraderedner Cicero und Quintilian schreiben in der Antike über dieses Ideal. Ganz allgemein gefasst bezweckt die Kürze, dass nicht mehr gesagt oder geschrieben werden soll, als notwendig ist. Das heißt zugleich, dass die Darstellung der Sache selbst, von welcher der schriftliche oder mündliche Text handelt, im Fokus stehen soll (vgl. Jäger 2014, 29–41).