Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Matronae Vlauhinehae

CF-GeI-65

[.]AT̂RON̂IS

VLÂVĤÎN̂EH

SACR

[.]X T̂ESTAM̂EN

  5 POM ACI

S F V̂ANAI

OCTAVIV

X OMNIVS

H F C

[M]atronis

Vlavhineh(is)

sacr(um)

[e]x testamen(to)

  5 Pom() Aci-

s(ii?) f(ilius) Vanai(s)

Octaviu(s)

[E]xomnius

h(eres) f(aciendum) c(uravit)

CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 2: Vlânĥineh – Eick (CIL), Ferlut
Z. 4: ex testamento – Ferlut
Z. 5: Pom(peii?) Aci- – Raybould/Sims-Williams; Pompeius Aci(u) – Ferlut
Z. 6: VANAN aut litteris ligatis VAINAN vel VATNAN – Eick (CIL); s f(ilii?) Vanai(i?) – Raybould/Sims-Williams; s(i?) f(ilius) Vanai(s?) – EDH; s f(ilius) Vanan - Scheungraber
Z. 7: Octaviu(s) – Raybould/Sims-Williams
Z. 8: [E]xomnius – Brambach (CIL, irrtümlich als Z.7); Octavius Exomnius – Ferlut (Z.8 fehlt)
Z. 9: h(eredes) f(aciendum) c(uraverunt) – EDH, Scheungraber, Ferlut (wegen fehlender Z.8, als Z.8 gezählt)
Übersetzung Deutsch

Den Matronae Vlavhinehae geheiligt!
Nach der testamentarischen Verfügung des Pom(), Sohn des Acis (?) Vanais, hat es der Erbe Octavius Exomnius machen lassen.

Übersetzung Englisch

Sacred to the Matronae Vlavhinehae!
According to the will of Pom(), son of Acis (?) Vanais, the heir Octavius Exomnius had it set up.

Autopsie

non vidimus
Lesung gründet auf: CIL (aus älterer Literatur)

Editionen und LesungenCIL XIII 7932
Raybould/Sims-Williams 2007, 67 Nr.BEG 124
Scheungraber 2020, 553
Ferlut 2022, Nr.706
Elektronische Ressourcen HD079816 (Version vom 25. April 2019) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11100158 (zuletzt aufgerufen am 24. Februar 2020) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/414993 (zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2021) (Trismegistos)
Fundort modern Geich
Fundstelle

im Garten eines Privathauses

Fundumständerundherum römische Substruktionen in vielen benachbarten Gärten vorhanden
Fundjahr1854
Verwahrungverschollen
InschriftträgerWeihealtar
MaterialKalkstein
Archäologische Klassifikation glatt
Beschreibung Objekt

Es handelt sich um einen rechteckigen Stein, der auf der Rückseite komplett glatt gemeißelt ist. Da an der Frontseite auch Mörtelreste zu finden waren, ist davon auszugehen, dass der Stein als Baumaterial verwendet wurde. Aufgrund der erneuten Verwendung wurde er den Verhältnissen angepasst.

Zustand Objekt unklar
Ikonografie

kein Dekor bekannt

Inschrift

Der überlieferte Inschriftentext scheint bis auf einige Fehlstellen vollständig zu sein.
Ligaturen: s. Majuskeltext. Besondere Zeichen: In Z.1 finden sich eine Ligatur von T und R mit erhöhtem T sowie von N und I mit erhöhter rechter senkrechter Haste des N; in Z.2 in der Ligatur von H, I N und E eine erhöhte rechte senkrechte Haste des H; in Z.4 eine Ligatur von T und E mit erhöhtem T.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt?
Kommentar Götternamen

Vlavhinehae: möglicherweise Variante von Vallabneihiae: keltisch mit lautlicher Germanisierung: ,Die Waltenden [Muttergöttinen]‘ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 193f / 195f); andere Deutungen: keltisch für ,die Flechtenden‘ (Schmidt 1987, 146) oder germanisch für Flußgöttinnen (Simek 2006, 446). (Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Matronae Vlavhinehae:
- Germania Inferior: nur in der hier behandelten Inschrift belegt
- außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Pom(), Sohn des Acisius, Vanais: offenbar römisches Namensformular ohne Praenomen
Pom(): keine gesicherte Ergänzung möglich, vielleicht Pom(peius)
Acisius: Cognomen, vgl. de Bernardo Stempel 2011 (Vercelli); anders Kakoschke 2007, CN 20, Acis: Cognomen fraglicher Herkunft
Vanais: unklar

Octavius Exomnius: römisches Namensformular mit Gentilnomen und Cognomen ohne Praenomnen
Octavius: gängiges lateinisches Gentilnomen (Kakoschke 2006, GN 881)
Exomnius: keltisches Cognomen; Weiterbildung des keltischen Cognomens Exomnus (Kakoschke 2007, CN 1243)

ZitiervorschlagCF-GeI-65, hdl.handle.net/11471/504.50.65
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Abschrift, CIL XIII 7932, CC BY-NC

Bild 1: Abschrift, CIL XIII 7932, CC BY-NC