Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


« zurück zur KategorieTEI

Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Nehalennia

CF-GeI-442

DEAE · N̂EHALENN̂I

AE · IANVARIN̂IVS

AMBACTHIVS · PRO

SE · ÊT · SVIS·V · R · L · M

Deae Nehalenni-

ae Ianuarinius

Ambacthius pro

se et suis v(otum) r(eddidit) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Frisiavonum
Apparatus criticusZ. 1: die unterstrichenen Buchstaben der Z.1 bis Z.4 sind nur abschriftlich überliefert; ohne Ligaturen: ILS, Espérandieu, Byvanck, Hondius-Crone; Nehalen(n)i – Scheungraber; Nehalleni – Ferlut
Z. 2: [ae Ian]uarinu[us] – Raybould/Sims-Williams; ohne Ligatur: ILS, Espérandieu, Byvanck, Hondius-Crone
Z. 3: [Am]bacthius – Raybould/Sims-Williams; Ambathius – Ferlut
Z. 4: se [et] su[i]s v(otum) ?s(olvit) [l(ibens) m(erito)] – Raybould/Sims-Williams; ohne Ligatur: ILS, Espérandieu, Byvanck, Hondius-Crone
Übersetzung Deutsch

Für die Göttin Nehalennia!
Ianuarinius Ambacthius hat das Gelübde für sich und die Seinen gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the goddess Nehalennia!
Ianuarinius Ambacthius has fulfilled a vow willingly and deservedly for himself and his family.

Autopsie

non vidimus


Lesung gründet auf: Stuart

Editionen und LesungenILS 4750
CIL XIII 8788
Espérandieu IX 6650
Byvanck 1935, 251
Hondius-Crone 1955, Nr.2
Raybould/Sims-Williams 2007, 70f Nr.BEG 134
Stuart 2013, Nr.19
Scheungraber 2020, 394 Nr.12
Ferlut 2022, Nr.1060
Elektronische Ressourcen EDCS-11100878 (zuletzt aufgerufen am 24. Februar 2020) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/415784 (zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2021) (Trismegistos)
Fundstelle

Domburg 51.563265 3.498398

Fundjahr1651
VerwahrungMiddelburg, Zeeuws Museum, collection KZGW
InventarnummerG3224
InschriftträgerAedicula-Altar
MaterialKalkstein
Archäologische Klassifikation Akanthus
Apfel
Architektur
Birne
Blattornament
Blüte
Frucht
gebrochener Giebel
Götterbild
Hund
Kapitell
Muschelschloss
Nuss
Obstschale
Pflanzenornament
Pilaster
Rahmen
Register
Reliefdekor
Reliefschmuck
Rosette
Schiffsschnabel
Tier
Tempelarchitektur
Aufsatzschmuck
Beschreibung Objekt

Die Vorderseite des Steins ist schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, daher muss auf Zeichnungen aus dem 17.Jh. zurückgegriffen werden, um eine annähernd vollständige Beschreibung des Steines zu erstellen. Die ältesten Zeichnungen stammen aus den Jahren 1647 und 1650; der Stein gelangte in Privatbesitz, wurde dann jedoch wieder in die Kirche von Domburg zurück gebracht, die 1848 durch ein Feuer zerstört wurde.
Die Nische mit dem Götterbild ist mit kannelierten Pilastern und korinthischen Kapitellen architektonisch gerahmt. Die Nischendecke zeigt kein Muscheldekor, jedoch ist das Muschelschloss im gebrochenen Giebel klar erkennbar. Der Aufsatz weist als Bekrönung links und rechts Pulvini auf. Oben liegen mehrere Früchte: links dem langen Stiel nach zu urteilen zwei Birnen, rechts Äpfel oder Nüsse.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 91,4 cm
Breite: 55,9 cm
Tiefe: 22,9 cm
Ikonografie

Die Pulvini sind mit Blattdekor verziert. Der rückseitige Giebel weist eine Blattrosette als Dekor auf.
Nehalennia steht in der Nische (bei Espérandieu 1925, 65 fälschlich als sitzend beschrieben). Erhalten sind der Großteil ihres Körpers, es fehlt nur ein Teil ihres rechten Arms und das rechte Bein. Rechts hat sich neben dem Pilaster noch ein gut erkennbarer Rest eines Schiffsbuges erhalten, auf den sie den rechten Fuß gestellt hat. Auf dem aufgestützten Bein ruhte der kleine Obstkorb, wie die Zeichnungen bestätigen, wobei sie diesen mit der rechten Hand festgehalten hat und mit der linken in den Korb gegriffen hat. Nehalennia trägt ihr übliches langes Gewand, allerdings mit einigen Unterschieden. Gut erkennbar ist die Pelerine mit dem leicht gewellten Saum, die ihr etwa bis zur Mitte der Oberarme reicht. Darunter, knapp unter der Brust, ist ein Wulst erkennbar, vermutliche ein Gürtel. Vom langen Umhang fehlt jede Spur, jedoch scheint sie ein langes Stück Stoff über ihre linke Seite nach rechts auf ihr Bein gelegt zu haben. Vermutlich handelt es sich hierbei um den abgenommenen Mantel. Links neben ihr sitzt ein kleiner, von ihr weggedrehter Hund, der seinen Kopf zu ihr herumgedreht und erhoben hat. Der oberste Rest des Kopfes ist auf den Fragmenten gerade noch zu erkennen. Vermutlich trägt Nehalennia auch eine kleine Haube auf ihrem Kopf.
Auf der rechten Schmalseite ist im unteren Relief ein Akanthusornament zu sehen. Darüber, abgetrennt durch das leicht vorspringende Gesims, das auch die Nische vom übrigen Altarkörper trennt, ist ein weiteres Pflanzenornament, vermutliche ein Akanthusranke zu erkennen. Diese ist mit einer Blüte gekrönt (Hondius-Crone 1955, 24). Das obere Register wird außerdem von zwei Pilastern eingerahmt.
Ebenso ist auch die linke Schmalseite gestaltet.
Auf der Rückseite hat sich Rahmung durch kannelierte Pilaster links und rechts erhalten. Zwischen den Pilastern ist die Fläche unverziert und glatt. Da die Rahmung jedoch ausgeführt wurde, könnte man auf einen aufgemalten Vorhang o.Ä. spekulieren, der hier zu sehen war.

Inschrift

Von der abschriftlich vollständig überlieferten Inschrift sind heute nur mehr Fragmente erhalten.
Ligaturen: s. Majuskeltext. Besondere Zeichen: In Z.1 und in Z.2 finden sich Ligaturen von N und I mit erhöhter rechter vertikaler Haste des N.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3,8 cm
Kommentar Götternamen

Nehalennia: keltisch erklärbar: ‚Die [Göttin] im Salzwasser bzw. in der See‘ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 145f). (Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Nehalennia:
- Germania Inferior: Belege sind überaus häufig. Zwei Inschriften stammen aus Köln alle anderen aus Domburg und Colijnsplaat. Die Göttin wird dabei, bis auf wenige Ausnahmen, stets als dea Nehalennia angesprochen.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Ianuarinius Ambacthius: römisches Namensformular ohne Praenomen
Ianuarinius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Ianuarius; tritt nur in den germanischen Provinzen auf (Kakoschke 2006, GN 586)
Ambacthius: keltisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 153)

Datierung150–300
ZitiervorschlagCF-GeI-442, hdl.handle.net/11471/504.50.442
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Hondius-Crone 1955, p.25, Rechte vorbehaltenBild 2: rechts, Hondius-Crone 1955, p.25, Rechte vorbehaltenBild 3: Rückseite, EDCS-11100878, Rechte vorbehaltenBild 4: oben, EDCS-11100878, Rechte vorbehaltenBild 5: Front (Zeichnung), EDCS-11100878, Rechte vorbehalten


Bild 1: Front, Hondius-Crone 1955, p.25, Rechte vorbehalten
Bild 2: rechts, Hondius-Crone 1955, p.25, Rechte vorbehalten
Bild 3: Rückseite, EDCS-11100878, Rechte vorbehalten
Bild 4: oben, EDCS-11100878, Rechte vorbehalten
Bild 5: Front (Zeichnung), EDCS-11100878, Rechte vorbehalten