Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Matronae H/Naitienae

CF-GeI-420

MATRONIS

[.]AIT[.]ENIS

MVNAT̂IA · SIMILẸS

ÊT MATERNA

  5 EX · ỊMP · IPS

Matronis

[H/N]ait[i]enis

Munatia Similes

et Materna

  5 ex imp(erio) ips(arum)

CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 2: MAIT[.]ENIS – CIL; [N]ait[i]enis – EDH; Hait[i]enis – Neumann; [ ]ait[i]enis – Scheungraber; Maternis – Ferlut
Z. 3: Similis – CIL, Lehner, EDH, Scheungraber, Ferlut
Z. 5: i[m]p(erio) – Lehner; [i]mp(erio) – EDH, Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Für die Matronae [H/N]aitienae!
Munatia Similes und Materna auf deren Geheiß.

Übersetzung Englisch

To the Matronae [H/N]aitienae!
Munatia Similes and Materna in response to their order.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenCIL 13, 12068
Lehner 1918, Nr.335
Neumann 1987, 122f.
Scheungraber 2020, 49
Ferlut 2022, Nr.850
Elektronische Ressourcen HD022052 (Version vom 7. Mai 2015) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-12800090 (zuletzt aufgerufen am 24. Februar 2020) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/209240 (zuletzt aufgerufen am 30. Juni 2021) (Trismegistos)
Fundort antikTiberiacum
Fundort modern Thorr
Fundstelle

in der alten Kirche

Fundumständebeim Abbruch der alten Kirche
Fundjahr1905
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum
Inventarnummer17896
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Apfel
Band
Birne
Fragment
Frucht
Füllhorn
Füllhorn mit Blattkelch
Füllhörner überkreuzt
Kiefernzapfen
Kornähre
Kranich
Kranz
Pfau
Rahmen
Reliefschmuck
Tier
Vogel
Weintraube
Zierleiste
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar ist der Länge nach in zwei Fragmente gespalten. Das Gesims samt Aufsatz ist abgearbeitet bzw. fehlt. Auch der Sockel fehlt. Ebenso sind Ränder und Kanten bestoßen und abgeschliffen. Am oberen Inschriftenrand ist stellenweise noch ein Perlstabmuster zu erkennen – vermutlich war das Inschriftenfeld nach oben hin mit dieser Zierleiste versehen.

Auf der linken Schmalseite ist ein einzelnes Füllhorn dargestellt, davor ist ein pfauen- bzw. kranichartiger Vogel zu sehen. Auf der rechten Schmalseite ist ein sehr detailreiches Doppelfüllhorn bzw. zwei überkreuzte Füllhörner mit Blattkelch zu sehen, auf denen zwei Vögel sitzen, sowie unten in der Mitte ebenfalls ein Vogel erkennbar ist.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeTeil 1
Höhe: 91,5 cm
Breite: 36,0 cm
Tiefe: 33,0 cm
Teil 2
Höhe: 104,0 cm
Breite: 36,0 cm
Tiefe: 34,0 cm
Ikonografie

Auf der linken Schmalseite ist ein einfaches Füllhorn zu erkennen, das mit Äpfeln und in der Mitte einem Pinienzapfen gefüllt ist. Davor steht ein Vogel, der Ähnlichkeit mit einem Kranich bzw. einem Pfau hat. Sein Kopf am rechten Rand wird dünn und wirkt leicht verfälscht. Gut erkennbar ist noch das Gefieder, das am Stein nachempfunden wurde. Das untere Ende des Füllhorns ist hinter dem Vogel geschwunden und nicht zu sehen. Die Gestaltung des Reliefs ist im Gegensatz zu dem der rechten Schmalseite sehr einfach gehalten.
Auf der rechten Schmalseite sind zwei überkreuzte Füllhörner mit Blattkelch zu sehen. In der Mitte, zwischen den sich kreuzenden Enden ist ein Vogel erkennbar, der etwas von der Erde aufpickt; darüber drei Trauben. Von den Füllhörnern hängen Kornähren und Trauben herab. Sie sind gefüllt mit in der Mitte sitzenden Pinien/Kiefernzapfen und Birnen sowie Äpfeln. Darauf wiederum sitzen zwei Vögel, die sich mit ihren Körpern zugewandt sind, die Köpfe jedoch zu den Seiten weggedreht haben. In der Mitte der oberen Füllhornenden liegt ein kleiner Kranz, den die Pinienzapfen einschließen.

Inschrift

Der Text füllt nur etwas mehr als die obere Hälfte des Inschriftenfeldes aus. Er ist bis auf kleine Fehlstellen vollständig erhalten. Am Beginn von Z.2 ist nur noch eine senkrechte Haste zu erkennen, die entweder die rechte Haste eines H oder eines N sein könnte. In Z.3 findet sich ein höchstwahrscheinlich als E zu lesender kleiner Buchstabe über dem L.
Ligaturen: s. Majuskeltext. Besondere Zeichen: In Z.3 findet sich ein Ligatur von T und I mit erhöhter senkrechter Haste des T.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)5,9 cm
Kommentar Götternamen

[H/N]aitienae: keltisch: Lesung Haitienae ‚In der Fülle Geborene [Muttergöttinnen]’, ‚Aus dem Schwarm Geborene [Muttergöttinnen]’; Lesung Naitienae: ‚In dem Fluss N~ (Natiso?) Geborene [Muttergöttinnen]’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 221-223). (Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Matronae [H/N]aitienae:
- Germania Inferior: Es ist nur dieser eine Beleg bekannt.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Munatia Similes et Materna: Es handelt sich dabei entweder um zwei Frauen mit den Namen Munatia Similes und Materna oder um Munatia Similes und Munatia Materna.
Munatia: weibliche Form von Munatius: italisches Gentilnomen (Kakoschke 2006, GN 823).
Similes: vermutlich Variante oder Verschreibung von Similis: männliches und weibliches lateinisches Cognomen, besonders häufig in Niedergermanien (Kakoschke 2008, CN 2868); vielleicht ist auch Similis als Genetiv des Namens des Vaters zu verstehen.
Materna: weibliche Form von Maternus: überall gängiges lateinisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 1965)

ZitiervorschlagCF-GeI-420, hdl.handle.net/11471/504.50.420
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front (Inschrift), FercanGermaniaInferior, CC BY-NCBild 3: rechts, FercanGermaniaInferior, CC BY-NCBild 4: links, FercanGermaniaInferior, CC BY-NCBild 5: Front (Detail), FercanGermaniaInferior, CC BY-NC


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front (Inschrift), FercanGermaniaInferior, CC BY-NC
Bild 3: rechts, FercanGermaniaInferior, CC BY-NC
Bild 4: links, FercanGermaniaInferior, CC BY-NC
Bild 5: Front (Detail), FercanGermaniaInferior, CC BY-NC