Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Nehalennia

CF-GeI-286

DEAE

NEHALENIAE

M · EXGINGIVS

AGRICOLA

  5 CIVES · TREVER

NEGOTIATOR

SALARIVS

C · C · A · A · V · S · L · M

Deae

Nehaleniae

M(arcus) Exgingius

Agricola

  5 cives Trever

negotiator

salarius

c(oloniae) C(laudiae) A(ugustae) A(grippinensium) v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Frisiavonum
Apparatus criticusZ. 2: Nehalen(n)ia – Wierschowski, EDH, Scheungraber
Z. 3: Excingius – Wierschowski; Excincius – EDH
Z. 5: civ<i=E>s – Scheungraber
Z. 8: A(rae) A(grippinensium) – Raybould/Sims-Williams, Scheungraber; A(rae) A(grippinensis) – Ferlut
Übersetzung Deutsch

Für die Göttin Nehalenia!
Marcus Exgingius Agricola, Angehöriger der civitas der Treverer (und) Salzhändler in der Colonia Claudia Augusta Agrippinensium hat das Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the goddess Nehalenia!
Marcus Exgingius Agricola, member of the civitas of the Treveri (and) salt merchant in Colonia Claudia Augusta Agrippinensium has fulfilled a vow willingly and deservedly.

Autopsie

non vidimus


Lesung gründet auf: Stuart/Bogaers

Editionen und LesungenStuart/Bogaers 1971, Nr.1
AE 1973, 362
Krier 1981, 115, Nr.41
Wierschowski, 2001, Nr.18
Stuart/Bogaers 2001, A1
Raybould/Sims-Williams 2007, 79 Nr.BEG 163
Beck 2013, 226
Scheungraber 2020, 396 Nr.30
Ferlut 2022, Nr.1075
Elektronische Ressourcen HD011189 (Version vom 12. Juni 2017) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-09401487 (zuletzt aufgerufen am 24. Februar 2020) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/208899 (zuletzt aufgerufen am 30. Juni 2021) (Trismegistos)
Fundort antikGanuenta
Fundstelle

Oosterschelde bei Colijnsplaat 51.599839 3.849262

Fundjahr1970
VerwahrungLeiden, Rijksmuseum van Oudheden
Inventarnummeri 1970/12.1.
InschriftträgerAedicula-Altar
MaterialKalkstein
Archäologische Klassifikation Apfel
Architektur
Aufsatzschmuck
Baum
Birne
Blattdekor
Blumenstrauß
Frucht
gebrochener Giebel
Götterbild
Hund
Kapitell
Laubbaum
Muschelnische
Muschelschloss
Obstkorb
Obstschale
Pilaster
Reliefdekor
Reliefschmuck
Tempelarchitektur
Thron
Tier
Vorhang
Beschreibung Objekt

Der Aedicula-Altar zeigt die auf einem Thron sitzende Göttin in einer Nische, die architektonisch gefasst ist. Der Giebel ist gebrochen und wird von einer flachen Halbkuppel gebildet. Links und rechts der Giebelspitze sitzen zwei Pulvini.
Das Inschriftenfeld ist durch eine profilierte Leiste vom Nischenbild getrennt und vom restlichen Altarkörper abgehoben. Der Sockel des Altars ist einfach gehalten.
Die Nische ist links und rechts von Pilastern mit (vermutlich) korinthischem Kapitell begrenzt, darüber liegt eine flache Halbkuppel auf. Der Giebel ist gebrochen, schließt aber die tempelartige Architektur gelungen ab.
Der Stein ist ungefähr in der Mitte von rechts nach links leicht nach unten verlaufend gebrochen und wurde wieder zusammengesetzt. Die Ecken wirken bestoßen, einige kleinere Fragmente sind ausgebrochen.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 91,0 cm
Breite: 50,0 cm
Tiefe: 25,5 cm
Ikonografie

Die Pulvini weisen an den Seiten ein Blatt/Schuppenmuster sowie Rosetten an der Vorderseite auf. Oben in der Mitte liegen sechs Früchte; es handelt sich dabei um vier Äpfel und zwei Birnen.
Die Nischendecke ist mit Muscheldekor versehen.
Nehalennia sitzt auf einem Stuhl mit Rücken- und Armlehne, daher kann von einem Thron gesprochen werden. Ihr Haar scheint in der Mitte gescheitelt zu sein. Das lange Kleid fällt ihr bis zu den Füßen hinunter. Ihr linkes Knie ist etwas weiter vorgerückt, darauf ruht ein Obstkorb, den sie mit ihrer linken Hand umfasst hält. Ihre rechte Hand ist in ihren Schoß gelegt (ev. hält sie hier einen Blumenstrauß o.Ä.). Ihre Schultern sind von einer bis zur Mitte von Brust und Oberarm herabfallenden Pelerine betont. Rechts vom Betrachter aus gesehen steht ein gut gefüllter Obstkorb (mit Äpfeln) am Boden, während links ein Hund neben dem Thron am Boden sitzt. Der Hund wendet den Kopf nach links und sieht so von der Göttin weg.
Die Baumdarstellungen an den Altarseiten ähneln sich sehr. Sie sind sehr einfach ausgeführt, im Gegensatz zur sorgfältigen Herausarbeitung des Götterbildes und der Nische. Der Baumstamm ist dick und weist in der Mitte einen abgebrochenen Aststumpf auf. Die Blätter sind groß und oben spitz zulaufend in jeweils drei Zweierreihen mit einem oben abschließenden einzelnen Blatt gestaltet.

Inschrift

Der Inschriftentext ist vollständig erhalten.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.5: „cives” pro „civis”

Kommentar Götternamen

Nehalenia: Variante von Nehalennia: keltisch erklärbar: ‚Die [Göttin] im Salzwasser bzw. in der See‘ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 145f). (Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Nehalennia:
- Germania Inferior: Belege sind überaus häufig. Zwei Inschriften stammen aus Köln alle anderen aus Domburg und Colijnsplaat. Die Göttin wird dabei, bis auf wenige Ausnahmen, stets als dea Nehalennia angesprochen.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Marcus Exgingius Agricola: tria nomina
Exgingius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom keltischen Cognomen Excingus (Kakoschke 2006, GN 459)
Agricola: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 93)

negotiator salarius: Salzhändler; an der Ostküste Britanniens ist an zahlreichen Stellen Salzproduktion in römischer Zeit nachgewiesen (Stuart/Bogaers 2001, 36).

ZitiervorschlagCF-GeI-286, hdl.handle.net/11471/504.50.286
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
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