Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

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Gesachenae

CF-GeI-16

ETRAḤENIS

ÊT · GESA˧̂ENIS

BASSIANA MA

TERNA ÊT BASS

  5 ANA PAEṚNA

EX ÎM̂P · ÎPS · L · M

Etrahenis

et Gesachenis

Bassiana Ma-

terna et Bass[i?]-

  5 ana Pa<t>erna

ex imp(erio) ips(arum) l(ibentes) m(erito)

CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 1: möglw. auch Etraienis – ILS; unterstrichene Buchstaben nicht mehr erhalten
Z. 2: Cesahenis – CIL; ohne Ligatur – Alföldy; unterstrichene Buchstaben nicht mehr erhalten
Z. 3: Bassian(i)a – Alföldy; unterstrichene Buchstaben nicht mehr erhalten v.4: Bass[i] (ohne Angabe des Zeilenwechsels) – ILS; Bass – CIL; ohne Ligatur, Bass(i) – Alföldy; unterstrichene Buchstaben nicht mehr erhalten
Z. 5: an(i)a – Alföldy; Paterna – ILS; Pa(t)erna – Alföldy; unterstrichene Buchstaben nicht mehr erhalten
Z. 6: i ligata in I^M^P nunc periit – CIL; ohne Ligaturen – Alföldy; unterstrichene Buchstaben nicht mehr erhalten
Übersetzung Deutsch

Für die Etrahenae und die Gesachenae!
Bassiana Materna und Bassiana Paterna auf deren Geheiß gerne und verdientermaßen.

Übersetzung Englisch

To the Etrahenae and the Gesachenae!
Bassiana Materna and Bassiana Paterna willingly and deservedly in response to an order of the goddesses.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenILS 4803a
CIL XIII 7890
Alföldy 1967, 2 Nr.2
Elektronische RessourcenEDCS-11100115 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/414953 (Trismegistos)
Fundort modern Rödingen
Fundstellezwischen dem Pfarrdorf Rödingen und der Villa „in der Hölle“, auf einem sandigen Hügel
Fundumständegemeinsam mit mehreren anderen Inschriften (CIL XIII 7886–7893)
Fundjahr1785
Verwahrungehemals Großherzogliches Antiquarium in Mannheim (Sammlung im 2. Weltkrieg zerstört)
InschriftträgerWeihestein
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Fragment
Beschreibung Objekt

Aufgrund des Erhaltungszustandes ist keine Beschreibung von Form und Gestaltung möglich.

Zustand Objekt größeres Fragment
MaßeHöhe: 29,5 cm
Breite: 37,0 cm
Tiefe: 19,5 cm
Ikonografie

keine Beschreibung möglich

Inschrift

Seit Aufnahme in ILS und CIL (damals war offenbar noch der gesamte Text komplett erhalten) ist das Stück zerfallen. Erhalten ist nur ein größeres Fragment der ZZ.3, 4, 5, 6. In Z.4 und 5 ist der linke Rand des Inschriftenfeldes erkennbar. Ein zweites, kleineres Fragment ([---]CES[---]), das zwischenzeitlich als dazugehörig erachtet wurde, stammt jedoch mit Sicherheit von einer neuzeitlichen Inschrift, auf dem Deckel des Sarkophags CIL XIII 8559 (freundliche Mitteilung von Herrn Jonas Osnabrügge, Epigraphische Datenbank Heidelberg).
Ligaturen: s. Majuskeltext – besondere Zeichen: In Z.2 findet sich ein Zeichen für den velaren Reibelaut in Ligatur mit E; in Z.6 eine Ligatur von I und M mit erhöhter linker senkrechter Haste des M und Ligatur von I und P mit erhöhter senkrechter Haste des P.

Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe2,0–4,5 cm
Notabilia Varia

v.5: „Paerna“ pro „Paterna“

Kommentar Götternamen

Gesachenae: keltischer Zugehörigkeitsbeiname: ‚die zum Stamme der keltisch benannten Gesates (die mit dem Speer Bewaffneten) Gehörigen‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 143)
so auch Gesationum: keltischer genetivischer Zugehörigkeitsbeiname: ‚die zum Stamm der keltisch benannten Gesates („die mit dem Speer Bewaffneten“) Gehörigen‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 143; anders Alföldy (1967, in BJB 167, 438), der eine germanische Sippe vermutet

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Gesachenae:
- Germania Inferior: insgesamt 3x belegt (CF-GeI-16, CF-GeI-53 und CF-GeI-54), wobei sich jedoch in CF-GeI-53 das in der Inschrift weiter vorne genannte Matronae möglicherweise auch auf die Gesachenae bezieht
- außerhalb der Germania Inferior: -

Matronae Gesachenae:
- Germania Inferior: 2x belegt (CF-GeI-52 und CF-GeI-55)
- außerhalb der Germania Inferior: -

Matronae Gesationum:
- Germania Inferior: nur in CF-GeI-56 bezeugt
- außerhalb der Germania Inferior: -

***

Nicht keltische Götternamen:

Etrahenae:
germanische Wassergottheiten (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 145)

***

Die gemeinsame Nennung von Gesahenae und Etrahenae in dieser Inschrift findet eine Parallele in CF-GeI-53, wo allerdings von Matronae Etrahenae die Rede ist.

Kommentar allgemein

Bassiana Materna: weiblicher Name mit Gentilnomen und Cognomen
Bassiana: weibliche Form von Bassianus: Gentilnomen, einheimische Bildung, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Bass(ian)us, fast ausschließlich auf dem Gebiet der CCAA belegt (Kakoschke 2006, GN 197)
Materna: lateinisches Cognomen, überall gängig (Kakoschke 2008, CN 1965)

Bassiana Paterna: weiblicher Name mit Gentilnomen und Cognomen
Bassiana: s.o.
Paterna: lateinisches Cognomen, überall gängig, verstärkt im Großraum Gallien, in Norditalien und Hispanien (Kakoschke 2008, CN 2299)

Nach Rüger (1972, 257) sind hier zwei Schwestern genannt. Materna weiht den Muttergottheiten der Mutter, die der Sippe der Etrates angehörte; Paterna weiht denen der Sippe des Vaters, eines Gesatio.

ZitiervorschlagCF-GeI-16, hdl.handle.net/11471/504.50.16
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC