Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Mercurius | Rosmerta?

CF-GeS-1136

M̂ERCVRIO ÊT▴[---]

VITVRELIVS▴[---]

V▴S▴L▴[---]

Mercurio et [Rosmertae?]

Viturelius [---]

v(otum) s(olvit) l(aetus) [l(ibens) m(erito)]

CivitasCivitas Ulpia Sueborum Nicrensium
Apparatus criticusZ. 1: [Rosmertae] – EDH, Heukemes, Feraudi-Gruénais/Ludwig, Scheungraber, Noelke, Ferlut
Z. 2: Viturelius [3] – Scheungraber
Z. 3: l(ibens) m(erito) – Heukemes; l(ibens) [l(aetus)] – EDH, Feraudi-Gruénais/Ludwig, Scheungraber, Noelke, Ferlut
Übersetzung Deutsch

Für Mercurius und [Rosmerta]!
Viturelius ... hat das Gelübde freudig, [gerne und verdientermaßen] erfüllt.

Übersetzung Englisch

To Mercurius and [Rosmerta]!

Viturelius ... has fulfilled a vow gladly, [willingly and deservedly].

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenHeukemes 1992, 45
Feraudi-Gruénais/Ludwig 2017, Nr.22
Scheungraber 2020, 457 Nr.24
Noelke 2020/2021, 351 Nr.2.52
Ferlut 2022, Nr.1215
Elektronische Ressourcen HD038672 (Version von 2017-11-22) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
https://lupa.at/27102 (Version von 2024-03-12) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-57100062 (zuletzt abgerufen 2024-04-10) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/211218 (zuletzt abgerufen 2024-04-10) (Trismegistos)
Fundort modern Neckargemünd
Fundstelle

"im Buchwald zwischen Rainbach und dem Dilsbergerhof" (Heukemes 1992, 45)

Fundumstände

"wurden unter Leitung des damaligen Waldhüters Ohlhauser Notstandsarbeiten durchgeführt. [...] daß man beim Wegebau an einem Steilhang ein Reliefbild des römischen Handelsgottes Merkur gefunden habe. [...] Als nämlich die Amerikaner 1945 das Museum z. T. räumten, baute ein Handwerker die römischen Reste in seine Werkbank ein, wo sie der Verfasser 1950 in der Bauamtsgasse wiederentdeckte" (Heukemes 1992, 45).

Fundjahr1935
VerwahrungHeidelberg, Kurpfälzisches Museum
InventarnummerRN-Dil 2002/2024a
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Götterbild
Hahn
Reliefschmuck
Reparatur
Beschreibung Objekt

Der Weihestein besteht aus einer einfachen Basis, auf der sich die ungerahmte Inschrift befindet und von der das rechte untere Eck modern ergänzt wurde. Darüber in Relief die Darstellung von Rosmerta, die jedoch nur mehr hüftabwärts erhalten ist, da der Stein diagnonal von links oben nach rechts unten auseinandergebrochen ist. Laut Heukemes (1992, 45) kam "außer einem größeren Bruchstück und einem Eckstück [...] damals noch ein kleineres Reliefstück mit einer Schulterpartie zutage, über welcher eine Fibel ein Gewand zusammenhält. Dieses letztgenannte Stück ging leider damals verloren."

Zustand Objekt größeres Fragment
MaßeHöhe: 99 cm
Breite: 44,5 cm
Tiefe: 28 cm
Die angegebenen Maße sind die des erhaltenen Objektes.
Ikonografie

Vom Reliefbild erhalten sind die Beine der Rosmerta, die mit einem bodenlangen Unter- sowie Obergewand, das in tiefe Tellerfalten gelegt ist, bekleidet ist. Sie ist stehend dargestellt und trägt Schuhe. Rechts neben ihr am Boden ist noch ein Hahnenfuß zu erkennen, was darauf hinweist, dass der auch in der Inschrift erwähnte Merkur zu ergänzen ist.

Inschrift

Die Inschrift befindet sich in der oberen Hälfte des Sockels, die rechte Hälfte ist aufgrund eines Bruches verloren. Der Zeilenanfang der erhaltenen linken Seite ist gestaffelt, wobei Z.1 am meisten und Z.3 am geringsten eingerückt sind. Die Buchstaben sind relativ regelmäßig und die meisten sind nach rechts geneigt.
Die Ergänzung der zweiten Gottheit in Z.1 auf Rosmerta beruht auf den erhaltenen Beinen einer weiblichen Figur und den anderen Orts bekannten Dedikationen an das Götterpaar Merkur und Rosmerta. Weitere Plausibilität erhält diese Rekonstruktion durch die Dedikation an Rosmerta im nahe gelegenen Spechbach (CF-GeS-1132), wobei möglicherweise auch dort eine Weihung an das Götterpaar vorliegt. In Z.3 ist die Weiheformel nur unvollständig erhalten. Da jedoch die Anfangsbuchstaben der Zeilen 2–3 jeweils weiter nach links außen versetzt sind als in der Zeile über ihnen, berechtigt dies zu der Annahme, dass auch das verlorene rechte Ende entsprechend gestaltet war. Da nun die Abstände zwischen den erhaltenen Buchstaben von Z.3 zur Mitte hin größer werden und der Worttrenner an der Bruchkante erhalten geblieben ist, kann für die Rekonstruktion des vollständigen Weiheformulars argumentiert werden.
Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift – Besondere Zeichen: In allen Zeilen sind Worttrenner gesetzt. Das L in Z.2 ist mit kurzer Querhaste geschrieben, sodass es fast wie ein I aussieht.

Zustand Inschriftfeldgrößere Fehlstelle/n
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3,8–4,0
Kommentar Götternamen

Rosmerta (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚die große Fürsorge‘ (de Bernardo Stempel/Hainzmann2020, 408-409, Scheungraber 2020, 458f).
Variante von Smertrius: keltisch: ‚die sich vorausschauend kümmert; Versorgerin‘ (Delamarre 2018, 277).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist in den Provinzen Belgica, Germania Superior und Lugdunensis verbreitet, einzelne Belege fanden sich aber auch in Dacien und vielleicht in Noricum.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Rosmerta (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1050, CF-GeS-1051, CF-GeS-1052, CF-GeS-1053, CF-GeS-1054, CF-GeS-1132(?), CF-GeS-1136(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Viturelius …: römisches Namensformular ohne Praenomen? tria nomina?

Viturelius: nur hier belegtes Gentilnomen, einheimische Bildung? (Kakoschke 2021, GN 1498)

ZitiervorschlagCF-GeS-1136, hdl.handle.net/11471/504.50.1136
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, https://edh.ub.uni-heidelberg.de/edh/foto/F012433, © KMH


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Versionen

Last Update/Current Version: 2024