Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Mercurius Visucius | Visucia

CF-GeS-1131

DEO▴MERCVRIO▴VI

SVCIO▴ÊT▴SACT̂E▴VISV

CIE▴P▴QVARTIONIVS

SECVNDINVS▴DECV

  5 [.]IVI▴SVMA▴EX▴IV▴V▴S▴L▴M

Deo Mercurio Vi -

sucio et sa(n)ct(a)e Visu -

ci(a)e P(ublius) Quartionius

Secundinus decu(rio)

  5 [c]ivi(tatis) Suma(locennensis)(!) ex iu(ssu) v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Sumelocennensis
Apparatus criticusZ. 2: sa(n)cte – Riese; san(c)tae – Espérandieu, Unz
Z. 3: cie – Riese
Z. 5: TX iussu – Brambach; ohne ivi vor Suma(locennensis) – Espérandieu; civi(tatis) – Filtzinger (u.a.); Sum<e=A>(locennensis) – Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Für den Gott Mercurius Visucius und der heiligen Visucia!
Publius Quartionius Secundinus, decurio der civitas Sumelocennensis, hat auf (deren) Geheiß das Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the god Mercurius Visucius and to sacred Visucia!
Publius Quartionius Secundinus, decurion of the civitas Sumelocennensis, has, by (their) order, fulfilled a vow willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenBrambach 1867 (Corpus), Nr.1581
CIL XIII 6384
Haug/Sixt 1914, 303 Nr.184
Riese 1914, Nr.2166
ILS 4608
Mettler 1907, 40 Nr.7
Espérandieu 1931, Nr.595
Filtzinger/Plack/Cämmerer 1976, 476
Filtzinger 1980, N.25
Unz 1982, 96
Luik/Reutti 1988, 43
Heiligmann 1993, 102f. Nr.13
Hupe 1997, 166f. Nr.86
Kakoschke 2002, Nr.1.138
Schipp 2016, 82 Anm.54
Scheungraber 2020, 605 Nr.7
Ferlut 2022, Nr.1136
Elektronische Ressourcen HD036821 (Version von 2020-04-09) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
https://lupa.at/7388 (Version von 2023-01-02) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000395 (zuletzt abgerufen 2024-04-10) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/43000 (zuletzt abgerufen 2024-04-10)
https://www.trismegistos.org/text/211051 (zuletzt abgerufen 2024-04-10) (Trismegistos)
Fundort modern Köngen
Fundstelle

"zwischen dem Dorf und den sognannten Burgäckern" (CIL); "zwischen Dorf und Flur "Burg", dem römischen Kastellgebäude (Filtzinger/ Planck/ Cämmerer 1976, 476); "auf einem Kartoffelfeld Miller" (Filtzinger 1980, 62 Nr.25); "zwischen dem Dorf Köngen und den 'Goldäckern' (Unz 1982, 96)

Fundumstände

"von einem Bauern [...] gefunden, etwa 1' tief" (Filtzinger 1980, 62 Nr.25)

Fundjahr1832
VerwahrungStuttgart, Württembergisches Landesmuseum
InventarnummerRL 374
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Götterbild
Reliefschmuck
Beschreibung Objekt

Erhalten ist die Basis des Reliefs, auf der sich die ungerahmte Inschrift befindet. Diese ist rundherum, vor allem unten und an der rechten Seite, bestoßen und nicht weiter ausgestaltet. Das linke untere Eck fehlt.

Zustand Objekt größeres Fragment
MaßeHöhe: 48 cm
Breite: 109 cm
Tiefe: 34 cm
Die angegebenen Maße sind die des erhaltenen Objekts.
Ikonografie

Von den Götterbildern sind nur mehr der Ansatz der Füße, bzw. links auch des Gewandes erhalten. Deren Gestaltung ist jedoch nicht näher beschreibbar.

Inschrift

Die Inschrift füllt den Sockel vollständig aus und ist bis auf einen Ausbruch im linken unteren Eck vollständig erhalten. Die Buchstaben sind regelmäßig, werden nach unten hin kleiner und sind ab Z.2 in zunehmender Stärke abgerieben aber noch lesbar.
Am Ende von Z.3 ist durch einen Ausbruch die obere Hälfte des S beschädigt. Durch das ausgebrochene Eck in Z.4 ist der untere Bogen vom S beschädigt, während in Z.5 das C verloren gegangen und vom I nur mehr der obere Teil sichtbar ist.
Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift – Besondere Zeichen: In allen Zeilen sind Worttrenenr korrekt gesetzt. Die V in Z.5 waren, soweit erkennbar, alle kleiner geschrieben als die übrigen Buchstaben der Zeile.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)5,0–7,0
Notabilia Varia

v.2: „sacte” pro „sanctae”
v.2/3: „Visucie” pro „Visuciae”
v.5: „Sumalocennensis” pro „Sumelovennensis”

Kommentar Götternamen

Visucius (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Rabe?‘ (Delamarre 2018, 322; Scheungraber 2020, 606).
‚der Saftkundige‘ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 130).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername findet sich in den Provinzen Aquitania, Belgica, Germania Superior und Hispania Citerior. Singulär bezeugt ist die weibliche Form Visucia, wobei es sich hierbei vermutlich um eine Doppelung zum Zwecke der Paarbildung handelt.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:
Visucius (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1029 ; CF-GeS-1093

Mercurius Visucius
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1131

Visucius Mercurius
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1115

Visucia
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1131

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

P. Quartionius Secundinus: tria nomina

Quartionius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Quartio, sehr selten (Kakoschke 2021, GN 1049)

Secundinus: lateinischer Name, Weiterbildung von Secundus, äußerst gängiger Name (Kakoschke 2021, CN 2771)

ZitiervorschlagCF-GeS-1131, hdl.handle.net/11471/504.50.1131
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front, Stuttgart - Landesmuseum Württemberg Foto: Ortolf Harl


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front, Stuttgart - Landesmuseum Württemberg Foto: Ortolf Harl

Versionen

Last Update/Current Version: 2024