Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Herecura?

CF-GeS-1129

HRQR

RITIEVCT▴RI

V▴TVM S L❦

H(e)r(e)q(u)r(ae)

RITIEVCTRI

v(o)tum s(olvit) l(ibens)

CivitasCivitas Sumelocennensis
Apparatus criticusZ. 1: HSQB – Steiner; H(e)r(ae)q(u)r(ae) – AE, Gaubatz-Sattler, Heiligmann; H(e)r(e)<c=Q>(u)r(ae) – Scheungraber
Z. 2: RHI E V T R – Steiner; in der Minuskel Z.1 und Z.2 miteinander vermischt [D]iti e(t) H(e)r(e)q(u)r(e) V(i)ct(o)ri(nus?) – CIL; Ritie V(i)ct(o)ri(nus) – AE, Gaubatz-Sattler, Heiligmann, Scheungraber, Ferlut; V(i)ct(o)ri(s?) – EDH; der Name in Z.2 ist unleserlich – Haug/Sixt
Z. 3: am Ende der Zeile I – Brambach
Übersetzung Deutsch

Für Herecura!
... hat das Gelübde gerne eingelöst.

Übersetzung Englisch

To Herecura!
... has fulfilled a vow willingly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenSteiner 1854, Nr.2369
Brambach 1867 (Corpus), Nr.1637
CIL XIII 6360
Haug/Sixt 1914, 237 Nr.126
AE 1999, 1166
Gaubatz-Sattler 1999, 376 Nr.33
Heiligmann 2003, 96 Nr.5
Scheungraber 2020, 322 Nr.6
Ferlut 2022, Nr.229
Elektronische Ressourcen HD036789 (Version von 2020-03-26) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7700 (Version von 2022-12-29) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-14800126 (zuletzt abgerufen 2024-03-27) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/49343 (zuletzt abgerufen 2024-03-27)
www.trismegistos.org/text/211028 (zuletzt abgerufen 2024-03-27) (Trismegistos)
Fundort antikSumelocenna
Fundort modern Rottenburg
Fundstelle

"hinter dem ehemaligen Baumgarten bei Rottenburg in Würtemberg rechts von der Strasse nach Würmlingen" (Becker 1867, 112); "im Lindele" (Heiligmann 19932, 95); "zwischen den Strassen nach Wurmlingen und nach Sülchen" (Haug/Sixt 1914, 235 Nr.124); "auf dem Acker Flst. Nr. 4752, der heute den Grundstücken Jahnstraße 22-40 entspricht, geborgen" (Gaubatz-Sattler 1999, 376 Nr.32)

Fundumstände

gemeinsam mit CF-GeS-1128 und CF-GeS-1130

Fundjahr1852
VerwahrungStuttgart, Württembergisches Landesmuseum
InventarnummerRL 169
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Giebel
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Rosette
Beschreibung Objekt

Der schmale Opferaltar besteht aus einer Basis, deren rechter oberer Rand abgebrochen ist und die ohne besondere Gestaltung vom ungerahmten Inschriftenfeld getrennt ist. Der Aufsatz wiederum ist durch ein Gesims von diesem separiert. Die Bekrönung ist gestaltet mit zwei Pulvini, an deren Vorderseite sich jeweils eine Rosette befindet und dazwischen einem Giebel, dessen Spitz abgebrochen ist. Dahinter befindet sich die Opferschale. Laut Gaubatz-Sattler (1999, 376 Nr.33) ist der Altarstein "besonders an den Seiten gerötet".

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 74 cm
Breite: 30 cm
Tiefe: 27 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Inschrift füllt die obere Hälfte des Inschriftenfeldes aus, wobei sich zwischen Z.1 und Z.2 ein Abstand von etwa einer Zeile befindet. Die Buchstaben sind unregelmäßig und in Z.1 etwas kleiner als in den übrigen Zeilen.
Die Auflösung von Z.1 als Herecura ergibt sich aus dem gemeinsamen Fund mit CF-GeS-1128 und CF-GeS-1130. In der Forschung hat sich ein Konsens bezüglich der Lesung von Z.2 als Ritie Victorinus gebildet (s. Apparatus criticus), in diesem Fall ist das nur hier bezeugte und sprachlich ungeklärte Ritie als Gentilnamen zu verstehen (Kakoschke 2021, GN 1076a), das Cognomen wäre jedoch nicht nur als Victorinus (lateinischer Name; Weiterbildung des Namens Victor; überall äußerst gängig [Kakoschke 2021, CN 3338]) auflösbar, sondern auch als Victorinius (seltener lateinischer Name; Weiterbildung des Namens Victor(inus) [Kakoschke 2021, CN 3337]); oder Victorius (lateinischer Name; Weiterbildung des Namens Victor; weit verbreitet [Kakoschke 2021, CN 3339]). Wir schließen uns jedoch Haug/Sixt (1914, 237) in der Ansicht an, dass Z.2 nicht mit Sicherheit gelesen werden kann. So ist es denkbar, dass noch weitere Buchstaben fehlen, nicht nur das angenommene I und O, wodurch die Annahme zweier Namen irrig sein könnte. Andererseits könnte der Stifter auch aufgemalt in der Leerzeile zwischen Z.1 und Z.2 gestanden haben, oder dies gar einer der Fälle sein, in denen er nicht genannt wird. In diesem Fall würden in Z.2 die Namen nicht als Stifter, sondern als weitere Empfänger der Inschrift und daher im Dativ zu verstehen sein, was folgende Lesung ergeben würde: Riti e(t) V(i)ct(o)ri (Ritus: keltischer Name, zweimal belegt [Kakoschke 2021, CN 2607]; Victor: lateinischer Name, überall äußerst gängig [Kakoschke 2021, CN 3336]). Das L am Ende von Z.3 ähnelt einem I. - Besondere Zeichen: In Z.2 zwischen T und R, sowie in Z.3 zwischen V und T jeweils eine worttrennerartige Vertiefung. Am Ende von Z.3 eine hedera.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3,3–5,0
Notabilia Varia

v.1: „HRQR” pro „Herecurae”

Kommentar Götternamen

Herecura (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch erklärbar: ‚die Göttin der Eiche‘ (de Bernardo Stempel/Hainzmann 2020, 196-198); keltisch-lateinische Mischbildung: -Etymologie unklar- (Scheungraber 2020, 322f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der in verschiedenen Schreibungen bezeugte Göttername ist hauptsächlich in der Germania Superior vertreten, findet sich aber auch in den Provinzen Dacia, Lugdunensis, Numidia, Pannonia Superior und in Italien (Regio X).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Herecura (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior : CF-GeS-1027(?), CF-GeS-1028, CF-GeS-1089, CF-GeS-1113, CF-GeS-1125, CF-GeS-1126, CF-GeS-1127, CF-GeS-1128, CF-GeS-1129(?), CF-GeS-1130

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

ZitiervorschlagCF-GeS-1129, hdl.handle.net/11471/504.50.1129
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024