Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Epona

CF-GeS-1124

IN▴H▴D▴D▴H EPONAE

SIGNVM▴P▴IVNIVS +++

IDVS▴V▴L▴L▴M

In h(onorem) d(omus) d(ivinae) h(oc) Eponae

signum P(ublius) Iunius +++ -

idus v(otum) l(aetus) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Aurelia G-?
Apparatus criticusZ. 2: am Ende der Zeile Ins – AE, Fellendorf-Börner/Olshausen, Euskirchen, Scheungraber, Ferlut; am Ende der Zeile Flor – EDH, Kakoschke; am Ende der Zeile Ins- – Kemkes/Willburger
Z. 3: idus(?) – EDH; -idus v(ovit) l(ibens) l(aetus) – Kemkes/Willburger; v(ovit) l(ibens) l(aetus) – Fellendorf-Börner/Olshausen; v(ovit) l(aetus) m(erito) – Euskirchen; v(ovit) – Kakoschke; l(ibens) l(aetus) – EDH;
Übersetzung Deutsch

Zu Ehren des Kaiserhauses!
Mit diesem Kultbild der Epona (hat) Publius Iunius ...idus (sein) Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen (erfüllt).

Übersetzung Englisch

In honor of the Divine Household!
With this cult image of Epona Publius Iunius ...idus (has fullfilled) a vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: Kakoschke und Photo

Editionen und LesungenFellendorf-Börner/Olshausen 1989, 356–358
AE 1990, 764
Euskirchen 1993, Nr.230
Kemkes/Willburger 2004, 106 Abb.20
Kakoschke 2015, Nr.3
Scheungraber 2020, 266 Nr.9
Ferlut 2022, Nr.137
Elektronische Ressourcen HD024702 (Version von 2021-21-13) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/22000 ( Version von 2022-12-20) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-05200530 ( zuletzt abgerufen am 2023-03-20) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/210464 ( zuletzt abgerufen am 2023-03-20 ) (Trismegistos)
Fundort antikVicus Aurelianus
Fundort modern Öhringen
Fundstelle

Weygangstraße, Ecke Rendelstraße, Parzelle 604/4

Fundumstände"Am 12. Juni 1986 wurde beim Aushub einer Baugrube [...] ein römischer Brunnen angeschnitten. Es handelte sich um einen holzverschalten, verschütteten Brunnen, der etwa 2,5m unterhalb des heutigen Bodenniveaus ein Epona-Relief [...] barg." (Fellendorf-Börner/Olshausen 1989, 351)
Fundjahr1986
Verwahrung Rastatt, Zentrales Fundarchiv
Inventarnummer1986-80-86-1
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Altar
Gefäß
Giebel
Götterbild
Kanne
Kapitell
Obstschale
Opferdiener
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Opferschale (Opfergerät)
Opferszene
Pferd
Pilaster
Pulvini
Reliefschmuck
Schuhe
Thron
Beschreibung Objekt

"Hochplastisches Relief auf tiefem Basissockel mit [ungerahmter] Weihinschrift; Rückplatte mit bogenförmigem Abschluß mit jeweils kleiner Eckvolute sowie pilasterartig gegliederten Seiten; Rückplatte im rechten Drittel anpassend gebrochen, Sockel mehrfach gebrochen und ausgebrochen, Köpfe der Figuren sowie Beine des Pferdes abgeschlagen, insgesamt bestoßen" (Euskirchen 1993, 810 Nr.230).


Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 35,5 cm
Breite: 43,0 cm
Tiefe: 12,7 cm
Ikonografie

Da Fellendorf-Börner/Olshausen (1989, 351–354) das Relief sehr ausführlich und genau beschrieben haben, sei deren Ausführung hier wiedergegeben:
"Das Relief zeigt die Göttin Epona, einen Opferdiener, die Reste eines Pferdes sowie einen kleinen Altar. [...]
Epona sitzt [frontal zum Betrachter gerichtet] in der Mitte des Reliefs [bzw. ein wenig nach links verrückt] auf einem thronartigen Sessel mit Armlehnen. Sie trägt ein bodenlanges, dreifach gegürtetes Untergewand und ein Obergewand, worin Stola und Palla zu erkennen sind. Diese Kleidung ist von anderen Epona-Reliefs bekannt, beispielsweise aus Köngen und Freiberg am Neckar, und bei bildlichen Darstellungen durchaus üblich. Der Faltenwurf der Kleidung wurde bei diesem Relief sehr fein ausgearbeitet. An den Füßen trägt Epona Schuhe. Sie hält mit beiden Händen auf den Oberschenkeln [bzw. breit aufgestellten Beinen] ein großes Gefäß mit Früchten [Euskirchen 1993, 810f. Nr.230 hält auch einen Brotlaib für möglich, was aber eher unwahrscheinlich ist.]. Das Gefäß ist tief und bauchig, mit eingezogenem Rand, und läßt sich somit nicht als patera bezeichnen, die sonst ein vielfach auftauchendes Attribut bei Epona-Darstellungen ist. M.-Th. Hanoteau bezeichnet die patera sogar als häufiges Attribut Eponas. Auf dem Öhringer Relief könnte man eher in der linken Hand des Opferdieners, der Epona zur Linken steht, eine patera erkennen. Diese ist ebenso mit Früchten gefüllt wie das Gefäß Eponas.
Der Opferdiener ist wesentlich kleiner dargestellt als die Göttin, er reicht ihr knapp bis zu den Schultern. Er trägt ein knielanges Untergewand, darüber einen Umhang, der auf seiner rechten Schulter mit einer Fibel zusammengehalten wird. An den Füßen trägt er kurze Stiefel, die möglicherweise einen Umschlag aufweisen. Auf der linken Hand trägt der Opferdiener die bereits genannte flache Schale, darüber hinaus hält er in ebendieser Hand einen dickbauchigen Krug zwischen den Fingern, der einen ausgeprägten Fuß aufweist. Die ausgestreckte rechte Hand des Dieners ist etwas beschädigt, so daß man nur vermuten kann, daß er in ihr eine Schale oder ein Opfergerät hielt. Der Opferdiener steht zu Epona gewandt und scheint im Begriff zu sein, ein Opfer darzubringen. Dies wird noch zusätzlich deutlich durch einen kleinen Altar, der sich zwischen Epona und dem Opferdiener befindet.
Der Altar ist dreiseitig sichtbar und offenbar ortsfest installiert. Er hat einen dreistufigen Sockel und ein Karnies mit drei Stufen, darauf liegt in der Mitte ein Räucherbecken, die beiden Pulvinaria rechts und links sind abgeschlagen. Der Opferdiener, der im Begriff ist ein Opfer darzubringen, ist von bildlichen Darstellungen der Matronen aus den Rheinprovinzen bekannt. Dort trägt er jedoch deutlich das Gefäßpaar Kanne und Griffschale in den Händen, welches das Öhringer Relief nicht klar zeigt. 'Üblicherweise trägt er die Griffschale in der Linken, die Kanne in der Rechten, über die Schultern häufig die Mantele'. Das hier besprochene Relief zeigt den Opferdiener ohne Mantele. Somit läßt er sich nicht den sonst bekannten Darstellungen zuordnen.
Zur Rechten von Epona ist der vordere Teil eines Pferdekörpers zu sehen. Das kräftig gebaute Pferd bewegt sich auf den Betrachter zu und hatte den Kopf höchstwahrscheinlich zu Epona gewandt. [Euskirchen 1993, 810f. Nr.230 meint, anhand des 'Verlaufs der kräftigen Brust- und Halsmuskulatur' erkennen zu können, dass das Pferd sich nach außen wendet.] Auch das Pferd ist im Verhältnis zur Göttin kleiner, es reichte ihr ebenfalls bis knapp an die Schultern. Das Pferd zeigt am Hals Ansätze eines Geschirrs, möglicherweise mit Schmuckplatten, welche durch die Beschädigung nicht deutlich sichtbar sind. Pferdegeschirre mit Verzierungen sind von Soldatengrabsteinen bekannt, doch auch die Epona-Reliefs aus Bregenz und Ladenburg zeigen verzierte Pferdegeschirre.
Die Figuren des Reliefs bilden ein harmonisches Ensemble, wobei Epona eindeutig dominiert. Das harmonische Zusammenwirken wird durch den architektonisch gestalteten Hintergrund unterstützt. Ein halbkreisförmiger Giebel spannt sich von der Höhe des Pferdekopfes bis zu dem Kopf des Opferdieners; in seiner Mitte befinden sich Kopf und Schultern der Göttin. Der Giebel wird von einem schmalen Architrav getragen, der auf Kapitellen ruht. Diese wiederum bilden den Abschluß von leicht angedeuteten Säulen. Die Gruppe steht auf einer nach vorne gezogenen Inschriftentafel. Das Relief wurde von dem Künstler sehr sorgfältig gestaltet. Teile der Figuren und des Hintergrundes weisen eine sicherlich gewollte Körnung auf. Da Epona nicht auf einem Pferd reitend, sondern neben einem Pferd sitzend dargestellt ist, muß dieses Relief dem sog. Reichstypus zugeordnet werden."

Inschrift

Die Inschrift füllt den Sockel komplett aus und ist fast vollständig erhalten. Die Buchstabenhöhe verringert sich mit jeder Zeile und weist innerhalb jeder Zeile Schwankungen auf, darüber hinaus sind die Buchstaben nicht auf einer waagrechten Linie gesetzt, sondern folgen in der Mitte einer, in jeder Zeile unterschiedlich stark ausgeprägten, Wölbung nach oben.
Die Worttrenner sind durchgehend korrekt gesetzt, weswegen sie auch für die beschädigtne Stellen in Z.1 und Z.2 angenommen werden können. In Z.1 sind durch Ausbrüche fast die gesamte obere Hälfte des H vor Epona, sowie die untere Hälfte des ersten E ein Teil des P sowie das obere Ende des zweiten E verloren. Am Ende von Z.2 sind nur mehr unleserliche Reste von mindestens drei Buchstaben zu erkennen, von denen der letzte eine Rundung aufweist, wodurch C, G, O, Q oder S möglich sind. Die Lesung von INS durch Fellendorf-Börner/Olshausen (1989, 358) scheint zwar mit den damaligen Abbildungen zusammenzupassen, findet im heutigen Zustand jedoch keine Bestätigung mehr (s. Kakoschke 2015, 184) , weswegen nicht überprüft werden kann, ob es sich tatsächlich um Reste dieser Buchstaben gehandelt hat, oder nur um ähnlich wirkende Beschädigungen.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)1,85–2,70
Kommentar Götternamen

Epona (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Göttliche Stute’ bzw. ‚Pferdegöttin’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 94)
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist im Imperium Romanum epigraphisch weit verbreitet belegt und auch in literarischen Quellen gut bezeugt. Neben Belenus und Rhenus ist er der einzige keltische Göttername, der in den literarischen Quellen in mehreren voneinander unabhängigen Stellen erwähnt wird (Hofeneder 2013, 130).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Epona (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-222(?). Die von Alföldy (1968, Nr.146) für CF-GeI-222(?) vorgeschlagene Ergänzung von EP auf „Eponae“ ist erwägenswert, kann aber keinesfalls als Beleg für die Nennung dieser Göttin gelten.
- Germania Superior: CF-GeS-1001, CF-GeS-1002, CF-GeS-1003, CF-GeS-1005, CF-GeS-1006, CF-GeS-1007, CF-GeS-1084, CF-GeS-1124, CF-GeS-1134

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Publius Iunius -idus: tria nomina

Iunuis: italisches Gentilnomen, äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 644)

-idus: Cognomen, vorgeschlagen wurden Insidus als Ableitung von insidiae, sonst nicht belegt (Fellendorf-Börner/Olshausen 1989, 358) sowie Floridus: (Kakoschke 2015, 185) lateinisches Cognomen, vor allem in den keltischen Gebieten verbreitet (Kakoschke 2021, CN 1340)

Zitiervorschlag CF-GeS-1124, hdl.handle.net/11471/504.50.1124
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Ubi Erat Lupa, Foto: Ortolf Harl 2021


Bild 1: Front, Ubi Erat Lupa, Foto: Ortolf Harl 2021

Versionen

Last Update/Current Version: 2024